Meine Wirtschaftswoche: Die Gebührenfalle

Meine Wirtschaftswoche: Die Gebührenfalle

Rund 148 Milliarden Euro sollen Anleger im vergangen Jahr in Europa in Mischfonds investiert haben. Ein Rekord. Doch die richtige Auswahl der Fonds ist wichtig.

Diese Fonds versuchen, durch eine kluge Mischung von Anleihen und Aktien eine attraktive Rendite zu erzielen und das Risiko von Wertschwankungen zu minimieren. Seit die Kurse vieler Aktien gepurzelt sind, gelingt dies nur noch wenigen Mischfondsmanagern. Umso wichtiger wird die Fondsauswahl. Dabei sollte man die Fondsperformance in den letzten Jahren berücksichtigen, besonders wenn die Kurse sehr stark schwanken. Diese Kurseinbrüche widerlegen das Gerede, Dividenden seien die neuen Zinsen.

Eine gute Performance bedeutet allerdings noch nicht, dass der Anleger auch eine Top-Rendite erzielt. Die Rendite kann durch Ausgabenaufschläge, die Verwaltungsgebühr und eine Performance- oder Erfolgsgebühr beträchtlich geschmälert werden. Zwar wird der Erfolg eines Fonds heute fairer berechnet, aber diese Erfolgsgebühr kommt zu den erfolgsunabhängigen Gesamtgebühren (TER) hinzu. Sie ist bei einigen populären Mischfonds wie Ethna Aktiv oder Unirak hoch. Gebühren sparen kann man nicht nur durch den Kauf eines Index-Fonds (ETF), sondern auch durch einen ausgewogenen Chancen-Risiko-Mix in seinem Wertdepot. Wer Risiken begrenzen will, sollte auf defensive Aktien, Nahrungs- und Genussmittelaktien wie Nestle und Unilever oder Pharmaaktien setzen. Lassen Sie sich so unabhängig wie möglich beraten, fragen Sie nach der aktuellen und der Wertentwicklung in der Vergangenheit sowie nach der Rendite für den Anleger nach Abzug aller Gebühren. Sonst könnte nur einer gewinnen: Die Fondsgesellschaft.

Der Autor Rainer Nahrendorf ist ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatts und Buchautor.

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