Holkenbrinks Drohung

"Die Oberbürgermeisterwahl war ein Desaster für uns. Wer etwas anderes sagt, lügt sich in die eigene Tasche." Solch deutliche Worte wie von Triers CDU-Fraktionschef Bertrand Adams hört man von den verantwortlichen Protagonisten selten nach einer verlorenen Wahl.

Da schwadroniert für gewöhnlich selbst der Erdrutsch-Verlierer von "ganz passablem Abschneiden angesichts schwieriger Umstände", schiebt den schwarzen Peter notfalls den Wählern zu und flüchtet sich selbst in die "genaue Analyse der Ergebnisse", die irgendwann folgen werde. Das war's dann in der Regel schon mit der politischen Vergangenheitsbewältigung. Augen zu und weiter so lautet das Motto. Ein aktuelles Beispiel dafür liefert Adams' Parteifreund Ulrich Holkenbrink. Der CDU-Kandidat hat am Sonntag immerhin die Trierer OB-Wahl verloren - und mit rund 33 Prozent ein Ergebnis eingefahren, das mit der Bezeichnung "miserabel" noch geschönt wäre. Und was sagt der gute Herr Holkenbrink? Er bleibe auf jeden Fall Vorsitzender der Trierer CDU. Deutlicher könnte ein Kommunalpolitiker nicht zum Ausdruck bringen, dass ihn ein Wählervotum kalt lässt, und er nicht bereit ist, die nach einer solchen Klatsche fälligen Konsequenzen zu ziehen. Ulrich Holkenbrinks Ankündigung muss für die eigene Partei wie eine Drohung wirken, während sich die Opposition mit Blick auf die nächste Kommunalwahl diebisch freuen dürfte. Die Trierer CDU kann ihren Abwärtstrend nur stoppen, wenn sie sich personell und programmatisch erneuert. Das ist die Botschaft der verlorenen OB-Wahl vom Sonntag. Stellt die Partei dafür nicht schleunigst die Weichen, ist das nächste Desaster - die Kommunalwahl in drei Jahren - programmiert. r.seydewitz@volksfreund.de