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Rotkäppchen rettet sich selbst

Das Publikum in der Trierer Tufa feiert am Ende der Vorstellung die Theatergruppe. TV-Foto: Christian Sprau
Das Publikum in der Trierer Tufa feiert am Ende der Vorstellung die Theatergruppe. TV-Foto: Christian Sprau FOTO: Christian Sprau (csp) ("TV-Upload Sprau"
Trier. Ein naives, wehrloses Opfer, dem bösen Wolf ausgeliefert? So kennt jeder die Hauptfigur des berühmten Märchens. Ein syrischer Tänzer und Regisseur hat die Geschichte für die Reihe SommerHeckMeck anders inszeniert. Christian Sprau

Trier Bei der Aufführung von echten Klassikern wie dem Märchen "Rotkäppchen" der Gebrüder Grimm steht jede Theatergruppe vor einer enormen Herausforderung: Wie mache ich eine Geschichte von 1812 für die moderne Zeit relevant, ohne dass sie ihren inhaltlichen Kern verliert?
Choreograph und Regisseur Maher Abdul Moaty hat sich dieser Herausforderung gestellt. Zusammen mit einer kreativen Gruppe aus Künstlern hat er das klassische Märchen erfolgreich modernisiert. In seinem Theaterstück mischt er verschiedene Techniken, um dem Publikum in der Tufa eine facettenreiche Inszenierung anzubieten.
Den erzählerischen Rahmen bildet eine für Familien vertraute Situation: Ein junges Mädchen bittet ihre Mutter darum, ihr die Geschichte von Rotkäppchen zu erzählen. Nach dieser Einführung stellt die Theatergruppe mit Hilfe von Tanz, Schattenspiel und Marionettentheater die thematischen Schwerpunkte des Märchens in den Vordergrund.
Die Tänzerin Aifric Ní Chaoimh bringt durch ihren Tanzstil ein Rotkäppchen zum Leben, das durch äußere Zwänge und Pflichten eingeschränkt wird, aber dennoch den Mut findet, sich seinen Ängsten zu stellen und diese zu bewältigen. Maher Abdul Moaty spielt in dem Tanzstück den Respekt einflößenden Wolf, der, wie im Original, die Rolle von Rotkäppchens Widersacher übernimmt. Das Marionettenspiel von Pascal Toniazzo ergänzt das Schauspiel des Tanzpaares.
Ein großer Unterschied zwischen Moatys Version und dem klassischen Märchen ist, dass die Rolle des Jägers wegfällt und Rotkäppchen den Wolf selbst besiegt. Dadurch wird Rotkäppchen im letzten Akt zu einer starken Protagonistin, die nicht auf die Hilfe von anderen angewiesen ist, sondern sich der Bedrohung stellt und eigenständig das Problem löst.
Bei den Kindern und Eltern kommt diese Neuinterpretation sehr gut an. Mit lautem Applaus feiert das junge Publikum am Ende Rotkäppchens Sieg.
Der junge Theaterregisseur Maher Abdul Moaty, der aus Syrien kommt und seit 2014 in Trier lebt, erklärt im Gespräch mit dem TV: "Mir war es wichtig, dass wir in der Geschichte Rotkäppchens Wandel und ihren Mut, sich ihrem Widersacher zu stellen, überzeugend darstellen." Der gemeinnützige Verein menschMITmensch hat den syrischen Regisseur bei der Aufführung des Theaterstücks unterstützt.
Mehr zur Veranstaltungsreihe im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.sommerheckmeck.de" text="www.sommerheckmeck.de" class="more"%>