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Erhalt der Schulsozialarbeit: Wittlicher Grundschulen schließen sich zusammen

Sozialarbeiterin Laura Gansen bei der Arbeit mit dem Schülerparlament der Grundschule Wittlich-Friedrichstraße. Foto: privat
Sozialarbeiterin Laura Gansen bei der Arbeit mit dem Schülerparlament der Grundschule Wittlich-Friedrichstraße. Foto: privat
Wittlich. Die Wittlicher Grundschulen finanzieren ihre Schulsozialarbeit mit Geld des Bundes. Die Maßnahmen laufen Ende des Jahres aus. In Unterschriftenlisten und Briefen an Kreis und Stadt manifestiert sich Protest gegen das drohende Aus. Clemens Beckmann

Wittlich. Ein Förderprogramm des Bundes, das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket, macht es möglich: Viele Schulen verfügen über einen Schulsozialarbeiter. Die Krux dabei: Die Förderung ist befristet. An der Grundschule Friedrichstraße in Wittlich läuft sie Ende 2013 aus. Dies war natürlich den Kindern, Eltern und Lehrern bekannt. Doch je näher der Tag rückt, desto mehr wird ihnen bewusst, was ihnen bevorsteht und fehlen wird. "Die Schule empfindet den Wegfall der Stelle als sehr tragisch, da die Schulsozialarbeit sich sehr gut etabliert hat und Kindern, Eltern und Lehrer zugutekommt", sagt Sandra Griebeler, die zusammen mit zwei Kollegen die Schule derzeit kommissarisch leitet. "Die sozialen, emotionalen und familiären Probleme bei Kindern nehmen immer mehr zu und können von Lehrern nicht mehr aufgefangen werden", erläutert sie. An dieser Stelle setze die Schulsozialarbeit an. Sie unterstütze Kinder, Eltern und Familie und sei wichtig für die Prävention im Schulalltag. Bedarf soll weiter steigen

Alexa Spielmann-Sips, frisch wiedergewählte Elternsprecherin, sieht das genauso. "Wir sind eine große Schule, Brennpunktschule und Schwerpunktschule. Sozialarbeit ist da sehr entlastend", sagt sie. Das stelle sie auch bei Gesprächen mit Psychotherapeuten und Vertretern des Jugendamts fest.Und der Bedarf wird wohl steigen: "Es kommt immer mehr zu unkonventionellen Lebensweisen (Scheidungen, Patchworkfamilien, berufstätige Eltern etc.). Kinder sind vermehrt auf sich selbst gestellt", sagt Sandra Griebeler. In ihrer Schule besuchen 284 Mädchen und Jungen den Unterricht. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund liegt bei fast 50 Prozent. Der Wunsch nach dem Erhalt der Stelle geht an der Schule mit Aktionen einher. Mehr als 100 Unterschriften sind gesammelt worden. Zusätzlich haben Eltern 15 Briefe an Stadt und Kreisverwaltung geschrieben. Auch an den anderen drei Wittlicher Grundschulen (Georg Meistermann, Bombogen und Wengerohr) ist Sozialarbeit durch das Förderprogramm möglich geworden. Auch dort laufen die Projekte aus und von dort kommt ebenfalls der Wunsch, sie beizubehalten. In Bombogen (120 Schüler) wird in dieser Woche ein neuer Schulelternbeirat gewählt, der sich mit dem Thema beschäftigen soll. An der Georg-Meistermann-Schule (204 Schüler) wird ebenfalls darüber nachgedacht, wie die Wünsche öffentlich gemacht werden können. Aus Wengerohr (85 Schüler) ist zu hören, dass sich die Leiter der vier Grundschulen demnächst zusammensetzen. Die Schule in der Friedrichstraße ist auch schon beim Kreis vorstellig geworden. Am 7. Oktober wird es zu einem Gespräch mit Landrat Gregor Eibes kommen, der derzeit noch im Urlaub weilt. Der Kreis hat sich bereits im Juni mit dem Thema befasst. CDU und FDP nahmen damals die Landesregierung in die Verantwortung, die SPD sah sie eher beim Bund (der TV berichtete). Das Landesministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen hat zugesagt, sich bei den Beratungen zum Doppelhaushalt mit der Situation zu befassen. Eine halbe Stelle (circa 19 Stunden pro Woche) kostet etwa 22 000 Euro im Jahr. Der Jugendhilfeausschuss des Kreises hat eine Resolution auf den Weg gebracht. Sie beinhaltet die Aufforderung an Bund und Land, Anschlusskonzepte vorzulegen. Träger ist der Landkreis

Im Spiel ist auch die Stadt Wittlich. "Es wäre wichtig, dass die Schulsozialarbeit fortgesetzt wird", sagt Bürgermeister Rodenkirch. Der Kreis sei der Träger der Jugendhilfe und insoweit auch zuständig für die Schulsozialarbeit in Wittlich. Eine Beteiligung der Stadt Wittlich sei derzeit aufgrund der fehlenden Zuständigkeit und der finanziellen Situation der Stadt kein Thema. Meinung

Gut angelegtes GeldEs ist wie so oft im sozialen Bereich. Es geht ums Geld und um Zuständigkeiten, die gerne hin- und hergeschoben werden. Den explodierenden Kosten Herr zu werden, ist die große Herausforderung der Zukunft. Eines sollte in Wittlich tunlichst nicht aufkommen: eine Diskussion, die unter parteipolitischen Aspekten geführt wird. Auffällig ist, mit welcher Vehemenz für die Fortführung der Schulsozialarbeit gewoben wird. Dahinter steckt offenbar wirklich ein Bedürfnis. 22 000 Euro für eine Halbtagsstelle sind nicht viel, aber gut angelegt. Besonders mit dem Wissen, dass eine Heimunterbringung 6000 Euro im Monat oder noch mehr kosten kann. c.beckmann@volksfreund.deExtra

Sozialarbeit wird vor allem an weiterführenden Schulen genutzt: im Kreis Bernkastel-Wittlich von den Realschulen plus in Wittlich (Clara Viebig), Bernkastel-Kues, Traben-Trarbach, Neumagen-Dhron, Manderscheid und Thalfang sowie von den Integrierten Gesamtschulen Morbach und Salmtal. Träger der Sozialarbeit ist die Kinder- und Jugendhilfe Palais in Trier. Ihre Sozialarbeiter sind an 34 Schulen in der Stadt und im Kreis Bernkastel-Wittlich tätig. Nach Auskunft von Palais-Geschäftsführer Reinhold Spitzley hat das zum Jahresende auslaufende Förderprogramm auch schon in Trier für Aufregung gesorgt. Dort habe sich nach langer Diskussion die Stadt zur Übernahme der Kosten bereit erklärt. Der Unterschied zu Wittlich: Trier ist eine kreisfreie Stadt, Wittlich nicht. cb