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"Obama wird die Europäer beruhigen"

"Obama wird die Europäer beruhigen"

Heute kommt US-Präsident Barack Obama zum Abschiedsbesuch nach Berlin. Der Chef-Außenpolitiker der Unionsfraktion, Franz Josef Jung, rechnet mit einem klaren Signal Obamas an die Europäer. Mit dem künftigen Präsidenten Trump müsse nun zügig das Gespräch gesucht werden, so der frühere Verteidigungsminister im Gespräch mit unserem Korrespondenten Hagen Strauß.

Berlin. Präsident Obama trifft die wichtigsten europäischen Staatsleute. Somit wird er zum Mittler zwischen einem verdutzten Europa und seinem Amtsnachfolger Donald Trump. Herr Jung, was wird von der Präsidentschaft Obamas bleiben? Jung: Die Erwartungen waren größer als der Erfolg. Aber: Die Zusammenarbeit mit Obama war immer vertrauensvoll, auch zwischen ihm und Frau Merkel. Innerhalb der Nato ist er ein berechenbarer Partner gewesen. Welche Botschaft erwarten Sie von Obamas Berlin-Besuch? Jung: Ich gehe davon aus, dass Barack Obama die Europäer beruhigen wird. Sein Signal wird sein, dass die transatlantischen Beziehungen auch in Zukunft eine positive Entwicklung nehmen werden. Sowohl im Rahmen der Nato als auch darüber hinaus. Der Umstand, dass zugleich am Freitag die anderen europäischen Regierungschefs nach Berlin kommen werden zeigt, wie wichtig dies den Europäern ist. Der künftige Präsident heißt aber Donald Trump. Er sieht das offenbar anders. Jung: Für die Sorgen in Europa habe ich Verständnis. Deswegen ist es vernünftig, zügig auf den neuen Präsidenten zuzugehen und mit Trump das Gespräch zu suchen. Wir müssen rasch den Dialog führen, um seine Vorstellungen von den transatlantischen Beziehungen zu erfahren. Wird Obama die Europäer schon vorwarnen, dass von ihnen künftig mehr erwartet wird? Jung: Davon gehe ich aus. Das liegt auch auf der Hand, und unter einer Präsidentin Clinton wäre dies genauso. Die Probleme, die wir haben, wie in Syrien oder in der Ukraine, liegen alle vor der europäischen Haustür. Deswegen sagt Amerika, da muss sich Europa mehr engagieren. Wir müssen gerade im Bereich der Verteidigungsfähigkeit effektiver werden und viel stärker kooperieren. Es heißt, Frau Merkel müsse jetzt die freie Welt zusammenhalten. Wie sehen Sie das? Jung: Alle Gespräche, die ich führe, zeigen mir: Diese Erwartung gibt es in Europa und darüber hinaus. Deutschland ist ein wichtiger Stabilitätsanker. Gerade die Herausforderungen, die wir haben, sind sehr groß. Deswegen kommt es jetzt auch auf Frau Merkel an. hasExtra

Franz Josef Jung (67/Foto: dpa) war 2005 bis 2009 Bundesverteidigungsminister und vom 28. Oktober 2009 bis zum 30. November 2009 Bundesarbeitsminister. Franz Josef Jung ist promovierter Jurist. Der gebürtige Erbacher (Hessen) ist verheiratet, hat drei Kinder und drei Enkelkinder. red