Lesen und Schreiben lernen im Stuhllager

Lesen und Schreiben lernen im Stuhllager

Jetzt wird es aber Zeit. Erst seit ein paar Tagen ist klar, dass die Verbandsgemeinde Trier-Land die Grundschule Zemmer-Rodt erweitern darf und nicht die alte Schule in Zemmer sanieren muss. Zudem sieht es so aus, dass die Verbandsgemeinde rund 650 000 Euro statt wie bisher angenommen rund 430 000 Euro für das Projekt zahlen muss.

Zemmer. Der Tagungsort ist gut gewählt. Der Verbandsgemeinderat Trier-Land trifft sich am Mittwoch zur Sitzung im Gemeindehaus von Zemmer-Schleidweiler. Der wohl wichtigste Tagesordnungspunkt ist die Schule im benachbarten Zemmer-Rodt. Dort müssen dringend neue Klassen gebaut werden, da im kommenden Schuljahr der Platz nicht mehr reicht (der TV berichtete). Ein Teil der Eltern aus Zemmer kann sich nun schon einmal darauf einrichten, dass ihre Kinder über Monate hinweg in einem Raum unterrichtet werden, der aktuell als Stuhllager genutzt wird. In der Vorlage für die Sitzung ist von einem halben Jahr die Rede.
Gleich zwei Gründe gibt es dafür, dass die Abc-Schützen nach Auskunft der Verbandsgemeindeverwaltung Trier-Land in einem Ausweichquartier Lesen und Schreiben lernen. Der wichtigste zuerst: Es gibt zu viele Klassen, um sie alle im bestehenden Gebäude in Zemmer-Rodt unterbringen zu können. Für Bau, Unterhaltung und in diesem Fall für die Erweiterung von Grundschulen ist die Verbandsgemeinde Trier-Land als Träger zuständig. Der Verbandsgemeinderat als Entscheidungsgremium hatte sich bereits vor Monaten dafür entschieden, das bestehende Gebäude zu erweitern. Doch wollte die Schulaufsicht bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) anfangs nicht für alle Räume Zuschüsse gewähren.
Alle Räume in Massivbauweise


Der andere Grund ist finanzieller Natur. Wegen der Kosten sollte eine Klasse in Massivbauweise errichtet werden. Zwei weitere Räume in Containerbauweise. Nachdem jedoch klar war, dass das Vorhaben komplett gefördert wird, entschied sich auf Vorschlag der Fraktion der Freien Wähler der Rat dafür, komplett in Massivbauweise bauen zu lassen.
Dieser Beschluss hat sich nun offensichtlich als Bumerang erwiesen. Denn aufgrund der neuen Pläne musste noch einmal geprüft werden, ob ein Anbau in Zemmer-Rodt oder eine Reaktivierung der alten Grundschule in Zemmer günstiger ist.
Seit einigen Tagen steht nun fest, dass Arbeiten in Rodt unterm Strich günstiger werden. Nun warten die Verantwortlichen im Rathaus der Verbandsgemeinde Trier-Land auf ein Schreiben von der ADD, damit die Arbeiten ausgeschrieben werden können. Erst nach dem mehrere Wochen dauernden Ausschreibungsverfahren werden die Bauarbeiter anrücken.
Auch in finanzieller Hinsicht gibt es Neuigkeiten. Die Verbandsgemeindeverwaltung war bisher davon ausgegangen, dass sie etwas mehr als die Hälfte der Kosten als Zuschuss von Land und Kreis erhält. Bei rund 838 000 Euro wären das gut 430 000 Euro gewesen. Laut Vorlage für die Sitzung des Verbandsgemeinderats sollen es nur noch 187 000 Euro sein. Die Erklärung: Als Grundlage für die Berechnung würden laut ADD nicht die Kosten für Arbeiten an der Grundschule in Rodt, sondern Kosten zugrunde gelegt für eine Sanierung der nicht mehr genutzten Schule in Zemmer. Damit würde der von der Verbandsgemeinde zu tragende Anteil bei rund 650 000 Euro liegen.

Mehr von Volksfreund