Olewiger Weinfest: Wie ein Nachhausekommen (Update)

Olewiger Weinfest: Wie ein Nachhausekommen (Update)

Das Leben und die Heimat feiern: Deshalb hat das Olewiger Weinfest für sehr viele Menschen einen ganz besonderen Reiz. Am Freitag feierten mehr als 5000, am Samstag mehr als 8000 Besucher in Olewig. Laut Polizei blieb es dabei sehr friedlich.


Es ist wie ein Nachhausekommen nach Monaten, vielleicht Jahren, aus einem fernen Land. Natürlich ist Olewig das gesamte Jahr über präsent als einer der schönsten Trierer Stadtteile und taucht nicht wie das verwunschene irische Dorf Brigadoon nur einmal alle hundert Jahre in der wirklichen Welt auf. Aber trotzdem: Wer sich ab Freitagabend dem Ortszentrum von Olewig nähert, hört das Gewirr Tausender Stimmen und die Musik schon von weitem und hat das Gefühl, nach Hause zu kommen zu einem Ort, den es leider nur selten gibt. Eben einmal im Jahr.

Es wird eng am Freitagabend. Vor den Weinständen, auf den zentralen Plätzen wie dem Klostergarten und auch in der Olewiger Straße. Die Stimmung ist herausragend gut, denn das Wetter bleibt freundlich und trocken. Im vergangenen Jahr hatte es am ersten Festtag, dem Freitag, wie aus Kübeln geschüttet.

Es gibt zwei zentrale Methoden, auf dem Olewiger Weinfest zu feiern. Christine (33) erklärt sie: "Entweder wandert man ständig umher und trifft immer wieder Leute, oder man sucht sich einen zentralen guten Platz bei einer der großen Bühnen, sichert sich ständigen Nachschub von einem Weinstand und rührt sich nicht mehr weg." Die Bankkauffrau hat sich mit ihrer Clique einen Stammplatz beim Blesius Garten gesichert.

Das ist keine schlechte Entscheidung, denn das Bühnenprogramm ist immer wieder für Überraschungen gut. Christines Clique erlebt beim Blesius Garten Flo und Chris, ein Duo aus Mainz, das einfach "die beste Musik der letzten 50 Jahre" bieten will. Wer das nicht zu ernst nimmt, wird hervorragend unterhalten - von Queens Bohemian Rhapsody mit nur zwei Stimmen bis zu 90er-Granaten wie "Weil ich ein Mädchen bin" mit ebenfalls zwei Stimmen. Männerstimmen.

Durch das Gedränge der Menschenmenge geht es weiter zu anderen Zentren des Fests. Es ist wieder diese Mischung aus der Party-Action und dem Zuhause-Gefühl, die den unverwechselbaren Reiz in Olewig ausmacht. Im Klostergarten spielt die Band Wallstreet und lässt AC/DC tatsächlich so klingen wie AC/DC. Ein bisschen. Den guten Willen vorausgesetzt. Aber den hat hier so ziemlich jeder.

Die neue Weinkönigin Bärbel Ellwanger ist mittendrin. Die 23-Jährige hat einen enormen Bekanntheitsgrad unter den Feiernden. Eine Stichprobenumfrage "Kennt ihr die Weinkönigin?" ergibt nicht immer den korrekten Namen, aber dafür fast immer dem Satz "Ja, klar, das ist die Königin, die Chinesich kann." Kann sie wirklich.

Olewig hat an seinem großen Wochenende natürlich nicht nur Festgäste, sondern auch Anwohner. Zum Schutz ihrer Nachtruhe gibt es Regeln, die auch eingehalten werden. Sowohl Flo und Chris als auch Wallstreet haben am Freitagabend zwar einen akustischen Bremsweg von einigen Minuten, aber sie hören einigermaßen pünktlich um Mitternacht (Blesius Garten) und um ein Uhr (Klostergarten) mit der Live-Musik auf.

Die Party geht natürlich trotzdem weiter. Auch am Samstag, dem zweiten Festtag, ist das Wetter freundlich, die Stimmung ist herausragend gut. Es bleibt erfreulich friedlich, das bestätigen sowohl die Polizei als auch Monika Reinsch, die neue Geschäftsführerin der Trier-Olewiger Winzervereinigung. Es ist ihr erstes Weinfest in diesem Amt.
"Wir haben ein sehr junges Publikum, das zwar laut und ausgelassen feiert, sich aber nicht danebenbenimmt", sagt Reinsch in einem ersten Fazit am Samstag. "Ich haben einen sehr positiven Eindruck."

Immer wieder tauchen Bauzäune vor Einfahrten und privaten Flächen auf. Sie sollen Alleingänge einzelner Festgäste verhindern, die dringend eine Toilette brauchen. Ein Anwohner macht seiner Wut Luft: "Es ist unterträglich, dass viele Festgäste die vorhandenen Toiletten ignorieren. Das mag daran liegen, dass diese kostenpflichtig sind." Einmal habe er einen Feiernden schlafend in seinem Hauseingang gefunden.

Die Polizei Trier spricht bisher von einem generell friedlichen Fest, das nur in wenigen einzelnen Fällen gestört wurde. Der einzige schwere Zwischenfall ereignete sich am Freitagabend. Ein Polizist wurde dabei verletzt.

Der Freitag: Das schöne Sommerwetter habe viele Besucher angezogen, bilanzieren die Ermittler. Ab 21 Uhr sei deren Zahl weiter stark angestiegen, so dass generell mehr als 5000 Menschen in Olewig feierten. Das Feuerwerk von 23 bis 23.30 Uhr sei "ohne besondere Vorkommnisse" verlaufen. Die während des Feuerwerks notwendigen Absperrungen hat die Masse der Besucher ohne Probleme akzeptiert.
Nur ein Mann widersetzte sich laut Darstellung der Polizei den Beamten während der Absperrung. Er sei alkoholisiert gewesen, habe die Polizisten beleidigt und einen Beamten sogar angegriffen. Der 29-Jährige wurde überwältigt und verbrachte die Nacht auf der Polizeiinspektion. Er wurde ebenso wie der Polizeibeamte leicht verletzt. Ihn erwartet jetzt ein Strafverfahren wegen Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.
Außerdem kam es zu einer leichten Körperverletzung zwischen zwei alkoholisierten Festbesuchern. Die Polizei sprach einen Platzverweis aus.

Der Samstag: Am zweiten Festtag stieg die Besucherzahl noch einmal an. Die Polizei schätzt die Gesamtzahl aller Feiernden auf bis zu 8000. Dabei blieb es friedlich. Es kam zu einem Verstoß gegen das Waffengesetz und einer Strafanzeige wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. Insgesamt kontrollierte die Polizei sieben Personen und sprach drei Platzverweise aus.