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Spatenstich in fröhlicher Runde

Engagierter Kämpfer für die B 50 neu und seine Gegner: Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage bei der Rede zum ersten Spatenstich. Im Hintergrund: Umweltschützer mit Protest-Plakaten.Foto: Willi Speicher
Engagierter Kämpfer für die B 50 neu und seine Gegner: Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage bei der Rede zum ersten Spatenstich. Im Hintergrund: Umweltschützer mit Protest-Plakaten.Foto: Willi Speicher
ALTRICH-NEUENHOF. Straßenbefürworter wie Gegner: Alle kamen sie zum ersten Spatenstich für die B 50 neu gestern gut gelaunt - wenn auch aus ganz verschiedenen Gründen. Von unserer Redakteurin <br>MARION MAIER

9.30 Uhr am Mittwochmorgen. Entspannt steht Günther Klein an ein Auto gelehnt und beobachtet, wie sich auf der zur Baustelle gewordenen Wiese vor seinem Hof, dem Neuenhof, langsam die Menschen zusammenfinden. Sie alle wollen beim ersten Spatenstich für die B 50 neu dabei sein. "Meine größte Sorge war, dass ich das hier nicht mehr erleben würde", sagt der Landwirt, der nun Rentner ist. Anwohner sieht nur Vorteile in der B 50 neu

Auch wenn seine Frau bedauert, dass die schöne Wiese vorm Haus nun kaputt sei, er sieht nur Vorteile in der B 50 neu und der damit verbundenen Verlegung der L 52. Die neuen Trassen führten zur Entlastung der schmalen Straße nach Osann vor seiner Haustür und zur Entlastung der umliegenden Ortschaften. Heute schlängeln sich eine ganze Menge Autos durch die kleine Straße am Neuenhof. Geparkt wird am Hof selbst, aber auch am Straßenrand. Eine kleine, bunte Fußgänger-Gruppe, in der besonders ein barfüßiger Mann mit langem welligem Haar auffällt, spaziert am Hof vorbei. "Das ist der Sonnemann, der in Koblenz gegen die B 50 neu geklagt hat", munkelt einer im Hintergrund. "Back lieber kleinere Brötchen, Bauckhage"

Und tatsächlich. Der Longkamper Ökobauer Friedmunt Sonnemann und seine Frau sowie die BUND-Landesvorsitzende Heide Weidemann und andere Straßengegner - allesamt Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Eifel-Mosel-Hunsrück in Bewegung - sind heute mit Plakaten angereist, um gegen die B 50 neu zu protestieren. Zum Fototermin halten sie lächelnd ihre Plakate hoch mit Sprüchen wie "Back lieber kleinere Brötchen, Bauckhage" und "Wo jetzt noch friedlich Kühe grasen, sollen künftig Laster rasen?" Auch Jutta Blatzheim-Roegler, Sprecherin der Grünen im Kreis, gehört zu den Protestierenden. Sie strahlt. "Nach der Entscheidung zum Hochmoselübergang von gestern bin ich gut gelaunt." (Näheres siehe Hintergrund). Der Tross bewegt sich langsam Richtung Baustelle. An vier Masten flattern dort schwarz-rot-goldene Fahnen im Wind. Um fünf vor zehn wird für die Zuschauer, deren Laune so gut ist wie das Wetter, Schnaps gereicht. 150 Leute, so schätzt ein Polizist, haben sich eingefunden, darunter Abgeordnete des Bundes und des Landes aus der Region, die Landrätin und jede Menge Lokalpolitiker, Vertreter der an der Planung beteiligten Ämter, aber auch interessierte Bürger. Punkt 10 Uhr wird Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage im schwarzen BMW fast bis zur Bühne chauffiert. Es kann losgehen. Edeltrud Bayer, Chefin des Landesbetriebs Straßen und Verkehr Trier, begrüßt die Anwesenden. "Die Lebensqualität und die Infrastruktur verbessert sich mit der B 50 neu entscheidend", sagt sie und betont, wie wichtig Straßen für die Entwicklung der Wirtschaft seien. "Unentbehrliche Ost-West-Verbindung"

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, Achim Großmann, spricht von einer unentbehrlichen Ost-West-Verbindung zwischen den Beneluxländern und dem südwestdeutschen Raum. Bauckhage bezeichnet die Straße als eines der wichtigsten verkehrspolitischen Vorhaben in Rheinland-Pfalz. Mit Blick auf das Sonnemannsche Plakat sagt er: "Ich freue mich, dass Sie mich daran erinnern, dass ich mein Geld mit Brötchen verdient habe. Nun, ich habe mein Geld mit Arbeit verdient und nicht mit demonstrieren" und erntet Applaus. Zum Spatenstich wird es dann eng: Die Zahl der Politiker, die sich plötzlich vor den Kameras tummlen, übersteigt die der Spaten. Doch das tut der Laune keinen Abbruch. Unter den Scherzen und dem Applaus der Umstehenden wird symbolisch ein wenig Erde bewegt. Und jetzt dürfen die Bagger ran.