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Soziales
Mittendrin ist ganz normal

Thomas Jakobs arbeitet im Werkraum des Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrums Schweich. Links Einrichtungsleiter Johannes Rohr.
Thomas Jakobs arbeitet im Werkraum des Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrums Schweich. Links Einrichtungsleiter Johannes Rohr. FOTO: Albert Follmann
Schweich. Das Betreuungszentrum des Schönfelderhofs in Schweich besteht seit zehn Jahren. Es bietet psychisch Kranken vielfältige Hilfe. Von Albert Follmann
Albert Follmann

Als das Gemeindepsychiatrische Betreuungszentrum (GPBZ) in Schweich vor zehn Jahren eingeweiht wurde, lautete die TV-Schlagzeile „Selbstbestimmt und mittendrin”. Es war die damalige Sozialministerin und heutige Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die in der Feierstunde sagte, man müsse dort Hilfe leisten, wo die Menschen lebten. So könnten psychisch Beeinträchtigte am ehesten befähigt werden, wieder am alltäglichen Leben teilzunehmen.

Die Worte Dreyers hat sich der Schönfelder Hof,  der zur Gruppe der Barmherzigen Brüder Trier (BBT) gehört (siehe Info), zu Herzen genommen. Die Nähe zu den Menschen mit all ihren Ängsten, Sorgen, Wünschen und Hoffnungen spiegelt sich im inhaltlichen Angebot des GPBZ wider. Unter anderem gibt es eine Kontakt- und Beratungsstelle mit Freizeittreff, es gibt Wohn- und Arbeitsangebote in der Einrichtung sowie Besuche im häuslichen Umfeld.  Insgesamt hat der Schönfelderhof sechs dieser Zentren – neben Schweich in Bitburg, Daun, Hermeskeil, Prüm und im Wohndorf in Zemmer. Insgesamt werden etwa 450 Menschen betreut.

Am Standort des Betreuungszentrums unmittelbar am Neukauf-Markt in Schweich pulsiert das Leben. Das freut den Haus­oberen des Schönfelderhofs, Werner Schmitz: „Die Menschen werden nicht nur therapeutisch aufgefangen, hier gehören sie dazu und können diese Lebensrealität auch spüren.”

Wieder ins normale Leben zurückfinden nach Krankheit und medizinischer Behandlung – das sei ein nicht einfacher Prozess, der oft erst nach Überwindung einer Hemmschwelle angetreten werden könne, sagt GPBZ-Leiter Johannes Rohr. Jeder könne sich unverbindlich und kostenlos in der Einrichtung melden. Falls gewünscht, sei auch ein Treffen zu Hause möglich, sagt Rohr. In der Regel gebe es keine langen Wartezeiten für einen Platz im GPBZ Schweich. Derzeit werden etwa 20 Personen in der Tagesstätte und 30 ambulant betreut. Es gibt acht hauptamtliche Mitarbeiter, darunter ein Psychologe, ein Sozialarbeiter und ein Ergotherapeut, sowie zwei Hauswirtschaftskräfte.

Erst im vergangenen Jahr sind die Räume der Tagesstätte erweitert worden. Neu hinzugekommen sind zwölf Wohnungen in zwei zentral gelegenen Appartementhäusern in Schweich. Eine Wohnung hat das GPBZ an Thomas Jakobs untervermietet. Für den 31-Jährigen, der aus einem Moselort stammt, war es ein großer Schritt, zunächst aus dem Elternhaus in die Einrichtung umzuziehen. Jetzt wohnt er weitgehend selbstständig, und die tägliche Arbeit im GPBZ als Küchengehilfe und im Werkraum gibt ihm Struktur und Halt. „Ich bin gerne hier, die Mitarbeiter sind sehr freundlich”, sagt Jakobs. Sein Ziel ist es, einmal im Beruflichen Bildungszentrum des Schönfelderhofs in Schweich-Issel zu arbeiten.

So etwas wie die heimliche Chefin von Thomas im Werkraum ist Marga Seifert (50, Name geändert). Die gelernte Möbelschreinerin ist erst seit dem Sommer in der Einrichtung. Gesundheitliche Probleme hatten sie aus der Bahn geworfen. Erst verlor sie ihren Job, dann folgte die soziale Isolation. Marga lebt zurückgezogen in einem Nachbarort von Schweich. Zur Tagesstätte kommt sie jeden Morgen zu Fuß.

Die 50-Jährige arbeitet gerne mit Holz. Zusammen mit  Thomas stellt sie Dekostücke für den Handwerker- und Kreativmarkt her, der im Dezember in Schweich stattfindet und bei dem der Schönfelderhof mit einem Stand vertreten ist. „Hier geht nichts raus, was nicht ordentlich ist”, sagt Marga und wirft Thomas einen vielsagenden Blick zu. Die wenigen Wochen, die Marga im GPBZ ist, haben ihr gutgetan. „Ich war direkt begeistert”, sagt sie und schmirgelt weiter am Holzrahmen.