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Gegen Grabsteine aus Kinderarbeit

Gegen Grabsteine aus Kinderarbeit

Indische Grabmale sind auf deutschen Friedhöfen weit verbreitet. Oft stehen sie im Verdacht, von Kindern gefertigt zu sein. Der Vorsitzende des Trier er Katholikenrats, Manfred Thesing, plädiert daher für Friedhofssatzungen, die nur zertifizierte Steine ohne Kinderarbeit zulassen. Örtliche Steinmetze erheben Einspruch.

Trier. Nach Schätzung des Deutschen Natursteinverbands in Würzburg stammt ein Drittel der in Deutschland angebotenen Grabsteine aus Indien, ein Großteil davon aus Kinderarbeit. Mit diesem Problem beschäftigt sich aktuell der Katholikenrat (KR) des Bistums Trier. Dessen Vorsitzender, Manfred Thesing, plädiert für Siegel auf indischen Steinen, die eine Produktion ohne Kinderarbeit bescheinigen. Möglicher Siegelgeber wäre der Verein "XertifiX", der mit Unterstützung des Hilfswerks Misereor indische Steinbrüche kontrolliert. Zudem sollten Gemeinden nach Vorstellung des Katholikenrats in ihren Friedhofssatzungen festlegen können, dass sie nur indische Steine mit Zertifikat zulassen.

Vor zwei Jahren hatte die Stadt Andernach ihre Friedhofssatzung entsprechend geändert. Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz erklärte die Änderung im vergangenen Jahr jedoch für unwirksam, da sich die Satzungsbefugnis der Kommunen nur auf Angelegenheiten mit spezifisch örtlichem Bezug erstrecke.

Auch die Stadt Trier darf ihre Friedhofssatzung derzeit nicht ändern. Sie verweist auf "fehlende rechtliche Handhabe" in dieser Frage. Sie unterstütze zwar das Anliegen des Katholikenrats, warte jedoch "auf eine Regelung durch den Gesetzgeber". Die rheinland-pfälzische Staatskanzlei prüft derzeit mögliche Schritte. Derweil fordert die Ortsgemeinde Oberbillig bei Konz ihre Bürger per Infoblatt dazu auf, beim Grabmal-Kauf die Herkunft der Steine zu beachten. Die örtlichen Steinmetze sehen in Zertifikaten und geänderten Satzungen keine Lösung des Problems.

"Wir sind absolut gegen Kinderarbeit", bekräftigt Hans-Peter Melchisedech, Obermeister der Steinmetz-Innung in Trier. "Aber es kann nicht sein, dass unser kleines Handwerk für die gesamte Wertschöpfungskette garantieren soll." Eine flächendeckende Kontrolle indischer Steinbrüche durch Siegelgeber wie "XertifiX" hält Melchisedech für "absolut unmöglich". Der Steinmetz sieht vorrangig die indische Politik, aber auch seine Kunden gefordert: "Sie haben es in der Hand, das günstigere indische Material nicht mehr nachzufragen." Manfred Thesing hält dagegen: "Es sollte eine Auswahl geben zwischen zertifizierten indischen Steinen und einheimischen Produkten." Der KR-Vorsitzende versteht die Skepsis der Steinmetze nicht: "Den Herkunftsnachweis erbringt doch allein der Siegelgeber. " Und wer von den Kunden einen Boykott der indischen zugunsten weniger preiswerter Steine verlange, könne ebenso die Lizenzgebühr eines Siegelgebers bezahlen. "XertifiX" habe sein volles Vertrauen, sagt Thesing. Steinmetz Melchisedech zweifelt: "Mir fehlen bisher handfeste Beweise für Kinderarbeit an Grabmalen." Extra: "XertifiX"-Siegel Seit 2005 versucht der Verein "XertifiX", eine Siegelung von Steinen aus Indien zu etablieren, die eine Herstellung ohne Kinder- und Sklavenarbeit garantiert. Vorsitzender von "XertifiX" ist der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Um das "XertifiX"-Siegel zu erhalten, unterschreiben deutsche Importeure indischer Natursteine einen Lizenzvertrag. Deren indische Exporteure geben Auskunft über ihre Fabriken und Steinbrüche und willigen schriftlich in unangekündigte Kontrollen ein. Eine "XertifiX"-Tochter in Indien führt die Kontrollen durch. Die Kosten zahlt der Lizenznehmer in Deutschland. Laut "XertifiX" erhält das Hilfswerk Misereor ein Fünftel der Lizenzeinnahmen für die Versorgung von Steinbruch-Kindern. (cweb)