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Einbruch in das Umspannwerk Niederstedem: Amtsgericht Bitburg setzt Kupferdiebe auf freien Fuß

Einbruch in das Umspannwerk Niederstedem: Amtsgericht Bitburg setzt Kupferdiebe auf freien Fuß

Sie kamen, um Kupferkabel zu stehlen, und landeten im Gefängnis: Das Amtsgericht Bitburg hat sieben Männer zu Freiheitsstrafen, die auf Bewährung ausgesetzt wurden, verurteilt. Sie wurden im November von der Polizei auf dem Gelände des Umspannwerkes in Niederstedem festgenommen und saßen seitdem in Untersuchungshaft.

Volles Haus im Amtsgericht: So viele Angeklagte, Verteidiger, Dolmetscher und Sicherheitsbeamte wie am gestrigen Verhandlungstag hat man bei Prozessen am Amtsgericht Bitburg selten gesehen. Sieben Angeklagte mit ihren Rechtsanwälten, zwei Dolmetscher, elf Polizisten und Justizvollzugsbeamte und eine Staatsanwältin saßen im Sitzungssaal des Jugendschöffengerichts, als Richter Udo May und zwei Schöffen die Verhandlung eröffneten. Da der jüngste Angeklagte, der bei dem Einbruch in das Umspannwerk in Niederstedem im November erwischt wurde, erst 18 Jahre alt ist, wurde vor dem Jugendschöffengericht verhandelt. Das Verfahren eines achten Mittäters, der derzeit nicht verhandlungsfähig ist, wurde abgetrennt.

Einbruch: Die Polizei hatte die Diebesbande in einer Novembernacht auf dem mit Überwachungskameras gesicherten RWE-Gelände festgenommen, nachdem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma Alarm geschlagen hatten. Um 2.30 Uhr in der Nacht ertappte die Polizei die Gruppe dann auf frischer Tat dabei, wie sie mit einem Bolzenschneider von einer mannshohen Rolle Kupferleitungen abschnitt, und sie für den Abtransport vorbereitete. Um auf das Gelände zu gelangen, hatten die Täter zuvor einen Metallzaun demontiert. Sie sollen dabei einen Schaden in Höhe von 7650 Euro verursacht haben. Das Kupferkabel, das sie abtransportieren und versilbern wollten, soll dagegen nur einen Wert von 600 Euro gehabt haben. Vor dem Umspannwerk verhafteten die Beamten noch einen weiteren Mann, der den Fluchtwagen fahren sollte. Doch bevor die Beamten ihm die Handschellen anlegen konnten, mussten sie ihn aufwecken: Er war in seinem Ford Transit eingeschlafen.

Anklage: Wie Staatsanwältin Caroline Heister aus der Anklageschrift verlas, wollten die rumänischen Staatsbürger im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, wovon sechs in Italien wohnen, mit dem Verkauf der Kupferkabel ihre Heimreise finanzieren. Die Täter, darunter zwei Väter und ihre Söhne sowie ein mit diesen verschwägerter Verwandter, "gehören zur Bevölkerungsgruppe der Roma, leben in Camps und haben kaum Schulbildung genossen", wie Staatsanwältin Caroline Heister erklärte. "Deshalb sind ihre Chancen, Arbeit zu finden, weitaus geringer als bei anderen Europäern." Die Regel, dass man fremdes Eigentum nicht stehlen dürfe, sei aber allgemeingültig, sagte Heister, weshalb die Männer für den versuchten Diebstahl gleichwohl zu bestrafen seien. Heister forderte für alle Täter, ob mit oder ohne Vorstrafen, Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Heister: "Ich würde mir wünschen, dass Sie sich künftig einen legalen Weg suchen, um Ihre Familien zu ernähren."

Deal: Bevor die sieben Anwälte ihre Plädoyers hielten, verhandelten sie mit Richter Udo May und den beiden Schöffen hinter verschlossenen Türen, um das Verfahren schneller zum Ziel zu führen. Heraus kam ein Deal: Das Gericht und die Verteidiger verständigten sich darauf, dass die Angeklagten mit Bewährung davon kommen sollten, wenn sie die Tat, exakt so wie sie ihnen vorgeworfen wurde, einräumten. Dieser Handel gelang. Drei Zeugen, denen die Aussage damit erspart blieb, konnten so vorzeitig nach Hause geschickt werden.

In ihren Plädoyers forderten einige Anwälte - wer hätte es anders erwartet - ihre Mandanten etwas geringer zu bestrafen, als von der Staatsanwaltschaft gefordert. "Ihre Familien sitzen auf dem Campingplatz und müssen schauen, wie sie ohne Ernährer was zu essen bekommen", sagte Rechtsanwalt Christian Ciuera. "Das ist keine professionell agierende Bande, sondern ein Haufen armer Schlucker, der auf die Idee kam, mal was anderes auszuprobieren." Die Männer sollen ihren Lebensunterhalt zuvor in Italien durch Gelegenheitsarbeiten bestritten haben und seien dann durch Belgien und Deutschland gereist, um sich nach einem besseren Job umzusehen, "was wohl in die Hose ging", wie Rechtsanwalt Ciuera erklärte.

Urteil: Richter Udo May hielt sich an die Absprache und verurteilte alle Angeklagten wegen des versuchten gemeinschaftlichen Diebstahls im besonders schweren Fall mit Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr und zehn Monaten. Alle Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. May: "Wenn acht Täter mit einem Bolzenschneider Kupferkabel stehlen gehen, ist offensichtlich, dass es sich bei den Tätern nicht um Schwerkriminelle, sondern um arme Seelen, die in Not leben, handelt."