Staatsanwalt prüft Bauunterlagen des Ring-Ferienparks in Drees

Staatsanwalt prüft Bauunterlagen des Ring-Ferienparks in Drees

Die Staatsanwaltschaft Koblenz hegt offenbar den Verdacht, dass es beim Bau des Ferienparks in Drees im Rahmen des Projektes "Nürburgring 2009" zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein könnte. Die Ermittler haben sich bei der Kreisverwaltung Daun Bauunterlagen beschafft.

Drees/Mainz. Die Nürburgring-Affäre sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Ein Bestandteil des Komplexes an der Eifel-Rennstrecke, für den insgesamt 330 Millionen Euro ausgegeben wurden, stand bislang nie im Blickpunkt: das Feriendorf Drees in der Verbandsgemeinde Kelberg. Das könnte sich bald ändern.
Auf TV-Anfrage bestätigt der Landrat des Kreises Vulkaneifel, Heinz Onnertz (parteilos), dass Beamte der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei in Daun waren. Ihnen seien die den Ferienpark in Drees betreffenden Baugenehmigungsunterlagen ausgehändigt worden. Ansonsten sei die Kreisverwaltung in der Sache nicht beteiligt, sagt Onnertz.
Die Staatsanwaltschaft Koblenz schweigt zu den Vorgängen. "Zu meinem Bedauern sehe ich mich außerstande, Ihnen die gewünschten Auskünfte zu erteilen", antwortet Oberstaatsanwalt Hans Peter Gandner lapidar auf entsprechende TV-Fragen.
Der Ferienpark in Drees ist im Juli 2009 kurz nach dem Rücktritt des damaligen Finanzministers Ingolf Deubel (SPD) eröffnet worden. Am Rande der 170-Einwohner-Gemeinde sind in fünf Monaten Bauzeit 100 Ferienhäuser errichtet worden. Investiert wurden nach damaligen Angaben rund 23 Millionen Euro. Entwickelt worden ist das Projekt vom Düsseldorfer Kai Richter und seiner Firma Mediinvest, die die Anlage an die Lindner AG als Betreiber weitervermietet.
Aktuell will Richter aufgrund des laufenden Verfahrens keine Stellung nehmen. Aus seinem Umfeld heißt es, es seien 98 Ferienhäuser und zwei Kinderspielhäuser gebaut worden. Gegen Kai Richter läuft bereits seit Februar 2012 ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Koblenz. Damals hatte Oberstaatsanwalt Gandner mitgeteilt, es bestehe der "Verdacht der Untreue durch die zweckwidrige Verwendung der von der RIM gewährten Darlehen".
Bei der RIM handelt es sich um die Immobilientochter der Landesförderbank ISB. Sie hatte jene Bauten am Ring, die der Düsseldorfer Kaufmann ursprünglich mit eigenen Mitteln errichten sollte oder wollte, mit insgesamt 85,5 Millionen Euro finanziert.
FDP-Landeschef Volker Wissing sieht "einen weiteren Beleg der unzureichenden Aufklärung durch die rot-grüne Landesregierung". Offensichtlich seien Millionenbeihilfen gezahlt worden, "ohne sich mit Nachdruck darum zu kümmern, ob diese ordnungsgemäß verwendet wurden". Die Nürburgring-Affäre habe nach dem Rücktritt von Kurt Beck "nach wenigen Tagen im Amt auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer erreicht", sagt Wissing.
Die Staatskanzlei weist diesen Vorwurf zurück. "Ich glaube, die FDP hat genügend Probleme. Herr Wissing sollte seine Energie darauf verwenden", sagt Regierungssprecherin Monika Fuhr.

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