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Seit 31 Jahren misst Rudolf Heydenreich aus Traben-Trarbach das Wetter - jeden Tag

Seit 31 Jahren misst Rudolf Heydenreich aus Traben-Trarbach das Wetter - jeden Tag

Zu nass, zu kalt, zu heiß, zu trocken: Das Wetter bietet Tag für Tag Gesprächsstoff. Rudolf Heydenreich aus Traben-Trarbach kann nicht nur mitreden, er kann die Launen des Wetters auch mit Zahlen untermauern. Seit mehr als 30 Jahren misst er täglich exakt die Höchst- und Tiefsttemperaturen und die Niederschlagsmengen.

Traben-Trarbach. Der Juni war meteorologisch gesehen ein besonderer Monat für Rudolf Heydenreich. An 25 Tagen hat es geregnet. Jeden Morgen hat Heydenreich pünktlich um 7.30 Uhr die Niederschlagsmenge gemessen und notiert.
Auf der Terrasse seines Arbeitgebers, der Firma Artur Müller in Traben-Trarbach, hat der kaufmännische Angestellte einen geeichten Regenmesser, den auch die Experten vom Deutschen Wetterdienst benutzen, montiert.

Hat es geregnet, füllt er das Wasser, das sich in einem metallenen Behälter gesammelt hat, in einen kleinen Messzylinder. Es ist die Niederschlagsmenge eines Tages, die er exakt notiert. Das macht er jetzt schon seit 1985. Jeden Tag, werktags wie sonntags, im Sommer wie im Winter, an Heiligabend ebenso wie an Ostern. Zuvor hat er bereits das vorschriftsmäßig vor der Sonne abgeschirmte Thermometer an seinem Haus abgelesen.

Für Hobby-Meteorologe Rudolf Heydenreich hat das Wettergeschehen eine besondere Faszination. Ihn hat es immer schon interessiert, was sich hoch über unseren Köpfen in der Atmosphäre abspielt. Regen und Schnee, Sonne und Wind - die ständig wechselnden Naturphänomene üben einen besonderen Reiz auf ihn aus. Viele Bücher hat er über das Wetter gelesen, und im Laufe der Zeit ist er zu einem Experten geworden.

In den 31 Jahren hat er noch keine Messung versäumt. Ebenso bemerkenswert: Der 66-jährige Junggeselle arbeitet seit 50 Jahren ununterbrochen in der gleichen Firma. Einmal im Monat veröffentlicht Heydenreich den Monatsrückblick, den man an einem Aushang an seinem Haus in der Brückenstraße lesen kann. Akribisch genau, gelegentlich auch mit einer kleinen Portion Humor, beschreibt der Junggeselle das Wettergeschehen des vergangenen Monats. Den Bericht schickt er außerdem an interessierte Wetterfreunde und an einige Winzer.

Ein Auszug aus seinem Junibericht: "Der Juni 2016 brachte es in Traben-Trarbach auf sage und schreibe 25 Regentage. Damit wurde in meiner Messreihe ab 1984 der Rekord von 1987 mit 26 Regentagen beinahe erreicht. So landet dieser Juni unangefochten auf Platz zwei. Platz drei mit 21 Juni-Regentagen belegt das Jahr 2012, gefolgt von 20 Regentagen im Juni 1991. Die aufsummierte Regenmenge des Juni war gewaltig. 125,6 Liter je Quadratmeter kamen in Traben-Trarbach vom Himmel, das langjährige Mittel beträgt 70 Liter. Wir melden nach 140 Litern im Juni 2012, 130,8 Litern in 2011 und 128 Litern im Juni 1987 nun den viertnassesten Juni seit 1984. Die hohen Niederschläge verursachten über rekordverdächtig langen Zeitraum im Juni einen hohen Pegelstand der Mosel. Teilweise ruhte sogar die Schifffahrt. Derartige Wasserstände der Mosel über mehrere Wochen sind im Sommer äußerst selten."

Heydenreich notiert nicht nur die Messdaten, er vergleicht und bewertet sie auch. Er vermerkt die Gewittertage, Frost- und Schneetage und besondere Ereignisse wie Sturm oder Hagel.
Wann gab es in den vergangenen 33 Jahren den ersten Schnee? Heydenreich schlägt eine Tabelle auf und sagt: "Im Winter 2010/11 schneite es bereits am 27. Oktober, im Winter 1989/90 mussten die Moselaner hingegen bis zum 12. Februar warten, bis die ersten Flocken vom Himmel fielen."Extra

 Der regenreiche Juni bescherte den Moselanern, wie hier in Reil, ein kleines Hochwasser.
Der regenreiche Juni bescherte den Moselanern, wie hier in Reil, ein kleines Hochwasser. Foto: (m_kreis )

Wetterschlagzeilen Juni 2016: Rudolf Heydenreich hat in Traben-Trarbach im Juni 2016 folgende Wetterdaten gemessen: Niederschlagstage: 25; höchste Tagesmenge: 19,5 Liter am 12. Juni; gesamte Niederschlagsmenge im Juni 2016: 125,6 Liter, das sind 179 Prozent des langjährigen Mittels; heitere Tage: sechs; trübe Tage: zehn; an den übrigen Tagen schien die Sonne wenigstens stundenweise; mittlere Temperatur: 19,0 Grad, das ist knapp ein Grad wärmer als im langjährigen Mittel. sim