Walter Bau zieht "Insolvenzbremse"

Walter Bau zieht "Insolvenzbremse"

Augsburg /SPANGDAHLEM. (sey/dpa) Nach wochenlangem Überlebenskampf ist der drittgrößte deutsche Baukonzern Walter Bau pleite und das Schicksal der 9500 Beschäftigten ungewiss. Auch die Region Trier ist betroffen.

Leichte Nervösität macht sich wegen der Walter-Bau-Pleite auch auf dem amerikanischen Militärflughafen Spangdahlem/Eifel breit. Dort ist Walter Bau als Generalunternehmer für zwei Projekte zuständig: den Neubau einer Feuerwache (2,7 Millionen Euro) und den 1,6 Millionen Euro teuren Anbau an ein Bürogebäude. 15 Walter Bau-Leute sind im Einsatz. Nach Auskunft des für die Arbeiten auf der Airbase zuständigen Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) wurde am Dienstag "ganz normal" weiter gearbeitet. "Offiziell haben wir noch nichts gehört", sagte Projektleiter Karl Koch unserer Zeitung. Eine Entscheidung, ob und wie es weitergehe, werde wohl erst in den nächsten Tagen fallen - nach Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter. Im schlimmsten Fall müssten die Verträge gekündigt und die Aufträge neu ausgeschrieben werden, sagte Koch. Ob es dazu komme, sei aber noch offen. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte erst die Baufirma Kickert Insolvenz angemeldet. Das Trierer Traditionsunternehmen hatte allein auf dem Flugplatz Spangdahlem Projekte im Wert von 11,5 Millionen Euro an Land gezogen. Die drohende Insolvenz hatte sich über Wochen angekündigt.Zerschlagung droht

"Nach Ausschöpfung sämtlicher Möglichkeiten sieht der Vorstand der Walter Bau-AG in dem Insolvenzantrag die letzte Chance, wesentliche Teile des Konzerns und die dazugehörigen Arbeitsplätze zu erhalten", erklärte das Unternehmen. In Gläubigerkreisen gilt nun eine Zerschlagung des Konzerns als wahrscheinlich. Knapp drei Jahre nach der Philipp-Holzmann-Insolvenz gibt es damit nun die nächste Großpleite in der gebeutelten Baubranche. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und sein bayerischer Amtskollege Otto Wiesheu (CSU) hoffen auf die Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze. "Wir gehen davon aus, dass der Insolvenzverwalter bei der gegebenen Ausgangslage trotz der Insolvenz der Obergesellschaft wesentliche Teile des Konzerns und möglichst viele Arbeitsplätze sichern und erhalten kann", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Die IG Bau machte die Banken für die Pleite verantwortlich. "Die Banken hatten es in der Hand, die hätten es retten können", sagte Bundesvorstandsmitglied Karl Heinz Strobl in Frankfurt. Der Kurs der Stammaktie der Walter Bau-AG brach um zwischenzeitlich 58 Prozent auf 1,01 Euro ein. Walter Bau ging das Geld aus, bevor sich das Unternehmen mit seinen 27 Gläubigerbanken und Kreditversicherern auf ein Rettungskonzept einigen konnte. Am Wochenende sei noch einmal ein Finanzloch in Höhe eines hohen zweistelligen Millionenbetrags aufgetaucht, hieß es in Gläubigerkreisen. "Alle Banken haben dann Vorbehalte gehabt." ABN Amro habe in einer ausführlichen Stellungnahme Nachforderungen gestellt. Einige Banken forderten ein finanzielles Engagement von Gründer Ignaz Walter als Großaktionär und der Bayerischen Landesbank, die gut zehn Prozent hält. "Wenn die Eigentümer nicht mehr bereit sind, Mittel nachzuschießen, ist das kein gutes Zeichen", hieß es in Gläubigerkreisen. Von dem Insolvenzantrag ist formal nur die Obergesellschaft Walter Bau-AG betroffen und nicht die operativen Tochtergesellschaften. Allerdings gelten in Gläubigerkreisen Folge-Insolvenzen als möglich. Die Stuttgarter Züblin AG, an der Walter Bau die Mehrheit der Anteile hält, betonte, sie sehe keine Auswirkungen auf das operative Geschäft.

Mehr von Volksfreund