Bistumsreform: Die Prümer Schäfchen sind nicht brav

Bistumsreform: Die Prümer Schäfchen sind nicht brav

Die Kritik an den Reformplänen des Bistums wird heftiger. In der Abteistadt haben sich Opponenten aus der Region getroffen und Gegenschritte diskutiert.

"Wir dürfen uns nicht einschläfern lassen." "Wir brauchen einen Kirchenrechtler." "Die Synodalen müssten empört sein, die haben von oben alles draufgestülpt gekriegt."

Drei Sätze aus der Versammlung am Dienstagabend in Prüm zum Thema Bistumsreform. An deren Ende sollen aus bisher 887 Kirchengemeinden 35 Großpfarreien gezimmert werden (der TV berichtete). Und aus den Zitaten wird klar: Glücklich sind die Teilnehmer der Runde mit den Plänen aus Trier überhaupt nicht.

Die gut 30 Gemeindevertreter kommen aus der ganzen Eifel: Kelberg und Rittersdorf, Hillesheim und Speicher, Ferschweiler, Wershofen und weiteren Orten. Eingeladen hat der Kirchengemeindeverband Prüm mit seinen zehn Pfarreien - vertreten durch den Vorsitzenden Peter Meyer, durch Helmut Baltes, Wilhelm Husch und Hanni Thomas.
Die Prümer mucken besonders deutlich auf: Der jüngsten großen Versammlung vorige Woche in Neuerburg, in der die Bistumsvertreter auch schon allerhand Kritik um die Ohren bekamen (TV von Samstag), blieben sie fern: In so großer Runde, sagt Peter Meyer, sei "nicht zielführend" zu diskutieren, zumal jeder Redner, wie auch andere am Dienstag monieren, nur eine Minute Zeit bekomme.

Ein Punkt, der alle Versammelten umtreibt: Das Vermögen der Pfarreien - sofern sie welches haben. Geht das, fragt auch Josef Arens aus Heckhuscheid (Pfarrgemeinde Großkampenberg), "eins zu eins in die große Pfarrei über"? Vielen würde das nicht passen. Helmut Baltes spricht zudem ein Problem an, das mancher noch nicht bedacht haben mag: Die künftigen Kirchengemeinden dürfen jedes Jahr 17 500 umsatzsteuerfreie Euro einnehmen (derzeit sind es noch 30 000). Eine solche Riesenpfarrei aber hätte diesen Betrag schnell in der Kasse - und bei nur einem Euro mehr muss alles versteuert werden. Josef Arens rät zum Dialog mit dem Bistum, trotz kritischer Haltung: "Verstand einschalten, im Gespräch bleiben. Das wäre der richtige Weg."

"Das ist auch das, was wir wollen", entgegnet Peter Meyer. Allerdings mit juristischer Hilfe, die sich die Prümer trotz fehlender Genehmigung aus Trier auch geholt haben: "Nicht, um einen Rechtsstreit zu führen. Wir wollen auf Augenhöhe reden." Juristisch vorgehen könne man gegen das Bistum ohnehin nur, wenn den Verantwortlichen dort ein Fehler unterlaufe. Aber, sagt Hermann Backes aus Fleringen, "die Herren in Trier werden den Teufel tun, kirchenrechtlich irgendwas falsch zu machen." Dass man mit Trier auf Augenhöhe sei, bezweifeln viele: "Alles schon beschlossen", "die machen den Sack zu" - auch solche Sorgen werden geäußert.

Und eine weitere: Dass es mit dem Engagement der Christen in den einzelnen Gemeinden, so sagt es auch Sandra Wölwer aus Hillesheim, schnell vorbei sein könne, wenn die großen Einheiten kommen und zugleich die Identifikation damit verloren gehe. Jochen Kohr, der Pfarrer von Bleialf, liefert ein weiteres Beispiel: Er verweist auf die bereits fusionierten Trierer Innenstadtpfarreien. Dort drohe das enrenamtliche Engagement zusammenzubrechen. Viele Ehrenamtliche seien zudem am Limit.

Wie machen die Opponenten jetzt weiter? Sie werden alle anderen darum bitten, Position zu beziehen: Die Runde beschließt einstimmig, dass ein Brief an die Verwaltungsräte aller Kirchengemeinden geschickt werden soll. Kernfrage: Seid ihr für die Erhaltung eurer Kirchengemeinde - oder zieht ihr bei den Großfusionen mit? "Unser ganz klares Ziel ist es, die Gemeinden beizubehalten", sagt Peter Meyer. Dafür werde man auch in der Öffentlichkeit trommeln. Und das sei auch nötig, sagt Rudolf Becker aus Speicher, weil die Trierer "offensichtlich unter einem Wahrnehmungsproblem leiden".

Meinung: Tapfere Gegenreformatoren
Die Prümer Kirchenvertreter nehmen ihr Herz in die Hand - und setzen sich tapfer an die Spitze der Reformkritiker. Mit Gegenwind ist zu rechnen. Umso mutiger ihr Vorgehen. Und in der Diskussion mit den Teilnehmern zeigte sich: Da saßen keine Querulanten. Sondern lauter Menschen, die es ernst meinen mit ihrem Glauben und ihrer Kirche. Eine Revolte ist das noch nicht. Aber ein Signal - für die viel größere Gefahr, die von den Reformplänen ausgeht: Dass nach der Umsetzung keiner mehr Lust hat, sich für das Gemeindeleben zu engagieren. In Prüm wurde das sehr deutlich. f.linden@volksfreund.deExtra: DIE BISTUMSPLÄNE

Es war eine angeregte, ernsthafte Diskussion im Prümer Pfarrheim. Foto: (e_pruem )

Weniger Priester, weniger Gläubige: Stephan Ackermann, Bischof von Trier, hat eine Reform angestoßen, an deren Ende die bisher 887 Kirchengemeinden zu 35 Großpfarreien fusionieren sollen. Dazu haben Laien und Geistliche in einer sogenannten Synode Vorschläge zur Umsetzung entwickelt. Bis Ende September, in der sogenannten Resonanzphase, wird noch über die Trierer Pläne diskutiert. Die endgültigen Beschlüsse will das Bistum am Freitag, 24. November, fassen.

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