STADTGESPRÄCH

Aggressivität scheint momentan überall gegenwärtig oder steht zumindest im Mittelpunkt vieler Diskussionen. Dabei sollte das nahende Weihnachtsfest die Menschen doch friedlich, freundlich und einträchtig stimmen.

Wenn wir schon von der Eintracht sprechen: Viele ihrer Fans sehen keinen Anlass zur friedliebenden Freundlichkeit. Wer den Abstieg in die Oberliga befürchten muss, obwohl er eine Saison vorher noch von einem neuen Moselstadion träumen durfte, kann sich gegen eine automatisch auftauchende Aggressivität nur schwer wehren. Da ist es auch kein Trost, dass es dem Fußball-Nachbarn Kaiserslautern keinesfalls besser geht. Das Fritz-Walter-Stadion ist noch nicht WM-reif, der FCK ist Bundesliga-Schlusslicht. Geteiltes Leid ist in diesem Fall nicht halbes, sondern doppeltes Leid. Auch die Politik kann momentan nur einigermaßen verständnislos den Kopf schütteln, wenn das Stichwort Weihnachts-Stimmung fällt. Weihnachten? Jetzt? Also bitte: Zuerst einmal müssen die Haushaltsdebatten durchgeboxt werden. Nur zur Info: Die Erörterung des Haushalts im Kreisausschuss - Grundlage und Vorbereitung der für Montag geplanten öffentlichen Debatte im Kreistag - umfasste zusammen mit dem momentan ebenfalls allgegenwärtigen Thema Abfallentsorgung am vergangenen Mittwoch einen Zeitraum von achteinhalb Stunden. Die gute Nachricht: Irgendwann wird auch aus politisch motivierter Aggressivität nur noch reine Müdigkeit. Doch - dem Koalitionsvertrag sei Dank - wissen wir jetzt endlich, woher diese latente Aggressivität kommt. Es sind die Killerspiele an Computer und Konsolen. Dagegen ist auch Weihnachten machtlos. Ein Trierer Institut stimmte diese Woche dem Koalitionsvertrag zu. In einem Experiment seien Testpersonen direkt nach dem Spielen eines Killerspiels eher bereit gewesen, andere Versuchspersonen für einen Fehler hart zu bestrafen - so argumentiert das Institut. Eine interessante Testkonstellation. Ich empfehle, diesen Test in der Rückrunde mal mit Eintracht- oder FCK-Fans zu machen, die nach einer Niederlage ihres Teams gerade aus dem Stadion kommen. Oder am Montag mit den Kreistags-Abgeordneten. Jörg Pistorius

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