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Das ungeliebte Biotop mitten in der Stadt

Das ungeliebte Biotop mitten in der Stadt

Die Firma Luxbauhaus hat ihr Grundstück am Beda-Platz 2011 mit einem Bauzaun abgesperrt. Die Firma plant, dort ein Wohn- und Geschäftshaus zu errichten. Doch statt eines Neubaus sprießt auf der Fläche inzwischen allerhand Grünzeug in die Höhe - und wuchert bis auf den Bürgersteig. Dem Bürgermeister reicht's.

Die Wüste lebt. Die Schotterfläche am Beda-Platz, auf der jahrelang geparkt werden durfte, erblüht zu neuem Leben. Nicht etwa, weil auf der Brache von rund 2000 Quadratmetern in bester Nachbarschaft von Banken, Immobilienbüro und Haus Beda nun doch endlich was passiert. Nein. Es wird nichts gebaut - jedenfalls nicht so bald.
Das Wohn- und Geschäftshaus, das die Firma Luxbauhaus seit 2008 an der Stelle plant, wird inzwischen noch nicht mal mehr im Internet vermarktet - auch nicht auf der eigenen Homepage der Immobilienfirma. Die Pläne liegen offenbar auf Eis. Das Einzige, was hinter dem Bauzaun wächst und gedeiht, ist die Natur, die sich die Brache zurückerobert. Die jungen Birken sind schon mehr als eineinhalb Meter hoch.Natur kennt keine Grenzen


"Den Posthandy, den Ihr onroft, ass am Moment ausgeschaltet": Das ist alles, was es auf Luxemburgisch sowie drei weiteren Sprachen unter der Nummer des Mitarbeiters von Luxbauhaus zu hören gibt, der bisher für das Projekt am Beda-Platz zuständig war. Bei der Zentrale hebt zwar jemand ab, aber auf die Frage, wie es am Beda-Platz weitergeht, kommt nur kurz und knapp: "Das wissen wir nicht." Fertig.
Eine Erfahrung, die so ähnlich auch Bitburgs Bürgermeister Joachim Kandels schon gemacht hat. Ihm reißt so langsam der Geduldsfaden. Denn das Biotop hinter dem Bauzaun wuchert weiter bis auf den angrenzenden Bürgersteig. Von einem "Schandfleck" spricht die CDU-Fraktion im Stadtrat mit Blick auf das Grundstück, auf dem seit Jahr und Tag immer nur geplant wird, aber nichts passiert. Dass Pläne sich zerschlagen, sich nicht realisieren lassen oder eben mehrfach umgeplant wird, gehört schon mehr oder weniger zur Natur der Geschichte dieser Fläche (siehe Extra). Ärgerlich aus Sicht der Stadt ist dabei, dass die Firma Luxbauhaus ihr Grundstück eingezäunt hat, die rund 40 Parkplätze auf der einstigen Schotterfläche seit 2011 damit weggefallen sind und das alles für nichts und wieder nichts.
So weit ist es das gute Recht des Grundstückseigentümers, der mit seiner Fläche tun und lassen kann, was er will.
Das Problem ist aber inzwischen die Natur. Denn die kennt keine Grenzen. Und spätestens am Gehweg ist für Bitburg dann Schluss mit lustig.Rodung in der Stadtmitte


Der Bürgermeister will die Sache klären. Und zwar umgehend. "Nachdem ich die Firma trotz mehrmaliger Versuche, telefonisch nicht erreichen konnte, habe ich Luxbauhaus per Mail aufgefordert, Grundstück und Wege zu reinigen. Wenn das nicht passiert, übernimmt der städtische Bauhof die Arbeiten, allerdings auf Kosten, die wir dann aber der Firma in Rechnung stellen", sagt Kandels.
So wird wohl demnächst der Bauhof in Bitburgs Stadtmitte mit Rodungsarbeiten beauftragt. Das Grün wird dann vorübergehend verschwinden, aber was kommen wird, bleibt ungewiss. Wahrscheinlich weiter lange nichts.Meinung

Kein Zustand auf Dauer
Wenn sich ein millionenschweres Projekt nicht vermarkten lässt, ist das für die, die Geld drin stecken haben, ärgerlich genug. So hat auch die Firma Luxbauhaus ihre Pläne für ein großes Wohn- und Geschäftshaus am Beda-Platz auf Eis gelegt. Doch das Biotop, das dort nun stattdessen wächst und gedeiht, ist keine Alternative. Das Grundstück sieht verwahrlost aus. Kein schöner Anblick mitten in der Stadt. Das kann nicht im Interesse der Firma sein. Nicht nur, weil es eine schlechte Visitenkarte ist. Sondern auch, weil es lukrativer wäre, die Fläche an die Stadt zu verpachten, damit dort wieder Parkplätze geschaffen werden. Damit könnte Luxbauhaus wenigstens sicher sein, dass nicht weiter alles vor sich hinwuchert und sich am Ende womöglich endgültig alle Projekte zerschlagen, weil sich seltene Tier- und Pflanzenarten wie Mopsfledermaus & Co. angesiedelt haben. d.schommer@volksfreund.deExtra

Der Beda-Platz: Für das Grundstück am Beda-Platz hat es schon viele Ideen gegeben. Umgesetzt wurde davon nichts. Ein Rückblick: 1999 war ein Projekt mit Erlebnis-Gastronomie, Hausbrennerei und Hotel Garni im Gespräch. Es folgten ein Freizeit- und Dienstleistungszentrum mit Kino und Stadthalle (2000), ein Ärztehaus (2001), eine Frischmarkthalle (2002), ein viergeschossiges Wohnhaus mit Ladenflächen (2003) und schließlich ein Wohn- und Geschäftshaus (2005). Zum Rechtsstreit kam es 2006, weil ein vermeintlicher Investor Zuschüsse von der Stadt für den Abriss von Häusern entlang der Gartenstraße kassiert hatte, dort aber nicht baute. Ende 2007 kam das Urteil, dass die Stadt kein Anrecht hat, den Zuschuss zurückzufordern. Seit 2008 plant die Firma Luxbauhaus auf dem Grundstück, überarbeitete 2010 ihr Konzept und hat 2011 mit der Vermarktung begonnen. Mehr als eine Million Euro hat Luxbauhaus nach eigenen Angaben in Erwerb des Grundstücks und Pläne investiert. 2012 hieß es, dass das neue Gebäude Mitte 2014 bezugsfertig sei. Auch die Pläne, in deren Zentrum seniorengerechtes Wohnen steht, die 2013 vorgestellt wurden, liegen nun offenbar auf Eis. scho