"Bereit zu kämpfen"

Post und Gewerkschaft wollen in dem festgefahrenen Tarifstreit heute wieder verhandeln. Unabhängig davon wurde die Urabstimmung über einen unbefristeten Streik gestern fortgesetzt.

Trier. "Es reicht." Seit über 30 Jahren trägt der 50-Jährige Post aus, die Arbeit habe immer Spaß gemacht, aber es werde immer mehr draufgesattelt, die Zustellgebiete würden immer größer, neben Briefen müssten die Zusteller auch Päckchen und Pakete verteilen. "Und das seit Jahren für das gleiche Geld", beschwert sich der Beamte. Außerdem seien bei den Beamten die Zulagen gestrichen, das Weihnachtsgeld gekürzt worden. Maximal rund 2000 Euro brutto verdient ein Zusteller. Manchmal dauere es Jahre, bis eine Beförderung anstehe, "für 50 oder 70 Euro mehr". Der Frust seiner Kollegen sei groß. "Wir sind bereit zu kämpfen", sagt er. Es gehe nicht um die von der Post geforderte eine Stunde längere Arbeitszeit. Damit könne man zur Not noch leben, "falls wir dafür auch Geld bekommen". Noch hofft er, dass die Vernunft bei seinem Arbeitgeber siegt und die Post auf die Forderungen der Gewerkschaft eingeht: sieben Prozent mehr Geld, keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2011 und keine Erhöhung der Arbeitszeit von 38,5 Stunden. Ab heute soll zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Post wieder verhandelt werden. Trotzdem lief gestern die Urabstimmung über einen unbefristeten Streik weiter. Die Beteiligung in Rheinland-Pfalz sei "überwältigend hoch", hieß es von Verdi. Man rechne mit einer hohen Zustimmung für einen Streik, der bereits am Freitag beginnen könnte, falls sich die Gewerkschaft und die Post nicht doch noch in letzter Minute einigen. Ab heute wollen die Tarifpartner wieder verhandeln. Laut Verdi ist eine "rasche Lösung" möglich, falls die Post auf längere Arbeitszeiten verzichte. Vor 14 Jahren hatte es zuletzt einen unbefristeten Streik bei der Post gegeben. "Vielleicht müssen wir ja nicht auf die Straße gehen", hofft der Zusteller. Niemand wolle, dass die Briefe liegen blieben, und er fügt hinzu: "Wenn es aber nicht anders geht, dann streiken wir."