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Der Macher zeigt sein buntes Trier

Der Macher zeigt sein buntes Trier

Als Denkmalpfleger hat Rainer Thelen Farbe in Deutschlands älteste Stadt zurückgebracht, die er im Ruhestand als Gästeführer erklärt. Am heutigen Samstag wird der Wahl-Gusterather und langjährige Gemeindepolitiker 75.

Keine Frage, Rainer Thelen gehört zum Trierer Stadtbild. Schon seit einem halben Jahrhundert. In der Altstadt kann man ihm an manchen Tagen mehrmals über den Weg laufen. Im Berufsleben war er als Denkmalpfleger unterwegs. Als er 2007 in Ruhestand ging, machte er sein Trier-Faible zum Hobby und wurde Stadtführer: "Wunderbar, Gästen zu zeigen, wie schön es hier ist." Zum hohen Wohlfühlfaktor von Deutschlands ältester Stadt hat Thelen aktiv beigetragen.

Rückblende: Das Trier der 60er und 70er Jahre ist eine optisch triste Angelegenheit. Spuren des Krieges sind im Stadtbild noch allgegenwärtig. Die alten Gemäuer, die den Bombenhagel von 1944 überstanden haben, sind grau, nur ein Abglanz ihrer besseren Zeiten. Thelen und sein Chef und Mentor Helmut Lutz (84) sind beim Wiederaufbau hautnah dabei. Und bringen Farbe ins Spiel. Dreikönigenhaus, Petrusbrunnen und Dutzende historischer Häuserfassaden sind strahlende Beispiele für das Wirken des Gespanns, das die Altstadt vom Grauschleier befreite.

Die Krönung: der Wiederaufbau der Steipe am Hauptmarkt. Nach einem Bombentreffer komplett von der Bildfläche verschwunden, dauert es ein Vierteljahrhundert, bis nach kontroversen Diskussion das einstige Repräsentationshaus der Trierer Bürgerschaft 1969/70 in seiner ursprünglichen Form von 1483 wiedererrichtet wird - ein bunter Hingucker statt einer tief klaffenden Lücke ausgerechnet am Hauptmarkt. Die zeichnerischen Rekonstruktionen und die planerischen Voraussetzungen gehen auf Lutz und Thelen zurück, die wiederum auf die Arbeit ihrer Vorgänger Friedrich Kutzbach (Triers erster Stadtkonservator) und Carl Delhougne zurückgreifen können. Denkmalpfleger, das ist der Traumberuf, für den Thelen bis zum Rentenalter "stets Feuer und Flamme" war.

Nach Trier und zum Traumjob ist er über Umwege gekommen. Geboren wird er 1942 in Wetzlar (Hessen) als Spross eines Lothringers und einer Elsässerin. Die Familie zieht 1952 dorthin zurück, wo sie schon vor dem Krieg wohnte und wo es Verwandtschaft gab - nach Trier. Thelen absolviert eine Zimmererlehrer, will Architektur studieren. Ein Arbeitsunfall durchkreuzt diesen Plan. Mit 20 wagt er einen Neuanfang mit einer Bauzeichnerlehre bei der städtischen Denkmalpflege, bei den - da machte der Volksmund keinen Unterschied zu Archäologen - sogenannten "Mumiengrieweler".

Denkmalpflege - im Klartext bedeutete das, mit Eigentümern historischer Immobilien oder Investoren Kompromisse zu erarbeiten, Kontakte zu Architekten, Handwerkern und Historikern zu pflegen und auf Baustellen vor Ort zu sein: "Ich war immer auf Tour. Als Kontrolleur, aber auch Berater. Ich ziehe persönliche Kontakte anonymen Amtsschreiben vor."

Auch im übertragenen Sinn hat Thelen (Hobby: Malen) mehr "Farbe" ins Spiel gebracht. Er trat 1962 der SPD bei. 1974 zog er in seinem neuen Heimatort Gusterath ("In Trier gab's keine Wohnungen. Also sind meine Frau Monika und ich dorthin, wo das Bauland billig war") in den Gemeinderat ein. Den SPD-Ortsverein hatte er just mitgegründet, "was im tiefschwarzen Gusterath schon fast revolutionär war". 35 Jahre blieb der "rote Thelen" im Gemeinderat, 20 Jahre war er Beigeordneter.

Seine Wahlheimat sei "sehr schön", doch ihn und seine aus der Südstadt stammende Frau zieht es immer wieder nach Trier. Als Stadtführer ist er sehr gefragt, vor allem bei Gruppen aus dem Bauwesen. Denen erzählt er nicht nur von Römern, sondern auch von dem, was in der Betrachtung der mehr als 2000 Jahre alten Stadt oft zu kurz komme: dem Mittelalter und der frühen Neuzeit.

An seinem 75. Geburtstag am heutigen Samstag fährt Thelen nicht nach Trier: "Ich bin Geburtstagsflüchtling und gegen Feierlichkeiten in eigener Sache." Stattdessen planen er und seine Frau eine Tagestour an die Mittelmosel.