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Täglich lachen mit den Galliern von Stadtkyll

Rosel Grohé, Grundschulleiterin in Stadtkyll, hört auf.TV-Foto: Fritz-Peter Linden
Rosel Grohé, Grundschulleiterin in Stadtkyll, hört auf.TV-Foto: Fritz-Peter Linden
40 Jahre war sie Lehrerin, davon 22 Jahre an der Grundschule St. Josef Stadtkyll: Rosel Grohé, seit 2003 auch Leiterin der Schule, geht in den Ruhestand. Heute wird sie offiziell verabschiedet.

Stadtkyll. Rosel Grohé wurde 1950 im Saarland geboren - in Blieskastel. In Homburg machte sie 1968 Abitur. Die Universität besuchte sie aber im benachbarten Rheinland-Pfalz, zuerst in Kaiserslautern, dann in Landau: "Als ich studiert habe, wurden im Saarland noch keine evangelischen Lehrerinnen eingestellt."

Ein Glück, dass man das im Nachbarland entspannter sah - wenn auch nicht überall: Mit dem Staatsexamen in der Tasche kam sie Anfang der 1970er Jahre nach Hillesheim, zur Hauptschule. Nachdem ihre Kinder geboren waren, wollte sie zu einer Grundschule wechseln. Der erste Versuch allerdings scheiterte: Denn in Üxheim holte man sich lieber einen katholischen Religionslehrer.

"Und dann hat man mir Stadtkyll angeboten." Das war 1988 - "und von Anfang an habe ich mich hier zu Hause gefühlt", sagt Rosel Grohé. "Mein Mann und ich sind Asterix-Fans. Und Stadtkyll ist mein gallisches Dorf." Denn auch in Stadtkyll würden sich die Bürger untereinander tüchtig fetzen - aber wenn es dann gegen andere gehe, "dann sind sie sich alle einig. Ich meine das ausdrücklich als Kompliment. Ich wäre hier gern Mitbürger." Das geht allerdings nicht - das Grohé-Haus steht in Hillesheim. Gatte Lothar und die Kinder seien echte Hillesheimer, "die hätte ich da nie rausgekriegt". Vor etwa zehn Jahren erkrankte der damalige Schulleiter Ernst Hartel schwer, er und Kollegin Anne Seiberts, beide inzwischen gestorben, "haben mich dann weichgeklopft und mich dazu überredet, mich um die Stelle zu bewerben". 2002 habe sie dann die Schulleitung kommissarisch übernommen, "2003 wurde ich dann ernannt. Das ist ja bei Beamten so kompliziert."

Grundschullehrerin - das bedeutet: viele Erinnerungen an Kinder und die Geschichten, die man mit ihnen erlebt. Nicht nur die schönen. "Schwere Krankheiten, der Tod eines Elternteils, das ist schon schwer", sagt die scheidende Schulleiterin. Andererseits: "Das ist das Tollste, was es gibt als Grundschullehrerin: Ich kann jeden Tag lachen."

Zum Beispiel über die Geschichte mit den chinesischen Schriftzeichen, die von oben nach unten gelesen werden. Schüler Dustin habe daraufhin gesagt: "Da wär's doch eigentlich praktischer, wenn die die Schlitzaugen längs hätten."

Die Augen zusammenkneifen muss Rosel Grohé auch immer noch, wenn sie an die Sache mit der Ganztagsschule denkt. Sie hatte alles dafür vorbereitet - und dann entschied der VG-Rat sich knapp für Jünkerath als Standort (der TV berichtete). "Das hat mich sehr belastet. Das war mehr als ein Sargnagel. Und es hat mich menschlich sehr enttäuscht."Jetzt also der offizielle Abschied. Einfach wird er wohl nicht: "Den ersten großen Heulanfall hatte ich letzte Woche im Auto." Das sei nach dem Unterricht in der Koch-AG passiert: "Mir wurde einfach bewusst: Ich habe diese AG jetzt zum letzten Mal in meinem Leben. Da hätte ich einen Scheibenwischer für meine Brille gebraucht." Ihr Mann habe ihr deshalb empfohlen, die Tränen schön alle herauszulassen, "dann bleibste am Donnerstag trocken".

Und danach? "Mein Mann hat mir ein Hochbeet gebaut", sagt sie. "Ich werde viel Zeit in den Garten investieren." Dazu gebe es Hund, Katzen, ein großes Haus, das sauber zu halten sei. Und natürlich Bücher.

Aber auch ein paar andere Pflänzchen sollen noch gehegt werden: So werde sie vielleicht bei der Volkshochschule Kochkurse leiten. Und möglicherweise sogar ein kleines Gewerbe anmelden - um Familien bei Festen ihre kulinarischen Künste anbieten zu können.

Die Verabschiedung von Rosel Grohé ist heute um 11 Uhr in der Turnhalle der Grundschule. Den Posten der Schulleiterin in Stadtkyll wird Kollegin Susanne Puth übernehmen.