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5 Jahre Waldkindergarten
Auf zu den Waldpänz Trier: Bei Regen spielt sich’s am schönsten im Wald (Video)

Charlotte spielt mit ihren Freunden vom Waldkindergarten.
Charlotte spielt mit ihren Freunden vom Waldkindergarten. FOTO: Elisabeth Jäckel
Trier. Im Trierer Waldkindergarten gibt es keine Spielzeugautos und keine Puppen. Was das für die Kinder bedeutet... Von Elisabeth Jäckel

Der kleine Lias ist gemeinsam mit seiner Kindergartengruppe unterwegs, als er auf einem Blatt am Wegrand eine Spinne entdeckt. „Ein Weberknecht!“, ruft der 5-Jährige euphorisch und zeigt das Tier gleich all seinen Freunden. Dass sich Lias so gut mit den kleinen Waldbewohnern auskennt, ist kein Zufall: Er hat seine gesamte Kindergartenzeit im Wald verbracht. Gemeinsam mit 57 weiteren Kindern besucht er den Waldkindergarten Waldpänz im Trierer Weißhauswald.

Dort verbringen die Kinder jeden Tag im Wald, egal zu welcher Jahreszeit oder bei welchem Wetter. „Wir haben zwar eine Schutzhütte neben dem Waldstadion im Weißhauswald, die benutzten wir aber nur bei einem Sturm oder Gewitter“, sagt der pädagogische Leiter des Waldpänz, Stefan Stifano Espósito. Bei Regen wird eine Plane aufgespannt. „Viele Kinder finden Regen sogar besser“, sagt der Leiter, „dann wird in Pfützen springen oder durch den Regen tanzen zur liebsten Beschäftigung“.

Das Konzept des Waldpänz-Kindergartens ist in Rheinland-Pfalz und im Saarland einzigartig. Es gebe zwar Naturkindergärten, diese gehen aber oft für das Mittagessen oder den Mittagsschlaf ins Haus zurück, so Espósito. Für den Mittagsschlaf nehmen die Betreuer des Waldpänz Decken und Kissen mit, und auch das mitgebrachte Mittagessen gibt es im Wald.

Viel Spielzeug bringen die Erzieher nicht mit in den Wald, lediglich ein paar Bücher haben sie im Gepäck. Oft wird außerdem ein Seil zwischen den Bäumen aufgespannt, auf dem die Kinder klettern können. Die Erzieher im Waldkindergarten verstehen sich eher als Betreuer und Beobachter, erklärt Espósito. „Es ist jeden Tag faszinierend zu erleben, was Kinder alles können, wenn man sie lässt.“ Meist finden die Kinder selbst im Wald neue Spielmöglichkeiten. So wird ein Baumstumpf zu einer Rakete oder eine selbstgebaute Hütte aus Ästen zu einem Raumschiff.

Selbstständigkeit und Eigenverantwortung sind wichtige Ziele in der Einrichtung. Natürlich gibt es auch mal Streit oder kleine Verletzungen. „Das gehört aber dazu. Die Kinder lernen, sich gegenseitig umeinander zu kümmern“, sagt Espósito, „nur selten müssen wir als Erzieher eingreifen“.

Maraike Weber kann dem nur zustimmen. Ihr Sohn war eines der beiden ersten Kinder im Waldpänz. „Uns Eltern fasziniert, wie selbstständig unsere Kinder dort werden“, sagt sie.

Absperrungen gibt es im Wald keine. Die Kinder wissen, dass sie stets in Blickweite der Betreuer bleiben müssen. Das sei eine der zwei wichtigsten Regeln im Waldkindergarten. Die andere Regel besagt, dass man keine Stöcke und Steine auf Lebewesen wirft.

Laut dem Leiter geht das Konzept auf: Die Kinder seien motorisch, sprachlich und sozial weiter als Gleichaltrige.

Das liege zum einen am Wald selbst. Weber ergänzt: „Selbst Zweijährige schaffen es erstaunlich schnell, sich geschickt im Wald zu bewegen. Schon nach kurzer Zeit laufen sie über Stock und Stein.“ Da es im Wald keine Spielzeugautos und Puppen gibt, müssen die Kinder mehr miteinander kommunizieren. „Ein Feuerwehrauto ist immer ein Feuerwehrauto, aber ein Ast kann heute ein Zauberstab, morgen ein Kochlöffel und übermorgen ein Ritterschwert sein“, sagt Espósito.

„Letztendlich ist der Waldpänz aber doch ein ganz normaler Kindergarten“, sagt Maraike Weber, „nur dass unsere Kinder vielleicht öfter aussehen wie kleine Wildschweine“.