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Wie im Garten Eden

Die ehemalige Direktorin der Helene-Lange-Schule Enja Riegel, im Gespräch mit dem Oberkirchenrat der evangelischen Kirche im Rheinland, Harald Bewersdorff (links). Foto: Thorsten Klein
Die ehemalige Direktorin der Helene-Lange-Schule Enja Riegel, im Gespräch mit dem Oberkirchenrat der evangelischen Kirche im Rheinland, Harald Bewersdorff (links). Foto: Thorsten Klein
TRIER. (thk) "Schule kann gelingen – wie unsere Kinder wirklich fürs Leben lernen." Der Vortrag von Enja Riegel auf dem "Neujahrsempfang" zum Schulbeginn vom Schulreferat des evangelischen Kirchenkreises in der Konstantin-Basilika schlug ein.

Die ehemalige Direktorin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden hat mit ihrer Schule beim PISA-Test den ersten Platz als beste deutsche Schule belegt. In ihrem Vortrag vor rund 400 Gästen aus Schule, Bildungsarbeit, Kirche und Politik berichtete Enja Riegel, wie es ihr gelang, aus dem einst bei Schü-lern und Lehrern unbeliebten Gymnasium eine Gesamtschule zu schaffen, die in Deutschland Modellcharakter hat. "Als ich die Schule übernahm, war das Gebäude verrottet, die Lehrer waren depressiv und lustlos", erzählt Enja Riegel. Doch während der 20 Jahre als Direktorin habe sich das Bild der Schule verändert. "Die Kinder sagen ,Ich kann etwas' und die Lehrer sagen ,Ich freue mich, in die Schule zu gehen und ich bin stolz, dass ich Lehrer bin'." Dass sich das Bild der Schule so geändert habe, sei das Ergebnis von radikalen Reformen. Die Helene-Lange-Schule unterscheidet sich in vielen Dingen von einer herkömmlichen Schule. Das Schulgebäude wird von Schülern und Lehrern gemeinsam sauber-gehalten, eine Putzfirma gibt es nicht, das gesparte Geld fließt in die Projektarbeit. Auch den klassischen 45-Minuten Unterricht sucht man in der Wiesbadener Schule vergebens. Andere Unterrichtsformen benötigen nach Meinung von Enja Riegel mehr Zeit. Die Lehrer sind in Teams organisiert, jedes Team besteht aus sechs bis acht Lehrern und ist für eine Jahrgangsstufe zuständig. Ein Großteil des Unterrichts wird fächerübergreifend unterrichtet. Ab Klasse sieben stehen Praktika an, die Schüler kommen mit dem Leben außerhalb der Schule in Kontakt: mit Kindergärten, Altenheimen und Betrieben. In den Klassen sitzen Hochbegabte und Sonderschüler zusammen und lernen gemeinsam. "Die Lehrkunst ist es, einen Unterricht zu entwickeln, bei dem alle gefordert und gefördert werden", betont Enja Riegel.