"Hooray" in Freudenburg

"Hooray" in Freudenburg

FREUDENBURG. Die fünf Folkrocker von "Paddy goes to Holyhead" heizen dem Publikum im Ducsaal kräftig ein, bringen die Zuhörer mit stimmungsvollen irisch-keltischen Songs schnell auf ihre Seite und entfachen somit ein dreistündiges Feuerwerk der guten Laune: Viel Freude in Freudenburg.

Los geht's gleich mit zwei Krachern: Schon bei den alten Hits "Bound Around" und "Far Away" singen die rund 200 Besucher nach Aufforderung durch Frontmann Paddy Schmidt (Gesang, Gitarre, Mundharmonika) lauthals und textsicher mit und beginnen zu tanzen. Er hat genau die richtige rauchige-raue Stimme für diese Folksongs, die die Zuhörer mitreißen, deren Rhythmus einfach in die Beine geht und deren publikumsnahe Darbietung keine Distanz zwischen Band und Fans aufkommen lässt! Mit von der Paddy-Partie sind bei der Party im Ducsaal von der erfolgreichen Besetzung der 90er-Jahre neben Paddy Schmidt wieder Kalle Spriestersbach (Schlagzeug und Percussion) sowie Jo Naumann an den Keyboards und dem Akkordeon (auch Gesang). Verstärkt werden diese drei "Urgesteine" von Bassist Uwe "Uhu" Bender und der 23-jährigen Nicole Ansperger an der elektrischen Geige, die auch schon beide beim 2005-Auftritt in Freudenburg dabei waren. Weitere herausragende Lieder der langen Freudenburger Nacht sind dann etwa "The Banks of Australia", das schon legendäre "Johnny Went to the War" - der erste Titel, der Mitte der 90er-Jahre länger als 50 Wochen in den Hörer-Charts von SWF 3 ganz oben platziert war, worauf dann die Teilnahme-Regeln geändert wurden -, "Red Rasta Reggae", "Desiree", "The Dragon", "The Titanic" oder auch "The Gipsies' Wedding Day" mit der Aufforderung "Dance, dance, dance", der die Besucher nur zu gern nachkommen. "Gälisch ist wie Luxemburgisch..."

Zu einem Erfolg beim Publikum wird auch das folkmäßig aufbereitete Pippi-Langstrumpf-Lied, von Paddy Schmidt vorgestellt als "Liedgut, das man zu hören kriegt, wenn man mit dem Kahn von der Küste Irlands nach Schweden übersetzt". Auch ein schottisches Traditional wie "Whiskey in the Jar" fehlt nicht im umfangreichen Programm der Band. Eingängige Refrains bieten den Besuchern die vielfältige Möglichkeit zum Mitsingen, Mitklatschen und Mittanzen. Die schnellen tanzbaren Titel wechseln sich zumeist mit langsamen, gefühlvollen Balladen ab. "Paddys" Themen entstammen der Geschichte und Märchenwelt oder beschäftigen sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen. Bei allen Stücken haben die fünf Musiker abwechselnd die Gelegenheit zu längeren Soloeinlagen. In Erinnerung werden den Besuchern vor allem Nicole Anspergers Soli auf der roten E-Geige sowie Kalle Spriestersbachs Vorstellung am Schlagzeug und seine Trommeleinlagen auf den eigenen Wangen bleiben. Geradezu sprachakrobatische Leistungen vollbringt Paddy Schmidt bei den in einem höllischen Tempo gesungenen Strophen von "Rocky Road to Dublin", er überzeugt zudem mit seinem Dudelsackspiel oder punktet auch mit lustigen Moderationen: "Gälisch ist wie Luxemburgisch, nur rückwärts!" Mit dem "Last Song" beendet "Paddy goes to Holyhead" dann weit nach Mitternacht ein Konzert, das allen Beteiligten viel Freude bereitet hat. Paddy Schmidt erklärt im Namen der Musiker, dass sie "gerne wiederkommen würden", das Publikum skandiert zum Abschluss: "Das war Spitze, das war wunderbar!" Der Name der 1988 von Paddy Schmidt gegründeten deutschen Folkrock-Band "Paddy goes to Holyhead" ist einerseits eine Anspielung auf die damals recht populäre US-Formation "Frankie goes to Hollywood", zum anderen bezieht sich der Bandname auf die "Paddys", wie die Iren genannt werden, sowie auf die Hafenstadt Holyhead, von der aus die irische Bevölkerung nach Übersee auswanderte.