Zukunft zwischen Mauer und Misthaufen

Zukunft zwischen Mauer und Misthaufen

Erfolgsgeschichte: Der Automobilzulieferer Bilstein & Siekermann, der heute knapp 100 Menschen in Hillesheim Arbeit gibt und seit Jahrzehnten ausbildet, blickt einerseits zurück auf sein 50-jähriges Bestehen und schaut andererseits optimistisch in die Zukunft. Das wurde entsprechend gefeiert.

Hillesheim/Wiesbaum. Hätte das Hotel Augustiner-Kloster bereits geöffnet, wäre vermutlich dort gefeiert worden. So aber ist die Firma Bilstein & Siekermann von Hillesheim ins Existenzgründerzentrum Higis nach Wiesbaum ausgewichen, um dort mit langjährigen Weggefährten auf ihr 50-jähriges Bestehen anzustoßen und die vergangene Zeit Revue passieren zu lassen.Für Heike Bohn, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Hillesheim und Higis-Chefin, war es gerade dieser "Gegensatz" - eine erfolgreiche und namhafte Firma feiert dort, wo junge, aufstrebende Unternehmer am Beginn ihrer Selbstständigkeit stehen -, der den besonderen Charme des Fests ausmachte.

Doch auch wenn der Automobilzulieferer und Marktführer für Verschluss-Schrauben laut Geschäftsführer Bruno Hirtz 94 Menschen in Hillesheim beschäftigt, jährlich fünf Auszubildende einstellt, derzeit 18 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht und "wir uns in einem schwierigen Markt ordentlich behaupten", so war das nicht immer so. Vielmehr hätten die Firmengründer Ferdinand Bilstein und Arnold Siekermann, die ihre geschäftlichen Wurzeln in Ennepetal hatten, schon zu Beginn ihres Wirkens ebenfalls mit großen Herausforderungen zu kämpfen gehabt. Das betonte Rolf Bilstein, der 1967 die Nachfolge seines Vaters übernommen und ebenfalls einige "harte Jahre" mit der Firma durchgemacht hatte. "Es gehörte schon viel Mut und Überzeugungskraft dazu, sich in Hillesheim anzusiedeln, denn früher waren hier das einzig Imposante außer der Stadtmauer und der Kirche die vielen Misthaufen", berichtete er.

Für viele Familien der Region Enormes geleistet

Die Idee, einen zusätzlichen Standort außerhalb des Ruhrgebiets zu eröffnen, sei vor allem wegen des dortigen Arbeitskräftemangels geboren worden. Dass die Wahl letztlich auf die Eifel - genauer Hillesheim - fiel, habe zum einen mit Hans Bilstein (Stoßdämpfer) zu tun gehabt, der erfolgreich ein Werk im Hunsrück eröffnet hatte, zum anderen mit bemühten Lokalpolitikern aus der Eifel.

Das wiederum erfreut auch heute noch; unter anderem den Hillesheimer Stadtbürgermeister Matthias Stein (CDU). Er sagte: "Diese Industrieansiedlung hatte Aufbruchcharakter für Hillesheim und die gesamte Region. Die Firma war stets und ist auch heute noch ein Vorzeigebetrieb, von dessen Erfolg die Stadt stets profitieren konnte."

Stichwort Gewerbesteuer. Lediglich 2003 habe man in der Stadt "gewisse Sorgen" gehabt. Das war das Jahr, als das Unternehmen an die Indus Holding verkauft wurde, die rund 40 Firmen unter ihrem Dach hat.

In den Ruf, eine "Heuschrecke" zu sein, wolle die Holding aber nicht kommen, versicherte deren Vorstandsvorsitzender Helmut Ruwisch. Er sagte: "Gerade das sind wir nicht, denn wir halten unsere Firmen dauerhaft und lassen ihnen so weit als möglich ihre Selbstständigkeit." Ein Beleg dafür sei - sagte er zu Geschäftsführer Hirtz -, "dass Sie mich selten sehen, und das ist für uns alle ein gutes Zeichen." Er freue sich schon auf den 75. Geburtstag der Firma in Hillesheim.

Von herausragender Bedeutung war für alle Festredner das Engagement der Firma als Ausbildungsbetrieb. So sind seit Bestehen im Hillesheimer Betrieb rund 250 junge Menschen ausgebildet worden. "Und damit haben Sie für viele Familien und die Region Enormes geleistet", lobte und dankte auch Landrat Heinz Onnertz, der zudem die Gelegenheit ergriff, für die Eifel zu werben ("tolle Natur, viele Arbeitswillige").

Und mit einem Schmunzeln sagte er in Richtung der vielen anwesenden Unternehmer: "Heute gibt es noch viel mehr gute Gründe, sich hier anzusiedeln."

Mehr von Volksfreund