| 11:11 Uhr

Unternehmen
Sorge um Jünkerather Gießerei: Ergocast geht in die Eisen

Die Marktentwicklung zwinge die Jünkerather Gießerei Ergocast zur Umstrukturierung, teilt das Unternehmen mit.
Die Marktentwicklung zwinge die Jünkerather Gießerei Ergocast zur Umstrukturierung, teilt das Unternehmen mit. FOTO: Fritz-Peter Linden
Jünkerath. Rückläufiges Geschäft: Die Gießerei im Kreis Vulkaneifel mit 200 Beschäftigten beantragt die Insolvenz in Eigenverantwortung. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

„Ergocast leitet Restrukturierungsprozess ein“ – so heißt es in einer Pressemitteilung der Jünkerather Traditionsgießerei vom Donnerstagmorgen. Die besorgniserregende Nachricht dahinter: Das Unternehmen verdient immer weniger Geld, die Geschäftsführung um Norbert Lüling hat deshalb zum Monatsanfang ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt.

Das Ziel laute nun, sich „auf die profitablen Produkte zu konzentrieren, um mit einer angepassten Kostenstruktur wieder erfolgreich am Markt agieren zu können“. Die Entwicklung auf dem Kraftwerksmarkt sei seit drei Jahren rückläufig. Das zwinge die Eisengießerei dazu, sich „im Markt neu aufzustellen“.

Auf dem Weg zur Kundschaft: große Gussteile im Jünkerather Traditionswerk.
Auf dem Weg zur Kundschaft: große Gussteile im Jünkerather Traditionswerk. FOTO: Fritz-Peter Linden

Wie es für die aktuell 200 Mitarbeiter weitergeht, ist offen: Die Septembergehälter seien gezahlt worden, sagt Karsten Stegmann, der technische Leiter des Unternehmens. Für die kommenden drei Monate seien die Löhne über das Insolvenzausfallgeld gewährleistet. Wie es danach aussehe, könne man noch nicht sagen.

Die Marktentwicklung zwinge die Jünkerather Gießerei Ergocast zur Umstrukturierung, teilt das Unternehmen mit.
Die Marktentwicklung zwinge die Jünkerather Gießerei Ergocast zur Umstrukturierung, teilt das Unternehmen mit. FOTO: Fritz-Peter Linden

Die Gießerei besteht bereits seit 1687 am Standort Jünkerath. Jährlich werden nach Unternehmensangaben 17 000 Tonnen Gussteile ausgeliefert – europa- und weltweit. Knapp ein Drittel der Jünkerather Produkte gehen in den Export. Zur Ergocast-Kundschaft zählen Energieunternehmen, die Schiffbauindustrie und Nutzfahrzeughersteller.

Der „extrem geschrumpfte Bedarf an Gussteilen“ gerade für Gas- und Dampfturbinen habe in den vergangenen Jahren allerdings „zu einem Ergebniseinbruch geführt“.

Dem Management sei es unterdessen zwar gelungen, andere Aufträge zu akquirieren. „Da es aber im Markt noch immer ein deutliches Überangebot und in den Gießereien große Überkapazitäten gibt“, habe man häufig keinen guten Preis für die Produkte erzielen können. Und „nicht zuletzt die hohen Tarifabschlüsse und erhebliche Preissteigerungen beim Rohmaterial haben das Ergebnis aufgezehrt“.

Damit sei man nicht allein: „Viele deutsche Eisen- und Stahlgießereien haben dieses Problem“, sagt Karsten Stegmann. „Das hängt damit zusammen, dass die Wirtschaft angezogen hat. Wenn man aber mehr schlecht bezahlte Teile produziert, verbessert sich die wirtschaftliche Situation des Unternehmens nicht. Das ist die Crux an der Geschichte.“

Um dem Standort Jünkerath positive wirtschaftliche Perspektiven zu geben, hat die Geschäftsführung ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Nächster Schritt: Gespräche mit den Kunden, „um mögliche Auftragsvolumina für die Zukunft auszuloten“. Man sei „optimistisch, mit allen Beteiligten ein tragbares Zukunftskonzept erarbeiten zu können“.