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Licht, Tanz und scharfes Essen

Licht, Tanz und scharfes Essen

GEROLSTEIN-LISSINGEN. Brasilien als Magnet: 250 Besucher kamen auf die Burg Lissingen zum Finale der Kyllt(o)ur-Veranstaltungen, die diesmal das Motto "Ein Land - viele Kulturen" hatten. Und sie bekamen herausragende künstlerische, musikalische und gastronomische Besonderheiten serviert.

"Das Einhorn ist super, weil es leuchtet und weil es Kobold-Ohren hat", freut sich die achtjährige Hannah aus Hinterweiler. Sie rennt fasziniert von einer Installation des Künstlerehepaares Thomas Klasen und Sofia Camargo-Klasen zur anderen. Aber auch die Erwachsenen finden Gefallen an den ausdrucksstarken Bildern sowie an Licht-, Ton- und Technikanlagen. Burgherr Karl Grommes erklärt nach der Bootsfahrt durch den Burggraben: "Ich wusste noch gar nicht, wie toll die Burg von unten ist. Klasen ist einfach genial." Auch Eva Hein aus Daun ist begeistert. Sie besucht in der Abend-Dämmerung eine Installation auf der Tenne: Lichtstrahlen zeigen den Weg vom Leben im Dunklen hinaus in die Natur und weiter in den Kosmos, der durch das Giebelfenster zu erahnen ist. Zusätzlicher Effekt: Je nach Lautstärke im Raum färbt sich das Licht. Derweil zieht Camargo-Klasen die Besucher bei ihrer Performance, die den Weg über die Meditation hin zum freien Energiefluss fürs Malen zeigt, in den Bann. Sie meint: "Wir machen das nicht als Ego-Trip, sondern wir wollen die zeitgenössische Kunst verbreiten." Und das tun sie auch, indem sie in munterer und leicht verständlicher Weise die Tiefgründigkeit ihrer zwölf Werke erklären. Jahrhunderte alte Tradition hingegen zeigte die Capoeira-Tanzgruppe aus Köln. Capoeira ist eine Mischung aus Tanz und Kampfsport. Die Musiker spielen dazu auf ungewöhnlichen Instrumenten: dem Berimbau-Bogen, dem ein Kürbis als Klangkörper dient, und der Caxixi, einer geflochtenen Handrassel, die mit Kernen gefüllt ist.Publikum kommt rasch in Fahrt

Als am Abend die brasilianische Band "Menino" aufspielt, ist das Publikum schon in Fahrt. Rhythmischer Applaus begleitet die Musiker, und die Tanzfläche füllt sich rasch. Das brasilianische Paar Maria und Mauro erregt Aufsehen. Sie tanzen den "Forro", der in Nordost-Brasilien beheimatet ist. Lachend geben sie dem Drängen der Besucher nach, steigen auf die Bühne und zeigen die Grundschritte. Die Eifeler Gäste beweisen, dass auch sie Feuer im Blut haben. Etliche Paare haben rasch den Dreh heraus. Auch der Speiseplan ist auf das südamerikanische Land abgestimmt. Zu essen gibt es Feuriges aus der Pfanne wie Churrasco oder Feijoada. "Kleiner Bauer" oder besser bekannt als Caipirinha steht auf der Getränkekarte. Eva Böffgen ist fasziniert: "Die Tanzgruppe und die Musik sind genial. Dafür muss man sonst bis nach Köln fahren." Allerdings meint die 27-Jährige, dass die Veranstaltung zu schwach beworben wurde. Sie vermutet: "Viele unserer Bekannten wären sonst auch hier." Ihr Freund Thomas Pick ist zum ersten Mal auf der Burg: "Das Gemäuer ist echt beeindruckend. Schade, dass die Burg so selten auf ist." Burgherr Grommes verspricht: "Bis zum Jahresende wird es einen neuen Pächter für den gastronomischen Bereich geben, und dann ist die Burg auch wieder permanent geöffnet." Außerdem meint Pick, dass "viele vom hohen Eintrittspreis abgeschreckt wurden". Ein junges Paar aus dem Kreis Euskirchen ändert aus diesem Grund sogar an der Kasse die Nachmittagsplanung: "Wir wollen nur zwei Stunden bleiben, und dafür sind 30 Euro zu viel." Burgherr und Organisator Grommes zuckt mit den Schultern und sagt: "Jeder, der sich in der Szene auskennt, empfindet das Zwölf-Stunden-Programm für diesen Preis als Geschenk." Die Künstler Sofia Camargo-Klasen und Thomas Klasen legen nach: Am Samstag, 2. August, bieten sie von 18 Uhr bis 22 Uhr Führungen durch die Kunstausstellung in der Burg an, am Sonntag, 3. August, ist von 11 bis 15 Uhr Matinee mit Live-Musik. Der Eintritt ist an beiden Tagen frei.