Amokalarm: So rüsten sich die Schulen im Kreis

Amokalarm: So rüsten sich die Schulen im Kreis

Sind die Schulen, Behörden und Einsätzkräfte im Vulkaneifelkreis auf einen Amoklauf vorbereitet? Der TV hat sich umgehört - und ist auf Verantwortliche gestoßen, die das Thema nicht gerne in der Öffentlichkeit sehen. Klar ist: Ein umfassendes Alarmsystem wie im Kreis Bernkastel-Wittlich ist nicht geplant.

Daun/Gerolstein. 125 000 Euro - so viel Geld hat der Landkreis Bernkastel-Wittlich in die Hand genommen, um alle Schulen in seiner Trägerschaft mit einem Amok-Alarmsystem auszurüsten. Bereits im September 2011 wurden Notfall-Handys für die Lehrer der weiterführenden Schulen angeschafft. An zwölf Schulen sind mittlerweile 998 Handys im Einsatz. Das System, das nicht unumstritten ist, wurde bereits sechs Mal ausgelöst - allesamt Fehlalarme, die jedes Mal ein Großaufgebot der Polizei mobil gemacht haben (siehe Hintergrund).
Im Vulkaneifelkreis gibt es die Notfall-Handys bis jetzt nicht - weder an den sieben weiterführenden Schulen des Kreises noch an den fünf Realschulen plus, die sich in der Trägerschaft der Verbandsgemeinden befinden. Dabei gab es auch an der Realschule Daun (jetzt Realschule plus Daun) im Jahr 2008 eine Amokdrohung. Wie die meisten solcher Drohungen stelle sie sich glücklicherweise nicht als reale Gefahr heraus. Sind die Bildungsanstalten im Kreis dennoch auf das Undenkbare vorbereitet?

Die Kreisverwaltung will nicht zu viele Details über die Vorkehrungen an ihren Schulen preisgeben: "Es findet eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei und den Schulleitungen statt", erklärt Pressesprecherin Verena Bernardy. Für jede einzelne Schule gebe es spezielle Notfall- und Einsatzpläne. Auf Nachfrage, ob für die Schulen in der Trägerschaft des Vulkaneifelkreises ein besonderes Amokalarmsystem angeschafft werden soll, antwortet Bernardy: "Es wurden andere Lösungen gefunden." Aus Gründen der Sicherheit gibt sie aber keine Details preis.

Ähnlich reagiert auch Hans-Josef Hunz von der Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein: Für die VG-eigenen Schulen seien Vorkehrungen getroffen und Verhaltensregeln vereinbart worden, wie auf einen Amoklauf reagiert werden solle, erklärt er. Hunz: "Wir wollen diese Regeln nicht in die Öffentlichkeit tragen, damit sich niemand ‚aufgefordert\' sieht, den ‚Ernstfall\' zu proben."

Das im Landkreis Bernkastel-Wittlich genutzte Alarmsystem mit Notfall-Handys hält die VG-Verwaltung Daun für die Schulen in ihrer Trägerschaft nicht geeignet. Laut Pressesprecher Arnold Schneider können Sim-Karten bei längerer Nichtnutzung ihre Gültigkeit und damit ihre Funktionalität verlieren, und auch das Aufladen der Akkus bereitet Probleme. Die Schulleitungen in der VG Daun würden daher ein Umrüsten der Privathandys der Lehrer favorisieren. Entsprechende Lösungen hätten die Verantwortlichen sich bereits vorführen lassen.

An der Oberen Kyll sieht es laut Büroleiter Arno Fasen so aus: "Zur Prävention wurde die Realschule plus in Jünkerath mit spezieller Technik ausgerüstet." So wurden im Gebäude unter anderem miteinander vernetzte Alarmtaster angebracht. "Die Anlage ist in enger Abstimmung mit der Polizei in Trier aufgebaut", sagt Fasen.

Die Verantwortlichen der VG Kelberg planen für dieses Jahr die Anschaffung eines Amok-Alarmierungssystems. VG-Pressesprecher Johannes Saxler sagt: "Eigentlich hatten wir das schon für 2012 vor, wollten dann aber erst die Erfahrungen anderer Kommunen - wie Bernkastel-Wittlich - abwarten."

In der VG Hillesheim mit einer weiterführenden Schule, der Realschule plus, werde derzeit ein Konzept erstellt, erklärt Bürgermeisterin Heike Bohn. Dabei soll auch ein kombiniertes Brandschutz-, Schließ- und Amoksystem installiert werden, mit dem Lehrer unter anderem bei Gefahr schnell den Klassenraum verriegeln und Alarm geben können. Investitionen trotz klammer Kassen und Spardiktat von der Kommunalaufsicht? "Wir werden dafür das erforderliche Geld in die Hand nehmen", sagt die Bürgermeisterin.
Meinung

Sensibilität ja, Verschwiegenheit nein
Sind die Schulen in der Vulkaneifel auf das unvorstellbare Ereignis eines Amoklaufs vorbereitet? Kann man sich überhaupt adäquat schützen? Haben die Verantwortlichen an alles gedacht? Fragen wie diese lassen sich mit den Aussagen der Behörden nicht eindeutig beantworten. Klar ist: Die Verwaltung will sich bei dem heiklen Thema nicht zu tief in die Karten blicken lassen. Diese Reaktion ist einerseits verständlich. Ein potenzieller Täter, der alle Sicherheitsvorkehrungen kennt, ist noch gefährlicher. Andererseits muss das Problem öffentlich diskutiert werden. Schließlich haben die Eltern ein Anrecht darauf, zu wissen, wie und ob ihre Kinder geschützt werden. Denn es kann ja auch sein, dass hinter der Verschwiegenheit einfach nur die Tatsache steckt, dass kein Geld für teure Sicherheitssysteme da ist. Dann muss das Thema erst recht auf die Agenda. t.senzig@volksfreund.deExtra

Allein die Androhung eines Amoklaufs in einer Schule kann - auch wenn sie nicht ernst gemeint ist - drastische Konsequenzen nach sich ziehen. Denn eine solche Störung des öffentlichen Friedens ist eine schwere Straftat. Wird der Täter ermittelt, droht ihm nicht nur eine Geldstrafe, sondern bis zu drei Jahre Gefängnis. Zu alledem können die Eltern herangezogen werden, die Kosten des Polizeieinsatzes zu bezahlen - und die können mehrere Tausend Euro hoch sein. senExtra

Seit September 2011 wurden an die Lehrer von zwölf weiterführenden Schulen im Landkreis Bernkastel-Wittlich 998 Notfall-Handys verteilt. Über einen Knopf an der Hinterseite des Telefons können die Lehrer Alarm auslösen. Insgesamt sechs Mal ist das mittlerweile passiert - das letzte Mal erst am vergangenen Freitag. In allen Fällen handelte es sich um Fehlalarme, bei denen der Notrufknopf versehentlich gedrückt wurde. Alfons Kuhnen, Sprecher der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, ist dennoch zufrieden: "Wir haben ein System, das gut funktioniert." 125 000 Euro hat die Anschaffung von Notfallhandys und Computern gekostet. Jedes Jahr kostet das System den Landkreis 5000 Euro. sen