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Trier
Opfer nimmt Entschuldigung an

Trier. Prozess in Trier: Psychisch Kranker soll einen Polizisten mit Messer angegriffen haben.

Wenn jemand ein Messer in den Brustkorb gerammt bekommt und schwer verletzt wird, dann, so sollte man meinen, steckt derjenige den Angriff nicht so schnell weg und leidet auch Monate danach darunter. Doch der Polizist, dem genau das im Juni vor der Polizeiinspektion Trier geschehen ist, gibt sich gelassen. Er könne gut mit der Narbe und  den hin und wieder auftretenden Schmerzen leben, sagt der 49-Jährige vor Gericht, wo dem mutmaßlichen Angreifer der Prozess gemacht wird. „Wenn man bei der Polizei ist, muss man damit rechnen“, sagt der Beamte der Trierer Kripo.

Und nicht nur das: Als der Angeklagte, ein 23-Jähriger aus Konz, sich im Saal des Trierer Landgerichts entschuldigt („Es tut mir leid, was passiert ist.“), reagiert der Polizist entspannt und sagt in Richtung des offenbar psychisch kranken Mannes, der ihm das Messer seitlich in die Brust gerammt haben soll: „Ist okay. Ich bin nicht nachtragend.“

Erst im Nachhinein, also nach dem 11. Juni, als es zu dem Angriff kam, sei ihm klar geworden, dass es auch hätte anders ausgehen können, schildert der Kripo-Beamte seine Wahrnehmung. Dass er – falls das 18 Zentimeter lange Küchenmesser tiefer in seinen Körper eingedrungen wäre und innere Organe verletzt hätte – auch hätte sterben können. „Im Verhältnis zum Angriff habe ich Glück gehabt“, sagt der Beamte.

Nach Ansicht von Staatsanwalt Benjamin Gehlen hat der Angeklagte bei dem hinterhältigen Messerangriff den Tod des Polizisten in Kauf genommen. Deswegen ist der Konzer, der wohl an Schizophrenie leidet, wegen versuchten Mordes angeklagt.

Der Kriminalpolizist hatte nach eigenem Bekunden keine Chance gehabt, die Attacke abzuwehren. Er habe zusammen mit einem Kollegen vor der Polizeiinspektion gestanden und sich unterhalten. Wie „aus dem Nichts“ sei plötzlich von hinten eine Hand gekommen, sagt der Kollege des 49-Jährigen vor Gericht. Dass es sich um einen Messerangriff gehandelt habe, hätten beide zunächst nicht realisiert. Er habe nur einen intensiven Schlag auf den Brustkorb gespürt, sagt das Opfer. Erst als er zusammen mit seinem Kollegen den flüchtenden Angreifer auf dem Boden festgehalten habe, habe er gesehen, dass sein T-Shirt an der rechten Seite aufgeschlitzt gewesen sei – und dass er geblutet habe. Erst da hätten sie auch das Messer auf dem Boden neben dem Mann gesehen.

Nach seiner Festnahme soll der 23-Jährige ausgesagt haben, dass er zuvor aus Lautsprechern Stimmen der Trierer Polizei gehört habe. Daraufhin sei er wütend geworden und habe sich entschlossen, in Trier einen Polizisten anzugreifen. Der 49-jährige Kripobeamte, der in Zivilkleidung vor dem Polizeigebäude stand, wurde wohl aus Zufall zum Opfer.