Die Angst vor dem Unsichtbaren

Die Angst vor dem Unsichtbaren

Während das Wetterradar bei Neuheilenbach aufgrund der Schutzzone zahlreiche Windkraftprojekte blockiert, sorgen sich Menschen in unmittelbarer Nähe der Anlage vor allem um ihre Gesundheit. Einige befürchten, dass die Strahlenbelastung weitaus schlimmer ist als vom Deutschen Wetterdienst behauptet.

Neuheilenbach/Burbach. Wenn Ortsbürgermeister Rudi Hau aus dem Fenster schaut, dann sieht er Häuser und ein Waldstück. Dahinter ragt eine weiße Kuppel auf, die wie ein riesiger Golfball auf einem grünen Turm thront. Wirft er einen Blick in seine Krankenakte, so erscheint dort ein Tumor, der ihm vor einigen Jahren entfernt wurde. Der Krebsherd selbst wurde nie gefunden.
Doch Rudi Hau ist sich sicher, dass es zwischen seiner damaligen Diagnose und der von seinem Wohnhaus gut einen Kilometer entfernten Kuppel einen Zusammenhang gibt. "Wir haben hier in Burbach und auch in den umliegenden Orten eine außergewöhnlich hohe Krebsrate", sagt der Ortsbürgermeister der Gemeinde Burbach-Neustraßburg. Sein Kollege Theo Marx stimmt ihm zu.Verharmlosung der Gefahren?


Marx ist Ortsbürgermeister des Nachbardorfs Neuheilenbach. Der grüne Turm mit der weißen Kuppel steht auf der Gemarkung seiner Gemeinde, die sich von Anfang an gegen dieses Wetterradar gewehrt hat. Bereits als der Deutsche Wetterdienst (DWD) 1996 die Gemeinde im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zum ersten Mal offiziell mit dem Vorhaben konfrontierte, gab es Widerstand. Als die Gemeinde schließlich in Abstimmung mit der VG Kyllburg ihre Zustimmung zu dem Vorhaben verweigerte und das Projekt damit hätte erledigt sein müssen, änderte der Deutsche Wetterdienst die Vorgehensweise. Statt mit Hilfe eines Genehmigungsverfahrens wurde das Wetterradar nun in einem Kenntnisgabeverfahren durchgeboxt. Der Wetterdienst begründete diese Vorgehensweise damit, dass das Radar auch Wetterdaten für die Bundeswehr liefere und damit eine Anlage sei, die der Landesverteidigung diene, weshalb die Errichtung der Anlage auch ohne Zustimmung der Gemeinde möglich sei.
Und so wurde die Anlage 1998 in Betrieb genommen. Doch damit nicht genug. Im Zuge der allgemeinen Optimierung seiner Anlagen, hat der DWD im vergangenen Jahr die Leistung des Neuheilenbacher Radars deutlich erhöht. Statt der ursprünglich 223 Kilowatt hat die Anlage jetzt nach Angaben des DWD eine Gesamtleistung von 500 Kilowatt. "Das ist 1000 Mal mehr Leistung als bei einem Mobilfunkmast", sagt Hau, der dem DWD eine Verharmlosung der Gefahren vorwirft. Zudem hat er starke Zweifel an den jüngst ermittelten Messwerten. So hat die Bundesnetzagentur, die genau wie der DWD dem Bundesverkehrsministerium untersteht, zwischen Januar und Mitte März im Auftrag der VG Kyllburg so genannte Feldstärkenmessungen durchgeführt.
Wie ein Sprecher der Netzagentur erklärt, sei dabei an 15 verschiedenen Standorten in den Orten Balesfeld, Burbach-Neustraßburg, Neidenbach und Neuheilenbach gemessen worden. Und zwar an Standorten, die von der VG Kyllburg vorgegeben worden seien. An keiner Stelle seien die Grenzwerte überschritten worden.Leistung des Messgeräts erhöht


Auch vor der Haustür von Rudi Hau war der Messtrupp der Bundesnetzagentur. Wie Hau erklärt, habe er sich auch mit einem dieser Männer unterhalten. Und dieser habe ihm gesagt, dass man eigentlich gar nichts messen könne, weil das Wetterradar ausgeschaltet sei.
Damit konfrontiert, erklärt der Sprecher der Bundesnetzagentur, dass es normal sei "in zwei Messmodi zu messen" - also einmal mit und einmal ohne Leistung. "Nach den Berechnungen der Bundesnetzagentur ist es möglich, sich dem Radar bis auf 2,36 Meter gefahrenfrei von unten zu nähern", heißt es in einem Schreiben des DWD. Begründet wird dies unter anderem damit, dass das mehr als 30 Meter hohe Wetterradar lediglich zur Seite und nach oben strahle, sodass die Menschen in den umliegenden und deutlich tiefer liegenden Ortschaften ungefährdet seien.
Für Hau stellt sich dabei allerdings die Frage, was mit den Strahlen bei bewölktem Himmel passiert. Schließlich werde ein Teil der Strahlen von den Wolken reflektiert. Je höher der Wassergehalt der Wolken, desto mehr komme zurück. Dass also von den starken Radarstrahlen so gut wie nichts auf der Erde ankommen soll, könne er sich deshalb beim besten Willen nicht vorstellen.