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Unterschiedliche Ansichten: Pfarrer Winfrid Krause verlässt nach 31 Jahren die evangelische Kirchengemeinde Thalfang

Unterschiedliche Ansichten: Pfarrer Winfrid Krause verlässt nach 31 Jahren die evangelische Kirchengemeinde Thalfang

Der evangelische Pfarrer Winfrid Krause hat sich von den Gläubigen in Thalfang verabschiedet und eine neue Stelle im Kirchenkreis Trier übernommen. Der Wechsel, für den er sich selbst entschieden hat, erfolgt aus privaten Gründen.

Thalfang. Ein Abschied mit kleinen Fragezeichen: Nach 31 Jahren und zwei Monaten hat Winfrid Krause sein Amt als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Thalfang und Morbach "aus überwiegend privaten Gründen" niedergelegt, um eine neue Aufgabe im Kirchenkreis Trier zu übernehmen. Hinter vorgehaltener Hand erfährt man jedoch auch von Differenzen zwischen dem Presbyterium und Krause.

Krause selbst schreibt im Gemeindebrief, in dem er sich von seinen Gemeindemitgliedern verabschiedet, von einer "in mancher Hinsicht schwierigen Zeit."

Michael König, Vorsitzender des Presbyteriums, spricht von unterschiedlichen Ansichten und sagt, es habe strittige Phasen gegeben, doch sei man zuletzt "auf einem guten Weg" gewesen. König teilt mit, die Gemeinde verabschiede sich von einem Pfarrer, der mit "hoher Verlässlichkeit und umfangreichem geschichtlichem und theologischem Wissen an vielen Stellen in der Gemeinde Verantwortung übernommen hat." Krauses Haltung sei geprägt gewesen von eher traditionellen Überzeugungen und dem Wissen, dass das Wort Gottes oft quer zu dem stehe, was die Welt redet. König: "Zusammenfassend kann man sagen, dass Pfarrer Krause im gesamten Zeitraum ein fleißiger und zuverlässiger Seelsorger war."Großes theologisches Wissen


Friedel Hagenburger, lange Zeit Mitglied im Presbyterium, schreibt im Gemeindebrief bei einem Rückblick auf die Amtszeit Krauses, dass dieser besonders durch sein umfangreiches theologisches Wissen und hier vor allem durch seine profunde Kenntnis der Schriften Martin Luthers beeindruckt habe, sagt aber ebenfalls, dass Krauses Wirken in der Gemeinde auch durchaus kritisch beurteilt wurde, ohne dies weiter auszuführen.
Krause hat sich während seines Wirkens in Thalfang als streitbarer Pfarrer erwiesen. So war er einer der federführenden Personen bei der Bürgerinitiative, die sich letztlich erfolgreich für den Erhalt der Doppelgräber auf dem Thalfanger Friedhof eingesetzt und sich damit gegen einen Beschluss des Zweckverbandes der zwölf Gemeinden gewandt hatte.

1995 war Krause Mitautor der "Beiträge zur Geschichte der Juden in Thalfang" und engagierte sich im Arbeitskreis Jüdisches Leben in Thalfang, der sich 2009 gebildet und für eine Verlegung von Stolpersteinen eingesetzt hatte.
Im Frühjahr 2015 initiierte er einen Einwohnerantrag gegen den Ausbau der Windkraft und sprach sich dafür aus, an der guten alten Kohle festzuhalten, da ihm die Verspargelung der Landschaft optisch "ein Gräuel" sei, wie er es im November 2014 bei einer Veranstaltung in der Thalfanger Festhalle sagte.

Krause wohnt künftig in Malborn. Der 57-Jährige übernimmt eine Pfarrstelle im Kirchenkreis für besondere Aufgaben und steht als Vertretung für vakante Pfarreien zur Verfügung. Zudem behält er seine Funktionen als Islambeauftragter und Vorsitzender des lutherischen Konvents im Rheinland. Krause sagt, ihm falle der Abschied aus seiner Pfarrei schwer. Er habe bei Taufen, Beerdigungen und Krankenbesuchen viel Freud und Leid bei den Menschen begleitet. Er hätte gerne mehr Besucher in der Kirche gehabt, das Kirchenverhalten der Leute sei aber schwer zu ändern. Während seiner Amtszeit ist das Küsterhaus renoviert worden. Ebenso die Thalfanger Kirche, das älteste Bauwerk im Dorf, die dreimal außen und einmal innen "ganz groß" renoviert worden ist.

Wie geht es weiter in der evangelischen Kirchengemeinde Thalfang? Bis auf Weiteres steht Pfarrerin Elke Füllmann-Ostertag aus Börfink als Vertretung für die derzeit vakante Stelle zur Verfügung. Das Presbyterium macht sich auf die Suche nach einem Nachfolger für Krause, sagt König. Doch das sei nicht einfach, da es derzeit wenig Pfarrer gebe: "Das kann länger gehen, auch über Jahre", sagt er. Doch soll die Stelle auf jeden Fall wieder besetzt werden.