1. Region
  2. Vulkaneifel

Die Zukunft liegt in Frankreich

Die Zukunft liegt in Frankreich

GEROLSTEIN. Entscheidung vertagt: Ob auch nach 2008 noch Rennrad-Profis in den cyan-blauen Trikots bei der Tour de France und den anderen großen Radsportrennen auf Titeljagd gehen, ist noch ungewiss. Wegen der Doping-Vorfälle im vergangenen Jahr, die die gesamte Sportart in Misskredit gebracht haben, hat der Gerolsteiner Brunnen die ursprünglich für Ende 2006 geplante Entscheidung über eine Verlängerung seines Engagements verschoben.

Wenn sich morgen wieder Journalisten aus aller Welt in der Eifel einfinden, um sich vom neuen, weiter verjüngten und ambitionierten Profi-Radsportteam Gerolsteiner ein Bild zu machen, dann gibt es noch keine Gewähr dafür, dass sie auch im übernächsten Jahr wiederkommen werden. Denn entgegen der ursprünglichen Planung ist bislang noch nicht über eine Verlängerung der bis 2008 vereinbarten Zusammenarbeit zwischen dem Gerolsteiner Brunnen als Sponsor und dem von Hans Michael Holzcer geführten Radsportteam entschieden worden.Detaillierte Marktforschung

"Es ist noch unklar, ob es 2009 ein Radsportteam Gerolsteiner geben wird", sagte Unternehmenssprecher Stefan Göbel auf TV-Anfrage. Grund für die verzögerte Entscheidung sei das nachgewiesenermaßen nachlassende Interesse der Zuschauer durch die Dopingvorfälle 2006 mit den Höhepunkten: Ausschluss der beiden Favoriten Jan Ullrich und dem Italiener Ivan Basso von der Tour de France sowie die nachträgliche Aberkennung des Titels von Floyd Landis. Stefan Göbel sagt: "Wir haben detailliert Marktforschung betrieben. Das Ergebnis: Die Zuschauer geben dem Profiradsport nicht mehr allzu viele Chancen." Daher wolle das Unternehmen zunächst die diesjährige Frankreichrundfahrt - die erste nach der Skandal-Tour 2006 - abwarten, das Zuschauerinteresse analysieren und danach eine Entscheidung treffen. Dabei spielt auch die Haltung der Medien eine zentrale Rolle, wie Göbel sagt: "Es gibt bis jetzt noch keine Aussage der elektronischen Medien, ob sie die Tour de France 2009 überhaupt übertragen. Und das ist natürlich ein maßgebliches Kriterium für uns." Die Entscheidung wird auch im Gerolsteiner Rathaus und Tourismus-Büro mit Spannung erwartet, denn über das Profiteam hinaus ist das Thema Radsport dank enger und ebenfalls bis Ende 2008 vereinbarter Zusammenarbeit zwischen dem Mineralbrunnen und der Kommune zu einer der tragenden Säulen in der touristischen Vermarktung des Gerolsteiner Landes geworden. Gerolstein(er) und Radsport ist in vielen Köpfen bereits eine feste Einheit. Doch die Frage nach einer Verlängerung stellt sich nach Göbels Worten erst nach der Mannschaftsentscheidung. Dennoch sagt er: "Ich halte es aber grundsätzlich für sinnvoll, wenn die Kommune auf jeden Fall weiter auf das Thema Radsport setzt, denn da ist bereits vieles angestoßen worden." Das sieht auch Matthias Pauly (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Gerolstein, so. Er sagt: "Es gibt ein nachhaltiges Interesse unserer Kommunen am Thema Freizeit-Radsport." Das gilt auch für das im vergangenen Jahr ins Leben gerufene Radsportwochenende "Gerolsteiner Tour-Festival" mit Radrennen und Radmesse. So sagt Pauly zur Zukunft dieser bedeutendsten Veranstaltung in Sachen Radsport in der Region, bei der der Brunnen ebenfalls als wichtiger Sponsor mit im Boot sitzt: "Wir machen unsere künftige Beteiligung nicht ausschließlich von der Entscheidung des Brunnens abhängig. Und selbst wenn der Brunnen sich zurückzieht, kann ich mir gut vorstellen, dass wir weitermachen - natürlich nur, wenn die Veranstaltung einigermaßen vernünftig zu finanzieren ist." Aber natürlich hofft der Verbandsgemeinde-Bürgermeister auf ein Engagement des Brunnens in Sachen Radsport über 2008 hinaus, denn "schließlich haben wir noch die Deutschland-Tour und die Tour de France im Blick". Bei beiden Veranstaltung will Gerolstein in naher Zukunft Etappenort werden.