"Wir brauchen einen Pakt für anständige Löhne"

Berlin · Berlin In der Debatte um mehr soziale Gerechtigkeit regt Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles einen Pakt für anständige Löhne an. Frau Nahles, der frisch gekürte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz trommelt jetzt für mehr soziale Gerechtigkeit.

 Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD). Foto: dpa

Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD). Foto: dpa

Foto: Uli Deck (dpa)

Was haben Sie falsch gemacht?
Nahles Vor allem haben wir vieles richtig gemacht. Allem voran haben wir den Mindestlohn eingeführt und den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen eingedämmt. Das waren zwei Kernversprechen der SPD. Eine Koalition setzt aber immer Grenzen. Deshalb bleibt noch viel zu tun. Etwa im Bereich prekäre Beschäftigung. Besonders junge Menschen werden oft mit befristeten Arbeitsverträgen abgespeist - zu fast 40 Prozent. Die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung gehört im Wahlkampf deshalb auf die Agenda. Denn mit der Union war das bislang nicht zu machen.

Schulz macht sich auch für deutlich höhere Löhne stark. Ist das nicht Sache der Tarifparteien?
Nahles Richtig. Wir beobachten allerdings vor allem im Dienstleistungsbereich eine grundlegende Schieflage, insbesondere dort, wo es um Dienstleistungen am Menschen geht. Altenpfleger oder Erzieher zum Beispiel werden chronisch schlecht bezahlt. Das kann so nicht weitergehen.

Und was folgt daraus für Sie?
Nahles Was wir brauchen, ist so etwas wie ein Pakt für anständige Löhne.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?
Nahles Wir müssen uns darüber Gedanken machen, welchen Wert der Dienst am Menschen tatsächlich hat. Das muss sich dann auch in anständigen Löhnen widerspiegeln. In einem nächsten Schritt könnten die Tarifpartner dann zum Beispiel einen Sozialtarifvertrag für die Altenpflege aushandeln, der für die gesamte Branche gilt. Aufgabe der Politik könnte es sein, diesen Prozess zu moderieren.
Stefan Vetter