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Vereinte Nationen der Musik

Ein Chor, vier große Stimmen und ein lustiges Lied: Dirigent Gottfried Sembdner begleitet die Liedertafel und die Solistinnen Taylor Lewis, Meredith Ernstberger, Emma Houlahan und Julia Debwoska (von links). TV-Foto: Herbert Thormeyer
Ein Chor, vier große Stimmen und ein lustiges Lied: Dirigent Gottfried Sembdner begleitet die Liedertafel und die Solistinnen Taylor Lewis, Meredith Ernstberger, Emma Houlahan und Julia Debwoska (von links). TV-Foto: Herbert Thormeyer FOTO: Herbert Thormeyer (doth) ("TV-Upload Thormeyer"
Irsch. Zum zweiten Mal haben sich die Liedertafel und Studenten der Saarburger Serenaden in Irsch zu einem gemeinsamen Konzert getroffen. Für die Amateure wie die angehenden Profis war das eine Bereicherung. Die internationalen Künstler sangen sogar erstmals in deutscher Sprache.

Irsch. Semyon Rozin holt seine jungen Künstler auf die Bühne des Irscher Bürgerhauses. "Hier sehen sie die Vereinten Nationen der Musik", erklärt der Leiter des Festivals Saarburger Serenaden dem Publikum mit Stolz. Zum zweiten Mal trafen sich die angehenden Profis der Musik mit einem Chor, der nur aus Spaß an der Freud' singt.
Doch dessen künstlerischer Leiter, Gottfried Sembdner, hat seine fast 60 Sängerinnen und Sänger bestens auf den Abend vorbereitet: "Das ist eine Herausforderung, der wir uns stellen."
Die Liedertafel, die nur dem Namen nach wie 19. Jahrhundert klingt, zeigt ein junges Gesicht. Das Durchschnittalter liegt geschätzt zwei Jahrzehnte unter dem anderer Chöre. Und das hört man. Vorsitzender Werner Müller verrät: "Das war eine kurze, aber sehr intensive Probenwoche."
Mit Laien zu arbeiten gehöre zur PR-Arbeit von Musikstudenten, sagt Serenaden-Chef Rozin, und außerdem: "Die Liedertafel sind zwar keine Profis, aber sie sind mit Leib und Seele bei der Sache. Und darauf kommt es an." Es sei immer gut, wenn junge Musiker sich vergleichen können, denn auch unter den Studenten sei das Leistungsniveau unterschiedlich. Von Beethoven bis Tschaikowsky spielten die internationalen Gäste. Die Liedertafel überraschte mit Werken von Komponist Friedrich Silcher, der vor mehr als 150 Jahren gelebt hat, und "Summertime" von George Gershwin.
Gemeinsam wurde das Stück "Don't count your chicken, before they are hatched" von Thomas Payne Westendorf gesungen. Der Rat, nicht die Hühner zu zählen, bevor sie geschlüpft sind, oder wie das deutsche Sprichwort sagt, nicht das Fell des Bären verteilen, bevor er erlegt ist, kam bei den rund 200 Zuhörern prächtig an.
Spannend wurde es, als die Zugabe erklang. "Über sieben Brücken musst du gehen", der Klassiker der ostdeutschen Band Karat und Superhit von Peter Maffay, war als deutscher Text von Rozin erst einen Tag zuvor an die Sängerinnen in seinem Ensemble gegeben worden. Ob Chinesin, Amerikanerin oder mit spanischer Muttersprache, sie bekamen es hin - akzentfrei.
Sopranistin Emma Houlahan aus den USA gestand dem TV: "Deutsch ist schon schwierig, es hat so viele Konsonanten. Es ist aber auch eine schöne Sprache zum Singen."
Die positiven Auswirkungen der Saarburger Serenaden erfährt die Leiterin der Tourist-Information, Stefanie Koch, unmittelbar: "Touristen fragen jetzt verstärkt nach den Konzertterminen." Es seien nicht nur die Übernachtungen der Künstler und die profitierende Gastronomie, die ganze Stadt werde internationaler: "Das ist im Straßenbild deutlich zu sehen." Die Serenaden seien eine tolle Sache.
dothExtra

Ganz der Operette und Salonmusik ist der Serenadenabend am Dienstag, 4. August, um 19.30 Uhr in der Kulturgießerei gewidmet. Die Studenten geben zwei weitere Konzerte in der Stadthalle und zwar am Mittwoch und Donnerstag, 5. und 6. August, jeweils um 19.30 Uhr. doth