Müll auf Wanderschaft

TRIER. Der Müll aus der Region geht auf Wanderschaft. Weil von heute an kein unbehandelter Abfall mehr deponiert werden darf, müssen die 160 000 Tonnen Müll in andere Bundesländer gekarrt werden.

Die Müllautos aus dem Kreis Daun müssen ab heute weiter fahren. Statt zur Deponie Plütscheid im Nachbarkreis Bitburg-Prüm müssen sie nun nach Eschweiler-Weisweiler nach Nordrhein-Westfalen. Dort wird dann der Müll aus der Eifel verbrannt. Das, was in Trier und Trier-Saarburg in die Mülltonne wandert, geht zur Verbrennung ins Saarland. Dabei sollte genau dieser teure Mülltourismus (der Kreis Daun bezahlt 167 Euro pro Tonne für die Verbrennung im Nachbarland) mit der Trockenstabilat-Anlage auf der Mülldeponie in Mertesdorf (Kreis Trier-Saarburg) vermieden werden. Dort sollten die 160 000 Tonnen Müll aus der Region verarbeitet werden. Doch bekanntlich machte die absehbare Pleite des Investors Herhof einen Strich durch die Rechnung. Gleichzeitig wurden dem Regionalen Abfallwirtschaftsverband durch das Inkrafttreten der "Technischen Anleitung Siedlungsabfall" (Tasi) die Pistole auf die Brust gesetzt. Auch wenn es keine Möglichkeit gibt - wie vorgeschrieben - den Müll vorzubehandeln, darf er nicht mehr einfach auf die Deponie gekippt werden. Ausnahmen sind keine mehr zugelassen. Für die Mainzer Umweltministerin Margit Conrad (SPD) ist das heutige Datum eine "Zäsur in der Abfallpolitik". Ihrer Meinung nach sind die rheinland-pfälzischen Kommunen gut auf die Tasi und die Verarbeitung der 871 200 Tonnen Hausmüll im Land vorbereitet. Drei Müllheizkraftwerke in Ludwigshafen, Pirmasens und Mainz produzieren durch die Abfallverbrennung Fernwärme und Strom. In vier so genannten Mechanisch-Biologischen-Abfallbehandlungsanlagen, wie sie auch in Mertesdorf entstehen sollte, werden verheizbare Restabfälle aussortiert. Nur biologisch abbaubarer Müll wandert nach der Verrottung auf Deponien, von denen es derzeit noch 13 im Land gibt. 1993 waren es noch 29. Deponien gelten als ökologische Zeitbomben. Auf ihnen wurde der Müll bislang einfach nur abgeladen - weil es billig war. Dadurch konnten in vielen Kommunen - wie auch in unserer Region - die Müllgebühren niedrig gehalten werden. Nirgends ist der Abfall für die Verbraucher so günstig wie im Kreis Bitburg-Prüm mit knapp 60 Euro im Jahr für eine vierköpfige Familie. Auch Trier (84,36 Euro), Trier-Saarburg (74,76 Euro), Daun (79 Euro) und Bernkastel-Wittlich (81,60 Euro) liegen deutlich unter dem Durchschnitt von 209 Euro im Land. Doch genau diese Billigpreispolitik durch die Deponierung könnte den Kommunen nun zum Verhängnis werden, glaubt der Bund der Steuerzahler. Während Kreise, die bereits auf Müllverbrennung setzen, womöglich ihre Gebühren senken können, weil die Anlagen nun besser ausgelastet werden, müssten Kommunen, die Müll ausschließlich auf Deponie gekippt haben, wohl oder übel ihre Gebühren erhöhen.