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Die Quadratur des Kreisels

Die Quadratur des Kreisels

Ideen für den Hahnplatz: 50 Prümer haben am Donnerstag die Einladung von Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy zum Gespräch über die zukünftige Gestaltung des Zentrums angenommen. Ihre Vorschläge und Wünsche sollen in den Architekten-wettbewerb einfließen.

Prüm. Der Hahnplatz im Prümer Stadtzentrum: Wie er in Zukunft aussehen wird, steht noch nicht fest. Klar ist aber: Die Planer, die sich am Wettbewerb um den Zuschlag für den drei-Millionen-Auftrag beteiligen wollen, stehen vor einer schwierigen Aufgabe.
Denn es sind nicht nur die topografischen Verhältnisse mit starken Höhenunterschieden zu berücksichtigen, nicht nur die Frage nach der Verkehrsführung, sondern auch die Wünsche der Prümer. Und die gehen in einigen Punkten weit auseinander: "So viele Parkplätze wie möglich!" (Monika Rolef) - "So wenige wie möglich!" (Karl-Heinz Thommes). Allein das unter einen gestalterischen Hut zu bringen, dürfte knifflig werden.
Moderator der Runde mit 50 Bürgern ist Klaus Zimmermann vom Bitburger Büro ISU, das vom Stadtrat den Auftrag zur Vorbereitung des Wettbewerbs erhalten hat (der TV berichtete).

Er verweist noch einmal darauf, was für einen städtebaulichen Schatz der Hahnplatz darstellt: "Einen solchen Platz gibt es in der ganzen Eifel nicht noch mal." Allerdings erinnert er auch an die Hürden bei der Neugestaltung: die umstrittene Verkehrsführung, die Bedingungen der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, die die Landeszuschüsse verwaltet und "die Kröte Kreisverkehr" zunächst nicht habe schlucken wollen.
Und an dieser Stelle wird die Diskussion dann nicht ganz so harmonisch und offen, wie sich das Zimmermann und die Bürgermeisterin gewünscht haben: Kritik an der Stadtratsentscheidung für den Kreisel und die Sorge, dass damit der motorisierte Verkehr den Platz dominiere, will die Mehrheit nicht hören. Die Diskussion droht sich zu verzetteln.
Aber der Kreisel ist beschlossen - und er müsse ja nicht so aussehen, wie der vorläufig eingerichtete oder wie es die Entwürfe des Landesbetriebs Mobilität vorsehen, sagt Verkehrsexperte Hermann Josef Benger - vor allem nicht so groß. "20 bis maximal 25 Meter Durchmesser" schlägt er vor.
Die Mauern müssen weg


Für Erich Reichertz muss der Kreisel "mit größtem Abstand zur Basilika" geplant werden.
Die Bürger bringen aber noch viele weitere Ideen zu weniger verfänglichen Punkten ein: Man müsse alles berücksichtigen - Autos, Fußgänger, Radfahrer, sagt Guido Braconnier. Er regt an, auch den Radweg durchs Zentrum zu führen und nicht wie bisher daran vorbei.
Monika Rolef wünscht eine Berücksichtigung der Historie. Man müsse zwar nicht gleich die alte Abtsburg wieder errichten - aber vielleicht könne man ja den früheren Grundriss sichtbar machen und weitere Hinweise auf die karolingische Vergangenheit markieren.
Die Betonmauern aus den 1970er Jahren müssen verschwinden - was Erich Reichertz fordert, stößt auf allgemeine Zustimmung. Auch die damals entstandene Aufschüttung müsse weg, damit wieder ein freier Blick auf die Basilika möglich sei.
Auch der Verlauf des Fuhrwegs solle bedacht werden, sagt Markus Fischbach: "Geht er zur Bahnhofstraße oder geradeaus in den Kreisverkehr?" Christine Kausen regt an, auch Landschaftsplaner in den Wettbewerb mit hineinzunehmen. Andere schlagen einen Blick nach St. Vith vor: Dort habe man es mit der Gestaltung der zentralen Straßen geschafft, den Verkehr zu verlangsamen.
Weitere Vorschläge aus der Runde: Mehr Sitzgelegenheiten rund um den Platz, Ladezonen vor den Geschäften, viel Grün, Barrierefreiheit und ein Überdenken des Busbahnhofs am Regino-Gymnasium.
Es werde wohl nichts geben, was allen gefällt, sagt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy. "Wir werden Kompromisse finden müssen. Aber ich hoffe, dass wir uns alle hinterher noch gut begegnen können."
Klaus Zimmermann will das Ergebnis der Bürgerrunde in einer Broschüre festhalten und sie den Wettbewerbsteilnehmern an die Hand geben. "Damit sie sehen: Wie ist die Diskussion gelaufen, was ist ihnen wichtig?"
Die Ausrichtung des Wettbewerbs und die Einhaltung aller nötigen Richtlinien werden vom Mainzer Architekten Marcus Hille begleitet. Er ist zum ersten Mal in Prüm und zeigt sich begeistert von Stadt und Hahnplatz.
Und vielleicht hat er ja auch das richtige Motto für das Vorhaben: "Augen auf, Kopf frei, neugierig sein - dann kann am Ende etwas ganz Tolles dabei herauskommen."