Auf den Hund gekommen

Ruhigere Klassen, konzentriertere Schüler, weniger Angst vor Tieren, besseres Sozialgefüge: Die Liste der positiven Auswirkungen zum Einsatz von Schulhund "Einstein" an der Grundschule Waldstraße ist lang. Der zweijährige Königspudel ist seit drei Monaten etwa 15 Stunden pro Woche im Einsatz.

Gerolstein. (vog) Eindeutiges Fazit der Schüler der Klasse 4D vorab: "Einstein" ist das Beste, was es jemals an Neuem im Unterrichtsplan gab. Viertklässler Max streichelt den Schulhund im Vorbeigehen auf dem Rückweg von der Tafel. Er schwärmt: "Einstein ist ein netter Hund, ganz kuschelig mit tollen Knopfaugen."

Doch von "Schmusepädagogik" will Hundehalterin und Lehramtsanwärterin Christine Ochs nichts wissen. Sie hat ihr erstes Staatsexamen über die positiven Auswirkungen von tiergestützter Pädagogik und den Einsatz von Schulhunden geschrieben. Ochs hat "Einstein" zum Assistenzhund bei der Kynos-Stiftung (siehe Extra) ausgebildet.

Durch das Tier fühlt man sich besser beschützt



Die Positiv-Effekte des Schulhunde-Einsatzes fassen die Neunjährigen in ihre Worte. Gina meint: "Mit Einstein in der Klasse ist es irgendwie leiser. Wenn man nämlich schreit, dann kommt er nicht zu einem." Anna ergänzt: "Einige von uns fühlen sich durch ihn beschützt."

Francesca bringt die höhere Sensibilität im Umgang miteinander ein. Sie sagt: "Einstein merkt, wenn man ein bisschen traurig ist. Dann kommt er und schubst einen ganz lieb an. Dann fühlt man sich gleich sehr viel besser."

Mehr Ruhe, eine gute Atmosphäre. Caroline und Julia meinen unisono: "Wenn Einstein da ist, können wir uns besser konzentrieren." Marc ergänzt: "Außerdem ist der Zusammenhalt in der Klasse besser geworden. Vor den Herbstferien war der noch nicht so gut."

Die meisten der 15 Wochenstunden ist "Einstein" in der Klasse 4D. Nur manchmal im ersten Schuljahr - immer gemeinsam mit seinem Frauchen. Ochs erklärt: "Die Erstklässler lassen sich noch zu sehr ablenken. Im vierten Schuljahr wurden klare Regeln aufgestellt, an die sich alle halten."

Martina Schüßler, Klassenlehrerin der 4D, resümiert: "Ich merke, dass die Kinder ruhiger geworden sind. Außerdem sind sie überlegter und achtsamer. Einstein tut dem Ausbau des Sozialverhaltens gut." Laut Studien gibt es in Klassen mit Schulhunden weniger Außenseiter. Schulleiter Stefan Gerber: "Auch hilft der Kontakt zu Tieren, Ängste abzubauen."

Einstein nimmt auch an Lehrerkonferenzen teil



Viertklässler Michael ist einer von ihnen. Er erklärt: "Als Vierjähriger wurde ich mal von einem Hund gebissen. Es hat nicht geblutet, aber ich hatte seitdem Angst vor Hunden." Nach einem Tag streichelte er "Einstein".

Die Vorzüge des Schulhundes liegen auch im Zuhören-Können. Ochs erklärt: "In Freiarbeitsphasen können die Kinder ihm beispielsweise vorlesen. Das machen sie viel freier als vor Menschen. Tiere geben Resonanz, ohne zu verbessern."

Ob das auch in Konferenzen funktioniert? Lachend sagt Schulleiter Gerber: "Einstein nimmt auch an Lehrerkonferenzen teil. Toll, dass er da ist." Bis Februar 2010 wird er garantiert bleiben, weil so lange Christine Ochs an der Grundschule Waldstraße ist.

ExtraAusbildung zum Assistenzhund: Das Hauptanliegen der Kynos-Stiftung heißt "Hunde helfen Menschen". Mit speziellen Trainingsmethoden werden Hunde zu Assistenz-, Therapie-, Blindenführ-, Behindertenbegleit-, Hör- oder Signalhunden ausgebildet. Schulhund "Einstein" wurde ab seiner achten Lebenswoche speziell trainiert. Anderthalb Jahre später schaffte er die Prüfung mit Zertifikat. Die Kynos-Stiftung hat ihren Hauptsitz im Landkreis Vulkaneifel, im Gewerbepark Nerdlen. Mehr Informationen im Internet unter www.kynos-stiftung.de oder telefonisch unter 06592/1730390. (vog)

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