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Vom Mimen zum Macher

In seinen Adern fließt Theaterblut: Raimund Rosendorff, Leiter des Theaters im Chat Noir auf dem Petrisberg. TV-Foto: Anke Emmerling
In seinen Adern fließt Theaterblut: Raimund Rosendorff, Leiter des Theaters im Chat Noir auf dem Petrisberg. TV-Foto: Anke Emmerling
TRIER. Ende November wurde mit der Premiere der Komödie "Honigmond" das Theater im Chat Noir am Petrisberg eröffnet. Treibende Kraft und Initiator ist Schauspieler und Regisseur Raimund Rosendorff, der von Beginn seines Lebens an Theaterluft geschnuppert hat. ARRAY(0x161ee248)

Wer meint, den Namen Rosendorff in Verbindung mit hoher Bühnenkunst schon häufig gehört zu haben, liegt gleich doppelt richtig. Denn ihn trägt der Opernsänger und heutige Leiter der Düsseldorfer Operette Friedhelm Rosendorff, aber auch Raimund Rosendorff, der unter anderem als Schauspieler am Trierer Stadttheater unter Heinz Lukas-Kindermann verpflichtet war. Raimund Rosendorff ist der Sohn des berühmten Sängers und der ebenso bekannten Regisseurin Helga Wolf. Der 34-Jährige ist stolz darauf, Spross dieser beiden "starken Persönlichkeiten" zu sein, zumal er durch sie von Kindesbeinen an in eine Welt hineingewachsen ist, die er heute selbst gestaltet - das Theater. Geboren 1972 in Bielefeld, spielte sich seine Kindheit zwischen Lübeck, Bremen und Berlin ab, wo er zwischen 1992 und 1997 schließlich auch Schauspiel und Regie studierte. Feiger Löwe und Regieassistent

"Meine ersten Sporen habe ich mir dann an der Kasseler Komödie verdient", erzählt er. In seinen bisherigen Engagements spielte er tragende Rollen wie Amias Paulet in Schillers "Maria Stuart" oder die Titelfigur aus Schnitzlers Anatol, in Trier auch mal den feigen Löwen im "Zauberer von Oz". "Am wohlsten fühle ich mich aber im skurril-komischen Milieu", sagt Theaterleiter Raimund Rosendorff. Doch das nicht nur als Schauspieler: "Eigentlich interessieren mich eher Inszenierung und Regie". Nicht von ungefähr: "Als Regieassistent war ich stets in die Arbeit meiner Mutter involviert". Außer ihr gaben ihm auch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Düsseldorfer Operette und ständige Weiterbildungen Einblick in Organisation und Management-Strukturen eines Theaters, so dass als letzter Schluss die Gründung einer eigenen Bühne nahe lag. Diesen Traum hat er sich mit dem "Theater im Chat Noir" auf dem Petrisberg erfüllt: "Und ich würde es nicht machen, wenn ich dem Projekt keine Zukunftschancen einräumen würde." Dass er nicht die Vorzüge eines subventionierten Theaters genieße, sei ihm bewusst. Noch bringe er die nötigen Mittel aus von ihm angebotenen Seminaren (unter anderem Rhetorik) für Geschäftsleute auf. Aber langfristig gehe er davon aus, dass sich die einzigartige Mischung aus besonderem Ambiente und hohem Qualitätsanspruch als tragfähig erweise. Um gleich Maßstäbe zu setzen, hat er mit der Regie der ersten Produktion seine Mutter Helga Wolf betraut: "Wenn sie hierher kommt, heißt das schon was. Sie bewundert meinen Schritt". Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit ihr von gegenseitigem Respekt geprägt: "Ein spannendes, aber nicht gespanntes Verhältnis". Für alle guten Ideen zur Zusammenarbeit sei er offen: "Es kann nur produktiv sein, und Kultur ist Produktivität".