Gut, jemand zu haben

GEROLSTEIN. (nd) Stolze Leistung: Da Fest der Eisernen Hochzeit feiern Jakob und Pauline Frik am Sonntag, 30. März in Gerolstein.

Paulina wurde am 6. Dezember 1918 in einem Dorf an der Wolga in der Sowjetunion geboren. Als sie elf Jahre alt war, starb ihre Mutter, und sie musste die Verantwortung für ihre sechs Geschwister übernehmen. Seit ihrem zwölften Lebensjahr arbeitete sie in der Kolchose, einem großen landwirtschaftlichen Betrieb unter staatlicher Führung. Jakob wurde im gleichen Dorf am 29. Dezember 1914 als einer von drei Söhnen geboren. Sein Vater starb während der Leninrevolution. Großgezogen wurde er von seinem Großvater. Nach der Schule absolvierte er eine Maurerlehre. Kennen gelernt haben sich die Beiden nach Feierabend: "Die Jugendlichen haben sich immer abends getroffen, und da haben wir uns dann auch gesehen. Verliebt haben wir uns sofort", erinnert sich Paulina. In der Hoffnung, in der Ehe würde das Leben leichter, heirateten die beiden am 30. März 1938. Kurz danach wurde Jakob als Zwangsarbeiter nach Sibirien deportiert. Dort musste er Baumstämme auf Flüssen zu den Sägewerken transportieren. "Meine Vorgesetzten mochten mich, weil ich immer fleißig war und keine Angst hatte", erzählt Jakob noch immer voller Stolz. Nach sieben Jahren Trennung durften die beiden gemeinsam nach Kasachstan gehen. Nachdem viele ihrer Freunde und Bekannte bereits nach Deutschland ausgewandert waren, beantragten auch Jakob und Paulina die Ausreise. Über Hessen kamen die Beiden 1991 schließlich nach Gerolstein. "Ich habe keine einzige gute Erinnerung an Kasachstan: harte Arbeit, politische Kontrolle und karges Land. Das war eine schlechte Zeit", erzählt Jakob. Das meint auch Paulina: "Und dann ist es gut, jemanden zu haben. So wie ich meinen Jakob."