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Basketball: Der Gladiator, der auch mal zur Eintracht will

Basketball: Der Gladiator, der auch mal zur Eintracht will

In der Reihe "Die Gladiatoren" stellt der TV in den kommenden Wochen die Spieler der Gladiators Trier vor. Den Auftakt macht US-Mann Brandon Spearman. Im Porträt erzählt er warum er gerne mal zu einem Heimspiel der Trierer Eintracht gehen würde und wieso er seine Heimat nicht vermisst - und dann ist da noch die Sache mit der Kamera.

Die Kamera hat es Brandon Spearman angetan. "Wow, ich suche genau so eine - kennst du einen Laden in Trier, wo ich so eine bekomme?", fragt der US-Amerikaner den TV-Redakteur und deutet auf dessen Kamera. Spearman ist neu in der Stadt - seit knapp einer Woche lebt er an der Mosel. Natürlich weiß er noch nicht, wo es die Apparate zu kaufen gibt. "Ich fotografiere total gerne, jetzt bin ich auf der Suche nach einer guten neuen Kamera." In den nächsten Monaten wird Spearman Zeit finden, sich in Trier nach einem geeigneten Gerät umzuschauen. Denn für mindestens ein Jahr hat der 24-Jährige bei den Gladiatoren unterschrieben.

Als der TV ihn zum Gespräch trifft, kommt Spearman gerade aus dem Kraftraum. Schwarze Trainingsjacke, grüne Shorts, hellblaue Basketball-Sneaker. Mit einem breiten Grinsen begrüßt er den Gesprächspartner. "Schön, dass das klappt", sagt er. Gemeinsam geht's in die Arena. Die Tribünen sind eingefahren, die Halle nur spärlich beleuchtet. Keine Trommeln, kein Fangesang, kein Dribbeln - nichts deutet auf die Atmosphäre hin, die an dieser Stelle in knapp acht Wochen herrschen wird, wenn die Gladiators mit Spearman an dieser Stelle im ersten Saisonheimspiel auf Baunach treffen werden.

Auf einer Holzbank auf dem Parkett nimmt Spearman mit dem Journalisten Platz. Der 24-Jährige lässt den Blick schweifen. In der vergangenen Saison hat er bei Pro-B-Ligist Rist Wedel vor durchschnittlich 500 Zuschauern gespielt. "Ich habe Bilder gesehen, wie es aussieht, wenn die Arena hier voll besetzt ist", erzählt Spearman. "Das sah super aus. Ich kann es kaum erwarten, dass es losgeht." Und dann bringt der US-Amerikaner diesen Satz, der eigentlich nicht übersetzt werden sollte, da er im englischen Original vielmehr aussagt als auf Deutsch: "There is a lot I'll bring to the table", sagt er und grinst. Frei übersetzt heißt das: "Ich habe mir viel vorgenommen für die kommende Saison." Spearman nickt bestätigend, als er das sagt, es ist ihm anzumerken, dass er es ernst meint.

Der 1,93 Meter große Flügelspieler ist niemand, dem man die Worte aus der Nase ziehen muss. Er spricht gerne und es macht Spaß, ihm zuzuhören. Auch als er erzählt, dass er aus Chicago stammt - "South Side", wie er betont. Die Bulls, der Verein, bei dem einst Michael Jordan zum Superstar emporstieg, sind sein Lieblingsclub. In Chicago ist Spearman geboren und aufgewachsen. Dort hat er seine Liebe zum Basketball entdeckt. Außerdem hat er dort diesen einen Jungen kennengelernt, mit dem er jetzt in Trier plötzlich und unerwartet wieder zusammenspielt: Dieser Junge ist heute 23 Jahre alt, heißt Dwayne Evans und steht genau wie Spearman im Gladiators-Kader für die neue Saison. "Ich habe mit Dwayne in meiner Jugend schon zusammengespielt", erzählt Spearman, "es ist toll, dass wir jetzt wieder Teamkollegen sind."

Ein anderer junger Mann, mit dem Spearman in seiner Jugend gemeinsam auf dem Feld stand, heißt Jabari Parker und spielt heute für die Milwaukee Bucks in der NBA - ein Riesentalent. Spearman geht einen anderen Weg als Parker. Er spielt für die Basketballteams der University of Dayton (Bundestaat Ohio) und des Indian Hills Community College (Iowa), ehe er 2012 an einen Ort wechselt, an dem andere Urlaub machen: Hawaii. Dort an der Universität studiert er Kommunikationswissenschaften und spielt für die Rainbow-Warriors in der College-Liga NCAA.

In seinem Team gehört er zu den Besten: Spielt in der Saison 2013/14 knapp 30 Minuten pro Partie, erzielt elf Punkte im Schnitt und holt dabei 4,5 Rebounds. Er gilt als exzellenter Verteidiger und echter Teamplayer. Nach einem halben Jahr bei Rist Wedel (Winter 2015 bis Sommer 2015) ist er nun in Trier angekommen. "Hier gibt es zwar kein Meer wie auf Hawaii, aber ein Fluss ist ja auch schon mal etwas", sagt Spearman und lacht. Seine Heimat, so betont er, vermisse er ohnehin nicht. "Ich bin kein Typ, der Heimweh hat, ich bin immer schon viel gereist." Seine Familie lebt nach wie vor in den Staaten - den Kontakt hält er über Skype, Facebook, Twitter oder Instagram. Sein Nutzername bei Instagram lautet "fear the spear" - fürchte den Speer. "Passt doch optimal zu den Gladiators, oder findest du nicht?", fragt Spearman und fängt an zu lachen.

Mit seinem neuen Team hat der 24-Jährige große Ziele. "Natürlich wollen wir in die Playoffs, ich bin mir sicher, dass wir mit unserem jungen Team großes Potenzial haben." Zum Abschluss des Gesprächs zeigt Spearman dann, dass er über seine neue Heimat an der Mosel schon so einiges weiß. "Ich habe erfahren, dass Trier die älteste Stadt in Deutschland ist, und das Eintracht Trier in der vierten Liga spielt." Er interessiere sich für "Soccer" - "nicht für Chicago Fire, nein, ich mag den FC Barcelona und Bayern München - und wenn es mal klappt, würde ich mir auch gerne mal ein Spiel von Eintracht Trier anschauen". In der Reihe "Die Gladiatoren" stellt der Trierische Volksfreund bis zum Saisonstart am 26. September in loser Folge die Neuzugänge der Gladiators Trier vor.