Stadtentwicklung: Baulandpreise: Schweich überholt Trier

Stadtentwicklung : Baulandpreise: Schweich überholt Trier

Im Baugebiet Ermesgraben wurden schon weit mehr als 400 Euro für den Quadratmeter gezahlt. Die große Nachfrage nach Grundstücken führt auch zu einer Verdichtung im Stadtkern. In Issel gibt es Schnäppchen für junge Familien.

Wer im Moselstädtchen Schweich bauen möchte, der muss schon sehr tief in die Tasche greifen: 320 Euro für den Quadratmeter Bauland weist der jüngste Bodenrichtwert aus dem Jahr 2016 für das Baugebiet Ermesgraben aus. Das sind 60 Euro mehr als beispielsweise beim Trierer Baugebiet Petrisberg. Im Eifelort Naurath (Verbandsgemeinde Schweich) bekäme man für 320 Euro fünf Mal so viel Fläche wie in Schweich.

Dabei sind die Bodenrichtwerte von vor zwei Jahren längst nicht mehr aktuell. Tatsächlich wurden im Ermesgraben schon Quadratmeterpreise von weit über 400 Euro gezahlt, wie ein Mitarbeiter der VG-Verwaltung Schweich bestätigt. Das liege am enormen Baudruck. Schweich mit seiner erstklassigen Infrastruktur sei äußerst gefragt.

Das zeigt sich auch an den vielen Bauvoranfragen, über die regelmäßig der Schweicher Stadtrat zu befinden hat. Angesichts der hohen Preise und der Platznot (neben dem großen Baugebiet Ermesgraben gibt es nur noch einige kleinere Baugebiete im Stadtteil Issel) wird auch das Bauen in zweiter Reihe immer beliebter. Immer mehr Grundstücksbesitzer mit größerem Garten wollen dort Wohnraum schaffen, sei es als Anbau oder als freistehendes Einfamilienhaus.

Am Donnerstagabend sorgte die Bauvoranfrage eines Grundstückseigentümers aus der Schweicher Bertradastraße für Diskussionen im Stadtrat. Er möchte hinter seinem Haus ein kleines Einfamilienhaus bauen. Achim Schmitt (SPD) sieht diese Verdichtung skeptisch: „Wir beschweren uns alle über die Riesenkästen, die überall in Schweich hochgezogen werden. Wenn wir dann auch noch beim Bauen in zweiter Reihe großzügig sind, gehen der dörfliche Charakter unserer Stadt und der Frieden in der Nachbarschaft noch mehr verloren.” Schmitt plädiert dafür, das Thema einmal grundsätzlich im Stadtentwicklungsausschuss zu erörtern, um eine einheitliche Linie für derartige Bauanträge zu erarbeiten. Das sieht auch Johannes Lehnert (FWG) so. Auch Bebauungspläne könnten seiner Meinung nach die städtebauliche Entwicklung von Schweich in geordnetere Bahnen lenken. Einig war sich der Rat darin, dass sich solche aufwendigen Verfahren nicht für ein oder zwei Grundstücke lohnen.

Für eine großzügigere Beurteilung von Bauanfragen und -voranfragen sprachen sich Johannes Heinz und Hans-Georg Becker (beide CDU) aus. Man könne heute nicht grundsätzlich anders entscheiden als vor zehn oder 20 Jahren. „Zu sagen, uns gefällt deine Bauerei nicht, reicht nicht für eine Ablehnung aus”, sagt Heinz. Becker argumentiert, dass ein Anbau kein großer Unterschied zu einem separat stehenden Haus sei. Die verdichtete Fläche bleibe gleich. Neben Becker und Heinz stimmte auch Stadtbürgermeister Lars Rieger (CDU) der Bauvoranfrage zu, die restlichen 16 Räte stimmten dagegen. Nun soll der Bauherr einen neuen Antrag einreichen und sein Vorhaben zu konkretisieren.

Auf dem früheren Sportplatz in Issel entsteht ein Baugebiet. Die Stadt verkauft Grundstücke unter Marktpreis. Familien mit Kindern werden bevorzugt. Foto: Albert Follmann

Unterdessen verabschiedete der Rat einstimmig die Preise für die 16 Baustellen im Baugebiet auf dem ehemaligen Isseler Sportplatz. Sie werden für 260 oder 290 Euro pro Quadratmeter an Privatleute verkauft. Vorzugsweise an Familien mit Kindern sowie an Bewerber, die mindestens fünf Jahre in Schweich wohnen oder gewohnt haben (siehe Info)