Allein unter Frauen

GUSTERATH/TRIER. An deutschen Grundschulen mangelt es an männlichen Lehrkräften – Trier und Umgebung bilden da keine Ausnahme. Jochen Weber und Tobias Dümler sind als Grundschullehrer eine Rarität in der Region.

Einmal der Hahn im Korb sein: Für viele Männer ist das der Traum schlechthin. Für Tobias Dümler (29) und Jochen Weber (24) ist das Berufsalltag. Jeden Vormittag sind die beiden Lehrer an der Grundschule Gusterath umringt von acht Kolleginnen. Im Lehrerzimmer in der Grundschule Gusterath sind männliche Pauker deutlich in der Unterzahl. Kein Einzelfall in der Region, wie eine Aufstellung des Statistischen Landesamtes belegt: Insgesamt waren im vergangenen Schuljahr 206 Grundschullehrer in Trier tätig. Nur zwölf von ihnen waren männlich. Der Beruf des Grundschullehrers entwickelt sich immer mehr zur Frauendomäne. Im vergangenen Schuljahr unterrichteten in ganz Deutschland rund 87 Prozent Lehrerinnen in den ersten vier Schuljahren.Weibliche Unterstützung beim Basteln

Tobias Dümler und Jochen Weber bereuen ihre Berufswahl nicht. "Die Leistungsbereitschaft ist bei unseren Schülern noch sehr hoch", sagt Jochen Weber, der seit Februar als Referendar unterrichtet. "In meiner Freizeit habe ich früher schon als Fußballtrainer gearbeitet", erzählt der 24-Jährige. Dieses Hobby zum Beruf zu machen, lag für Jochen Weber nahe. In Landau hat er Grund- und Hauptschulpädagogik mit dem Hauptfach Sport studiert. Schon im Hörsaal saßen hauptsächlich Kommilitoninnen neben ihm. "Auch jetzt bin ich der einzige Grundschul-Mann im Seminar", schmunzelt er. Schreiben, Rechnen, Sport, Sach- oder Kunstunterricht - der Alltag eines Grundschullehrers ist vielseitig. Umso weniger verstehen Tobias Dümler und Jochen Weber, warum viele Männer um den Beruf einen großen Bogen machen. "Vielleicht schreckt die Vorstellung, sehr engen Kontakt mit den Kindern zu haben, viele Männer ab", meint Jochen Weber. Wenn bei Konfliktsituationen Tränen fließen, ist schließlich Fingerspitzengefühl gefragt. "Vielleicht fehlen manchen Männern aber auch die Aufstiegsmöglichkeiten", ergänzt Tobias Dümler. Die Bezahlung und die Aussicht auf hochrangige Positionen sind an anderen Schulformen deutlich höher. Auch der Status eines Grundschullehrers ist niedriger als bei den Kollegen an Gymnasien oder Realschulen. Wie viel didaktisches Geschick hinter jeder Unterrichtsstunde in der Grundschule steckt, wird von außen Stehenden häufig übersehen. "Viele vergessen, dass wir die gleiche Ausbildung haben wie ein Hauptschullehrer und auch studiert haben", sagt Jochen Weber. Die beiden Pauker aus Gusterath konnten diese Argumente nicht abschrecken. "Weil unsere Arbeit so abwechslungsreich ist, sind die Vormittage immer kurzweilig", erklärt Tobias Dümler. Auch aus pädagogischer Sicht halten es die beiden Grundschullehrer für sinnvoll, wenn nicht nur Frauen an der Tafel stehen. Bei der wachsenden Anzahl allein erziehender Mütter sei es umso wichtiger, dass die Kinder im Alltag Kontakt zu männlichen Bezugspersonen haben. "Ansonsten wird das Stereotyp, dass nur Frauen für die Erziehung zuständig sind, nur verstärkt", meint Tobias Dümler.Tipps von der Freundin

Nur selten stoßen Jochen Weber und Tobias Dümler an "männliche Grenzen" in ihrem Beruf als Grundschullehrer. Aber wenn Handarbeit und Bastelarbeiten auf dem Stundenplan stehen, greifen sie schon mal auf weibliche Unterstützung zurück. Aus Tonpapier Sterne und Monde auszuschneiden, ist für Referendar Jochen Weber noch ungewohnt. Aber dieser Herausforderung fühlt er sich gewachsen. "Im Zweifelsfall muss dann meine Freundin schon mal herhalten und mir ein paar Tipps geben", gibt er schmunzelnd zu. Und bei so vielen Kolleginnen im Lehrerzimmer dürfte es an Ratschlägen von weiblicher Seite nicht mangeln.