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Jagt den Strohmann aus dem Dorf hinaus!

Jagt den Strohmann aus dem Dorf hinaus!

Eine besondere Brauchtumsvariation zum Winteraustreiben pflegt das kleine Dorf Udler in der Vulkaneifel. Dort symbolisiert ein "Strohmann" die Fastnacht und den Winter. Auch aus Kopp ist ein ähnlicher Brauch bekannt. Dort heißen die eingepackten Menschen Strohbären.

Udler. Meist ist es ein Junge aus dem letzten Schuljahr der Grundschule, der in Udler zu Beginn der Fastenzeit als Strohmann erkoren wird. Er wird gänzlich mit Stroh umwickelt und eingebunden, sein Gesicht bedeckt eine furchterregende Maske, so dass er von den Dorfbewohnern nicht zu erkennen ist.
"Dieses Einbinden ist heute nicht mehr so einfach wie noch vor Jahrzehnten, da die durch eine Dreschmaschine gedroschenen Strohhalme sehr kurz sind und sich daher schlecht binden lassen", erklärt der Ortsbürgermeister.
Drei bis vier andere Jungen begleiten den Strohmann, den sie gefesselt an einem Strick führen, damit der Unhold nur ja nicht entfliehen und dem Dorf schaden kann. Sie tragen alte Anzüge und haben ebenfalls Masken auf, damit sie nicht zu erkennen sind. Sie ziehen nun von Haus zu Haus, klingeln an den Türen und begrüßen dann die Bewohner mit dem Lied "Lustig ist das Zigeunerleben".
Froh und dankbar, dass der Winter gefangen wurde und nun aus dem Dorf getrieben wird, spendieren die Hausbewohner den Jungen Eier und Geld in einem Weidenkorb. "Ja, es ist unangenehm und sehr anstrengend, so in Stroh vermummt stundenlang durchs Dorf zu gehen. Doch ich mache es gerne. Wir haben die Befürchtung, dass dieser schöne Brauch in wenigen Jahren ausstirbt, denn es sind ja kaum mehr Kinder im Dorf", bedauert Jan Stolz, der in diesem Jahr den Strohmann spielen darf. Nach dem Rundgang durchs Dorf, wo sich alle Einwohner überzeugen konnten, dass die Karnevalszeit und der Winter zu Ende sind, teilen sich die Burschen Geld und Eier. Sie haben ihr Werk vollbracht. Der Frühling kann kommen.