Das Kyllwasser könnte schuld sein

Das Kyllwasser könnte schuld sein

Analysen zeigen: Offenbar gelangen die krebserregenden PFT-Schadstoffe von den Flugplätzen Bitburg und Spangdahlem nicht übers Grundwasser, sondern über die Kyll ins Trinkwasser. Die Stadtwerke Trier hoffen daher, dass die Konzentration nicht steigen wird.

Trier/Bitburg/Wittlich. 150 000 Menschen versorgen die Stadtwerke Trier und die Kommunalen Netze Eifel über 1700 Kilometer Rohrnetz mit Trinkwasser. "Ich war geschockt, als ich die Analyseergebnisse erfahren habe", sagt Helfried Welsch von den SWT bei einem Infoabend sämtlicher regionaler Kreisverbände des BUND am Freitag in Trier. Denn im Kylltalwasserwerk waren winzige Spuren (0,005 Mikrogramm/Liter) perfluorierter Tenside (PFT) nachgewiesen worden. Krebserregende Stoffe, die mit Löschschäumen von den Flugplätzen Bitburg und Spangdahlem in die Umwelt gelangt waren. 0,005 Mikrogramm sind zwar so wenig, dass keine Gesundheitsgefahr besteht (als lebenslang duldbar gelten 0,1 Mikrogramm/Liter) - doch war zu befürchten, dass übers Grundwasser weitere Schadstoffe nachsickern. Inzwischen gibt es die Hoffnung, dass dies nicht passiert. Welsch zufolge hat sich bei der Belastung der Kylltalbrunnen ein Muster gezeigt: Je näher sie an der Kyll liegen und je mehr Uferfiltrat in die Brunnen gelangt, umso höher die Belastung. Er vermutet daher, dass die Schadstoffe über den Fluss und nicht übers Grundwasser in die Brunnen gelangen. Und er hofft, dass die Werte niedrig bleiben. Genaueres soll ein hydrogeologisches Gutachten klären. Für die Eifel nördlich der Flugplätze kann inzwischen Entwarnung gegeben werden: Dort ist gar kein PFT im Trinkwasser.
Aber ließe sich die Schadstoffkonzentration der Kyll verringern, indem man die von den Flugplätzen kommenden Bäche in einer Kläranlage reinigt? Der Vortrag von Thorsten Stahl, dem Leiter des hessischen Landeslabors, hatte gezeigt, dass es möglich (wenn auch sehr teuer) ist, PFT mit Aktivkohlefiltern zu entfernen. "Nein", sagt Joachim Gerke, Abteilungsleiter bei der zuständigen Wasserbehörde. Dafür seien die Wassermengen viel zu groß. Man müsse die Quellen der Verunreinigung finden, um das Problem zu beseitigen. Aktuell wird in Bitburg und Spangdahlem danach gesucht.
Sowohl Stahl als auch Gerke und Welsch machen deutlich, dass die PFT-Debatte nur ein Anfang dessen ist, was noch kommen könnte. Bestes Beispiel dafür sind die rund 800 fluorhaltigen Verbindungen (PFT/PFC) selbst. Eine dieser Substanzen (PFOS) wurde verboten, weil inzwischen bekannt ist, welche Gefahr sie darstellt. Ersetzt wird sie durch andere Fluor-Verbindungen. "Deren Toxizität ist aber noch nicht erforscht", sagt Stahl. Da die Stoffe sehr mobil sind, kann man sie überall finden - im Wasser, in Pflanzen, Fischen, Muscheln. "Jeder von Ihnen hat sie in seiner Leber", sagt Stahl. Alle drei Experten gehen davon aus, dass sie sich in Zukunft mit vielen weiteren Schadstoffen beschäftigen müssen, über deren Auswirkung wenig bekannt ist: Hormone, Medikamente, Mikroplastik und Nanopartikel. Für die Wasserversorger werde dies zur Herausforderung für die kommenden Jahrzehnte.

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