1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Die Welt mit den Augen eines Clowns sehen

Die Welt mit den Augen eines Clowns sehen

Neue Perspektiven bietet ein Clown-Workshop, der über die Dauer eines Jahres berufsbegleitend in der Tufa Trier stattfindet. Elf Teilnehmer nutzen dieses Angebot. Sie kommen aus mehreren deutschen Städten sowie aus Luxemburg.

Trier. Sabine Vetter muss sich vor der großen Spiegelfläche im Tufa-Ballettsaal der Kritik stellen. Vor wenigen Momenten ist die gelernte Erzieherin aus Schöndorf in ihre selbst ausgedachte Clown-Garderobe geschlüpft und hat ihr ebenfalls selbst kreiertes Make up aufgelegt.
Garderobe und Make up - passt das zusammen? Hätte man da vielleicht etwas besser machen können? Gespannt warten sie und die übrigen zehn Seminarteilnehmer auf das Urteil von Kursleiterin Sigi Karnath.
Eine Idee wird geboren


Die Clown-Dozentin ist seit 25 Jahren in Sachen Humor unterwegs. Ihren Weg hat sie über das Freie Theater gefunden, wo sie im In- und Ausland mit vielen Regisseuren zusammenarbeiten konnte. Zum Clown sein kam sie, weil eine Schauspiellehrerin eines Tages feststellte, dass Karnath ein Talent für Komik hatte und selbst in schwierigen Situationen noch lachen konnte.
"Sie sagte dann: Diese Qualität musst Du Dir bewahren - und diesen Ratschlag habe ich befolgt." Fortan arbeitete sie als Clownin und gründete nach einiger Zeit in Bad Kreuznach das Institut für Clown-Pädagogik. Bei den berufsbegleitenden Clown-Fortbildungen lernen die Teilnehmer das komplette Handwerk. "Dazu gehört die eigene Maske ebenso wie der spätere Name." Von der Figurenfindung über Spiel und Improvisation bis hin zum ersten Auftritt ist es ein weiter Weg.
Knapp 300 Unterrichtsstunden, verteilt auf zwei Wochen- und sechs zweitägige Wochenendseminare, müssen die Teilnehmer bewältigen. Gewissheit, ob man seine Sache gut macht, bringt immer erst die Abschlussveranstaltung. Den Termin dafür kennen die angehenden Clowns bereits: Samstag, 2. April 2016, um 20 Uhr im Kleinen Saal der Tufa.
Erste Erfolgserlebnisse konnte Jean-Claude Zeimet bereits feststellen. Der Luxemburger ist Diplom-Pädagoge und arbeitet im Nachbarland an einer Schule für Erwachsene. Ihm geht es bei dem Kurs weniger um spätere Auftritte. "Für mich steht der Humor im Vordergrund. Ich möchte lernen lockerer zu werden, um so den Humor als Gestaltungsmittel bei der Arbeit einsetzen zu können."
Sein persönliches Umfeld habe ihm zudem attestiert, dass er schon wesentlich ruhiger und gelassener in Erscheinung trete. Auch John Decker ist Lehrer und ebenfalls Luxemburger. So wie Zeimet will er später nicht unbedingt als Clown auftreten. "Wenn man es schafft die Welt mit den Augen eines Clowns zu sehen, lernt man über den Dingen zu stehen", sagt er. "Wenn man alles annimmt, dann bringt das auch mehr Gelassenheit. Das Gestern oder Morgen zählt nicht so. Was zählt ist der Moment, das Heute. Dieser Aspekt des Clown-Sein hilft mir bei der Arbeit aber auch im Allgemeinen."
Frohe Momente bescheren


Die gelernte Sozialarbeiterin Susanne Nöcker ist für den Workshop eigens aus Wiesbaden nach Trier gekommen. Gegen Ende ihres Berufslebens plant sie ihre weitere Zukunft. Und die will sie als Clownin gestalten. Künftig möchte sie Altenheime besuchen und mit ihren Auftritten den Alten frohe Momente bescheren.
Das ist auch die Intention der gelernten Altenpflegerin Marion Meter aus Klüsserath. "Besonders demente Menschen reagieren spontan und positiv auf gemeinsames Singen und Lachen", weiß sie.
Ein Verhalten, das dem von Kindern sehr ähnlich ist. Sabine Vetter freut sich bereits darauf, ihre neu erlernte Kunst, die sie auch im Privatleben nutzen möchte, den Kindern in der Kita Pluwig vorführen zu können. Sowohl von der Leiterin wie auch der Bürgermeisterin habe sie Zustimmung und Ansporn erfahren, berichtet sie.
Beides bekommt sie übrigens auch von Sigi Karnath, die bis auf einige winzig kleine Details nichts an Vetters Kostüm und Maske ändern würde.