1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Einmal Schäferin - immer Schäferin

Einmal Schäferin - immer Schäferin

"Das kann’s doch nicht gewesen sein", dachte sich Elsa von Rospatt (86) im Alter von 60 Jahren und orientierte sich beruflich kurzerhand um: 20 Jahre zog sie schließlich als Wanderschäferin über die Schneifel.

Prüm/Kopp. Eine Kanzlerin regiert das Land, eine Frau steht dem Internationalen Währungsfonds vor - alles selbstverständlich heute. Gern wird dabei vergessen, dass dies nicht immer so war. Ein Lied davon kann die pensionierte Wanderschäferin Elsa von Rospatt (86) singen. Die Eifelerin zählte zu den ersten Geschlechtsgenossinen in dieser Männerdomäne.
Nie etwas vorschreiben lassen


"Als ich beschloss, Wanderschäferin zu werden, ich war schon 60 Jahre alt, gab es kaum Frauen in diesem Beruf", sagt sie. "Probleme mit anderen Schäfern hatte ich eigentlich kaum, Jäger und Bauern waren da manchmal schwieriger, aber auch die haben sich an mir die Zähne ausgebissen", sagt sie und lächelt. Was ihr immer geholfen habe: ein starker Durchsetzungswille, die Liebe zu den Tieren und etwas Eigensinn. Sie habe sich einfach nie etwas vorschreiben lassen.
Eine geflochtene Strähne rutscht ihr über die Schulter. Energisch schiebt Elsa von Rospatt sie zur Seite. Auch mit 86 Jahren zeugt jede Geste von einem eisernen Willen. Zur Schäferei sei sie über Umwege gekommen, fährt sie fort. Sie sei über 60 gewesen, Mutter von acht Kindern, in Frührente: "Ich lernte Industriekauffrau, übte den Beruf aber eigentlich nie aus. Das konnte es doch nicht sein. Ich wollte nicht die Art von Mama werden, die sich nur noch um die Rotznäschen der Enkel kümmert und sagte mir einfach - jetzt mach ich in Schafen." Den Anstoß zur Neuorientierung habe ihr erster Bordercollie Steffi gegeben: "Eigentlich wollte ich nur den jungen Hund trainieren und kam so zur Schäferei - nach einigen Monaten im Schwarzwald waren wir plötzlich beide ausgebildet." Bald sei sie dort mit ihrer ersten kleinen Herde von 37 Schafen und einem Esel unterwegs gewesen. Die Dinge nahmen ihren Lauf. Sie ließ sich mit einer eigenen Herde in der Eifel nieder und wanderte vor allem mit ihren Tieren durch die Schneifel.
Elsa von Rospatt machte sich zügig einen Namen und war bald auch für die damalige Bezirksregierung Trier zur Landschaftspflege mit ihren Schafen unterwegs. "Das ging alles sehr schnell. Heute wäre das wohl nicht mehr möglich", sagt sie. Mit romantischen Vorstellungen des Schäferlebens habe der Job übrigens nur wenig zu tun. "Man muss sich klar machen: Als Wanderschäfer ist man Sommer wie Winter mit seinen Tieren unterwegs." Als sie 2010 den Schäferhut an den Nagel hing, sei ihr das schon schwer gefallen: "Vermissen? Doch, ich vermisste das Leben mit den Schafen schon. Lange Zeit hatte ich noch immer einen Stoffsack mit handgeschorener Wolle griffbereit, aber alles hat halt seine Zeit."
Noch ein Traum ist offen



Der Schäferei bleibt sie trotz Ruhestand verbunden - einmal Schäferin, immer Schäferin. So stricke sie noch immer täglich - "eine alte Angewohnheit" - und verkaufe auch die aus Biowolle gemachten Socken und Mützen, aber auch mit Kollegen sei sie weiter in Kontakt. "Solange es gesundheitlich geht, manchmal fällt es leichter, manchmal schwerer, besuche ich zum Beispiel den Schäferlauf in Markgröningen."
Bleibe sie dem Lauf fern - er gilt in Deutschland quasi als Branchentreffen - schelle bald das Telefon und man frage, warum sie nicht gekommen sei. Einen Traum habe sie sich übrigens noch nicht erfüllt: "Ich würde gern die Mongolei besuchen, mal sehen ob daraus noch was wird."