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Kultur
Kreativ-Oase auf dem Viehmarkt

47 Stände mit Design- und Kreativkunst gab’s beim Moselschätze Designmarkt auf dem Trierer Viehmarkt — und eine kleine Bühne, auf der sich Singer- und Songwriter präsentierten.
47 Stände mit Design- und Kreativkunst gab’s beim Moselschätze Designmarkt auf dem Trierer Viehmarkt — und eine kleine Bühne, auf der sich Singer- und Songwriter präsentierten. FOTO: Katja Bernardy
Trier. Schmuck für die Seele, Taschen aus Holz, Bällchen statt Teilchen:  Der sechste Moselschätze Designmarkt der Kulturkarawane fand erstmals in der City statt. Nur die Mosel fehlte zur Abkühlung. Von Katja Bernardy

Sie ist 290 Kilometer gefahren, um zum vierten Mal beim Moselschätze Design- und Kreativmarkt mitzumachen: Friederike Geerling aus Nordrhein-Westfalen. „Weil Trier so schön ist und die Leute hier so nett sind“, sagt die Betreiberin von Florabella. Vis á vis des veganen Foodtrucks bietet sie Schmuck für die Seele an. Ihre Armbänder mit Symbolen wie der Blume des Lebens, die verspricht mehr Kraft zu geben, sind begehrt. Unter dem weißen Pavillon stöbern und kaufen ihre Kunden. „Hier auf dem Viehmarkt kommen, anders als beim früheren Standort in den Moselauen, mehr Leute zufällig vorbei“, sagt die Standbetreiberin. Aber das Wasser fehle, um zur Abkühlung bei der Hitze mal kurz die Füße in den Fluss zu halten.

Nebenan preist Harry Kacprowski aus Trier-Pfalzel seine selbst hergestellten Traubenkernkissen an. Vier oder fünf Mal ist er schon dabei.

Eine Premiere hingegen war es für Annika Thomas aus Luxemburg. Die Schneiderin arbeitet mit Handwerkern zusammen. Aktuell mit einem Schreiner. Ihre Taschen aus Stoffen oder Überseesäcken kombiniert mit Holz locken an – zum Staunen, Kaufen und Philosophieren. Die Besucher, darunter auch viele Kinder, seien sehr interessiert am Handwerk und an Nachhaltigkeit, sagt sie.

Thomas ist davon überzeugt, dass das Handwerk unter dem Thema Nachhaltigkeit eine Chance hat. Sebastian Würth vom Unverpackt-Laden in der Trierer Simeonstraße weist unter anderem mit Energiebällchen aus Mandeln, Macadamia, Lavendelblüten und Datteln auf gesunde Alternativen zu Kuchen und Teilchen hin sowie auf das Café, das im Herbst im Unverpackt Laden eröffnen soll.

Designmarkt Moselschätze in Trier FOTO: TV / Katja Bernardy

Insgesamt 47 Stände sind an diesem Samstag beliebte Anlaufstellen sowohl für Liebhaber des Moselschätze-Marktes als auch für zufällig Vorbeikommende.

Jochen Leuf vom Veranstalter Kulturkarawane ist in der Halbzeit mit Verlauf und Resonanz zufrieden. „An der Mosel ist es grün und da ist Wasser, hier ist ein Betonplatz“, räumt Leuf ein. Die Kulturkarawane habe allerdings aufgrund von Bauarbeiten am Moselufer ausweichen müssen und dabei versucht, die Atmosphäre von der Mosel mit herüberzunehmen: Auf einer Fläche so groß wie ein Wohnzimmer hat der Veranstalter grünen Kunstrasen ausgerollt.

Unter knallroten Sonnenschirmen mit weißen Punkten stehen Liegestühle, auf einer kleinen Bühne stimmt ein Musiker die Gitarre. Mit einem Drink in der Hand hängen Besucher dort ab. „Passt“, sagt ein schätzungsweise Mittzwanziger während er im Liegestuhl auf dem Viehmarkt die Seele baumeln lässt.

Der Moselschätze Design- und Kreativmarkt soll laut Leuf zwar grün bleiben, aber die Kulturkarawane könne sich vorstellen, nächstes Jahr nochmal in der Innenstadt zu sein. Dies hänge auch vom Ende der Bauarbeiten ab. „Wir sind da offen“, sagt er. Die einen sind froh, dass sie die Moselschätze während des Einkaufsbummels entdeckt haben, andere vermissen die Flussatmosphäre: „Wir sind zufällig hier vorbeigekommen“, sagt ein geduldig wartender Vater während seine Tochter ein T-Shirt selbst gestaltet. Am Moselufer sei er noch nie gewesen.

Anders Standbetreiber Max Gerstenmeyer aus der Pfalz. Der Sinologe und Ethnologe designt T-Shirts nach eigenem Geschmack und lässt sie nähen. Mehrere Monate im Jahr lebt er in einem Dorf in China. „Ich bin nicht so der Stadtmensch“, sagt er. „Ich vermisse heute hier die Mosel.“

Die Kulturkarawane wurde vor fünf Jahren ins Leben gerufen und ist ein gemeinnütziges Projekt von  Jochen Leuf, Aline Pichon, Toby Urban sowie weiterer „fleißiger Mitreisender“. Ziel ist, in Trier, dem Moseltal und der Großregion bunte Oasen der  Alternativkultur zu schaffen.  „Alternativ“ steht laut Internetseite der Kulturkarawane (www.kultur-karawane.de) dabei für generationenübergreifende Veranstaltungen jenseits des Massenkonsums und festgefahrener Strukturen.


Annika Thomas aus Luxemburg ist Schneiderin und bietet auf dem Moselschätze Designmarkt aus Stoffen, Überseesäcken und Holz gearbeitete Taschen an.
Annika Thomas aus Luxemburg ist Schneiderin und bietet auf dem Moselschätze Designmarkt aus Stoffen, Überseesäcken und Holz gearbeitete Taschen an. FOTO: Katja Bernardy