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Die Geheimnisse des Windmonds

Die Geheimnisse des Windmonds

Mit seinen trüben Tagen von Regen, Nebel und Wind galt der November von jeher als geheimnisvoll. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein versuchten Mägde, Knechte und Dienstboten, in der Orakelnacht im November in die Zukunft zu schauen. Wahrsager zogen von Dorf zu Dorf und boten ihre Dienste in der Andreasnacht an.

 Die im 13. Jahrhundert erbaute Stadtmauer um Hillesheim, die die Form eines Fünfeckes hatte, diente zum Schutz vor Wölfen und Feinden. Noch heute findet man an der Stadtmauer Gerätschaften, mit denen die Bewohner sich verteidigten und auch der Wolfsplage Einhalt geboten. TV-Foto: Felicitas Schulz
Die im 13. Jahrhundert erbaute Stadtmauer um Hillesheim, die die Form eines Fünfeckes hatte, diente zum Schutz vor Wölfen und Feinden. Noch heute findet man an der Stadtmauer Gerätschaften, mit denen die Bewohner sich verteidigten und auch der Wolfsplage Einhalt geboten. TV-Foto: Felicitas Schulz

Hillesheim. In der vegetationsarmen Zeit und zum Ende der Ernte- und Feldarbeit kehrte im bäuerlichen Jahreslauf mit dem "Windmond", wie der Monat im 8. Jahrhundert von Kaiser Karl dem Großen auch bezeichnet wurde, eine gewisse Regelmäßigkeit im täglichen Ablauf ein. Und hörte man erst einmal die Füchse bellen, so hieß es, dann wird der Winter viel Schnee bestellen. Die Bevölkerung lebte über Jahrhunderte hinweg nach überlieferten Bauern- und Wetterregeln, die erstmalig um das Jahr 1500 aufgezeichnet wurden. Sie stammen zum Teil noch aus der Zeit des Julianischen Kalenders. Der Hauptteil der Wetterregeln entstand nach der Kalenderreform mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders um 1582. Der 11. November war einer der wichtigsten Tage im Bauernkalender. Sein Datum galt als Abschluss des alten Wirtschaftsjahres und zeigte zugleich den Anfang eines neuen an. Fällige Zinsen und Raten, auch der Großteil des Zehnten, mussten entrichtet werden. Der dem heiligen Martin geweihte Tag galt in der Eifel als Winteranfang und wurde nach dem Kirchgang mit der Martinsgans als Festessen begangen. Gespannt schaute man bei der Zerlegung der Gans auf das Brustbein. War es weiß, dann musste mit einem strengen Winter gerechnet werden. Eine mittelalterliche Weisheit besagt, dass das Blut der Martinsgans gegen Fieber hilft, und ihr Fett verjage die Gicht. Den Bauern war zum Schutz der Saaten eine dichte Schneedecke lieber, um Erfrierungen zu vermeiden. In der zweiten Hälfte des Monats mit zunehmenden Nachtfrösten zollten die Menschen der Wetterlage am 19. November, dem Fest der heiligen Elisabeth von Thüringen und der heiligen Katharina sechs Tage später, besondere Beachtung. "Kommt Katharina mit Wind und Regen, gibt es Dreck auf allen Wegen." Je mehr sich der Monat dem Ende neigte, umso erwartungsvoller dachten besonders die Mädchen an die letzte Nacht, die sogenannte Orakelnacht. Für sie war wichtig zu erfahren, ob sie bald einen Liebsten finden würden. Um das herauszubekommen, schleuderten sie Pantoffeln durch die Luft, unterzogen sich der Scheitelprobe oder warfen geheime Zettel in das Feuer. Dazu beteten sie den Heiligen Andreas an: "Ich bitt dich, Bettstatt, ich tritt dich, zeig mir den Herzallerliebsten." Die Männer dagegen interessierte das Wohlbefinden ihrer Tiere im Stall, das Wetter und ihre Vorräte in einem besonders langen und strengen Winter. "Wolfsmonat" nannte man in einigen Gegenden den November, weil die Wölfe sich aus den dunklen Wäldern trauten und die Kinder des Abends beteten, dass sie kein wilder Hund beißt und kein böser Wolf zerreißt. Die Erwachsenen schimpften reimend über den Frostmonat mit Schnupfen und Husten - "man muss sich fast zu Tode prusten".