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"Mehr Beschäftigung im Rentenalter"

"Mehr Beschäftigung im Rentenalter"

Ein Weiterarbeiten im Rentenalter kontra Teilrente ab 60: Derzeit überschlagen sich die Rentenkonzepte von Parteien und Gewerkschaften. Carsten Linnemann, Chef der Unions-Mittelstandsvereinigung, plädiert im Interview für mehr Beschäftigung Älterer.

Berlin. Die Bundesregierung setzt in der kommenden Woche eine Arbeitsgruppe ein, die bis zum Herbst Vorschläge für flexiblere Übergänge in den Ruhestand entwickeln soll. Ziel der Union ist es, das Weiterarbeiten im Rentenalter attraktiver zu gestalten. SPD und Gewerkschaften wollen dagegen die Rente mit 67 weiter aufweichen. Der DGB macht sich sogar für eine Teilrente schon ab 60 stark. Über diese unterschiedlichen Positionen sprach unser Korrespondent Stefan Vetter mit dem Chef der Unions-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann.Herr Linnemann, Sie gelten als Ideengeber der sogenannten Flexi-rente und Mitinitiator der Arbeitsgruppe. Drohen dort jetzt zwei Züge aufeinander zu fahren? Linnemann: Es liegt in der Natur der Sache, dass man vor der Kommissionsarbeit unterschiedliche Standpunkte vorfindet. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir am Ende zu einer guten Lösung kommen werden. Uns eint das Ziel, dass wir mehr Beschäftigung Älterer ermöglichen wollen.Die Gewerkschaften, die ebenfalls mit am Tisch sitzen werden, argumentieren, dass der dringendste Handlungsbedarf vor dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze bestehe und nicht danach. Was halten Sie dem entgegen? Linnemann: Im Schnitt werden in den nächsten Jahren 300 000 Menschen pro Jahr mehr ins Rentenalter kommen als Jüngere auf den Arbeitsmarkt nachrücken. Das, was demografisch prognostiziert wurde, tritt jetzt ein: Die Babyboomer gehen in Rente. Wir stehen also vor einer riesigen Herausforderung.Von den über 65-Jährigen wollen offenbar nur die wenigsten weiterarbeiten. Gerade einmal acht Prozent sind noch erwerbstätig. Wirkt da eine Debatte über das Arbeiten mit 67plus nicht deplaziert? Linnemann: Im Gegenteil. Die niedrige Zahl zeigt doch, wie viel Nachholbedarf wir bei der Beschäftigung Älterer haben. Nach einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung will die Hälfte der Beschäftigten über 55 länger arbeiten. Das Umdenken hat also begonnen, die gesetzlichen Rahmenbedingung müssen noch folgen. Im Rentenpaket ist ein Passus enthalten, wonach Personen im Rentenalter befristet weiterarbeiten können. Reicht das nicht? Linnemann: Richtig, die große arbeitsrechtliche Hürde ist damit nach vielen Jahren endlich beseitigt worden. Im Sozialrecht gibt es noch offene Fragen. So müssen Arbeitgeber für Rentner, die weiterbeschäftigt werden, Renten- und Arbeitslosenbeiträge zahlen, obwohl daraus keine Ansprüche resultieren. Das darf nicht so bleiben. Der DGB will die geltende Teilrente ab 63 reformieren, damit Beschäftigte schon ab 60 gleitend aus dem Arbeitsleben ausscheiden können. Bekommen wir am Ende die Flexirente mit 60? Linnemann: Der DGB kann Frühverrentungsmodelle fordern, er hat ja auch keinen Koalitionsvertrag unterzeichnet. Dort ist jedenfalls vereinbart worden, dass wir den Erfahrungen und Potenzialen Älterer mehr Geltung verschaffen wollen anstatt weniger. Es geht darum, Beschäftigungshürden abzubauen, statt neue zu errichten.Extra

Der 36-jährige Carsten Linnemann gehört zu den Shootingstars in der CDU. Der promovierte Volkswirt hat sich gegen den Ex-Grünenpolitiker Oswald Metzger als Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU/CSU, des einflussreichen Wirtschaftsflügels der Parteien, durchgesetzt. Bei den Bundestagswahlen 2009 und 2013 errang er das Direktmandat von Paderborn. red