Der neue alte Frachtflieger am Hahn

Der neue alte Frachtflieger am Hahn

Seit gestern fliegt Suparna Airlines einmal pro Woche von China in den Hunsrück. Die Gesellschaft ist nicht unbekannt.

Lautzenhausen Statt der echten Frachtmaschine müssen die Journalisten im Konferenzraum des Flughafens Hahn mit einem Modell Vorlieb nehmen. Die Boeing 747-400 der chinesischen Suparna Airlines, die gestern Mittag präsentiert werden soll, hat Verspätung. Und zwar satte sieben Stunden. Sie soll erst um 18.50 Uhr auf dem Hunsrückflughafen landen. Was natürlich misslich ist, wenn man genau deshalb mittags zur Pressekonferenz geladen hat. Da ist das Modellflugzeug kein echter Ersatz. Zumal es sich streng genommen um eine Passagiermaschine handelt, prangt doch der Name Hainan Air auf der Seite. Diese wiederum gehört genau wie Suparna, die bis Juli noch Yangtze River Express hieß, zu dem chinesischen Großkonzern HNA. Und der ist seit 9. August Mehrheitseigentümer des Hahn. HNA hat für 15,1 Millionen Euro die 82,5-Prozent-Anteile des Landes Rheinland-Pfalz am finanziell angeschlagenen Flughafen gekauft.
Mit dem seit gestern einmal pro Woche landenden Flug vom chinesischen Flughafen Xi'an mache man das Versprechen wahr, mehr Frachtverkehr auf den Hahn zu bringen, sagt Christoph Goetzmann. Er kennt den Flughafen gut. Goetzmann war zwei Jahre lang dort für den Vertrieb zuständig, bevor er 2015 die Flughafengesellschaft verlassen hat. Im gleichen Jahr hat auch Yangtze River Express den Abflug vom Hahn gemacht. Statt vom Hunsrück ist sie dann von München aus gestartet. Das Frachtgeschäft auf dem Hahn ist danach um 30 Prozent eingebrochen. Nun fliegt Yangtze River Expresse oder besser Suparna seit gestern wieder den Hunsrück an. Und Goetzmann ist auch wieder zurück. Als Chief Operating Manager, wie es auf seinem Namensschild steht, also als Manager für das laufende Geschäft. Der erfahrene Flughafenmanager hat HNA bei den Kaufverhandlungen mit dem Land beraten.
Mit einem wöchentlichen Flug könne der Hahn noch nicht gerettet werden, sagt Goetzmann. Aber es sei ein erster Schritt. Zumal auch andere Frachtfluggesellschaften neue Verbindungen angekündigt haben oder bestehende Strecken ausbauen wollen. Schon seit Wochen entwickle sich das Frachtgeschäft auf dem Hahn im Vergleich zu anderen Flughäfen überdurchschnittlich. Allein im Juli seien mit 9000 Tonnen Fracht gut 78 Prozent mehr umgeschlagen worden, als im gleichen Vorjahresmonat. "Es läuft gut", sagt Goetzmann. Er führt das zum einen auf die weltweit gute Wirtschaftslage zurück. Aber auch darauf, dass die Kunden mit HNA einen sicheren Partner hätten. Die Hängepartie am Hahn - mit dem Land, das Jahr für Jahr Millionen in den Flughafen reinschießen musste, um ihn am Leben zu halten und mit dem gescheiterten Verkauf im vergangenen Jahr an eine nicht existierende chinesische Firma - soll nun zu Ende sein. "Die Mitarbeiter sind durch schwere Zeiten gegangen", sagt der Flughafenmanager.
Der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) lobt an der Seite von Goetzmann HNA. Der Konzern sei ein verlässlicher Partner. Und: "Es gibt nichts, was uns hellhörig hat werden lassen", sagt Stich auf die Frage, ob das Land angesichts der in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Kritik an dem angeblich undurchsichtigen Firmen- und Finanzierungsmodell von HNA Zweifel an der Seriosität hat. Warum Stich und damit das Land überhaupt bei der Pressekonferenz dabei ist, bleibt offen. Denn mit der Übernahme des Hahn durch den Konzern hat das Land dort nichts mehr zu sagen. Auch aus dem Aufsichtsrat ist das Land raus. Man sei noch partnerschaftlich verbunden, sagt Goetzmann. Und diese Partnerschaft lässt sich das Land immerhin etliche Millionen Euro kosten. Bis 2024 zahlt Rheinland-Pfalz dem neuen Hahn-Besitzer 22,6 Millionen Euro Investitionsbeihilfen, unterstützt den Betrieb des Flughafens mit 25 Millionen Euro und gibt noch 27 Millionen Euro für Feuerwehr- und Sicherheitskosten.
Auf die Frage, warum Suparna (damals Yangtze River Express), die vor zwei Jahren nach München gegangen ist mit der Begründung, dass ein Großteil der verladenen Fracht aus dem süddeutschen Raum komme, nun wieder zurückkehre, weicht Goetzmann zunächst aus. Man habe sie von der Qualität des Hahn überzeugen können, sagt er, um dann hinzuzufügen, dass Suparna Airlines bei einem anderen Investor als HNA wohl nicht zurückgekommen wäre. Das klingt so, als habe der Mutterkonzern HNA sanften Druck auf die Frachtfluggesellschaft ausgeübt, damit man möglichst schnell Erfolge im Hunsrück vermelden kann. Und da macht dann das Modellflugzeug mit dem Schriftzug Hainan Air durchaus wieder Sinn. Diese fliegt derzeit nach Berlin und hat offenbar keine Pläne in den Hunsrück umzusiedeln (der TV berichtete). Immerhin hat HNA angekündigt, drei wöchentliche Flüge von China zum Hahn starten zu lassen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass dies bereits im kommenden Jahr der Fall sein wird. Aber vielleicht kann HNA ja seine Tochter Hainan Air wie Suparna von der Qualität des Hunsrückflughafens überzeugen.

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