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Mühle, Teich und Backofen

Mühle, Teich und Backofen

WILLWERATH. In Willwerath wurde er geboren, hier lebte und arbeitete er, hier verbringt er nun seinen verdienten Ruhestand. Karl-Heinz Carls war Müller, Bäcker, Landwirt und Sägewerker. Nun stehen die Arbeiten auf dem gesamte Anwesen still.

Der 72jährige Rentner wurde im 160-Einwohner-Ort im Prümtal geboren, bis heute wohnt er in der Brückenstraße in seinem schmucken Wohnhaus. Draußen befindet sich ein großes Staugewässer, etwas seitlich plätschert die Prüm dahin, nebenan das alte Sägewerk, darüber die Mühle und das Backhaus. Die Führung durch das riesige Haus wird zu einer Geschichtsreise in längst vergangene Tage. Der Mühlentrichter, die Werkzeuge, der Backofen, die "Schieß", einige alte Kurbeln und noch viel mehr - man sieht, hier wurde einst mächtig gerackert. Großvater Bernhard, Vater Michael und eben Karl-Heinz: sie alle waren Müller und hatten stets viel zu tun. "Bis 1985 klapperte das Mühlrad", erzählt Karl-Heinz Carls, "danach schloss der Müllerbetrieb". Er selbst backte allerdings noch Brot, bis ihn eine Krankheit zwang, auch diese Tätigkeit vor drei Jahren aufzugeben. "Im Krieg war das komplette Gebäude ausgebrannt", erinnert sich Carls, der mit seiner Mutter und den Geschwistern damals nach Oos geflüchtet war. "Danach begaben wir uns an den Wiederaufbau". "Früher kamen die Bauern mit ihrer Frucht, trugen sie in die Mühle, wo die Säcke markiert und gestapelt wurden", sagt der Müller. Dann wurden sie abgewogen, auf die Reinigung geschüttet, unters Dach befördert und in den Mühlentrichter gekippt. "Am Tag waren es bis zu zehn Zentner, die gemahlen wurden. Es waren harte, aber auch schöne Zeiten", urteilt der alte Müller mit Distanz zum früheren Schaffen. Das Wasser wurde durch den "Millendeech" zugeführt, für Notzeiten gab es um die Ecke einen Wasserstau, ein Reservoir, auf das man zurückgreifen konnte, wenn die Prüm mal wenig Wasser führte. "Auch in diesem heißen Sommer hätten wir immer genügend Wasser gehabt", weiß Carls. "Ging einmal ein Treibriemen kaputt, gab es einen Mehlstau - das war nicht lustig. Dann mussten die Rohre freigestochert werden, bis das Mahlgut wieder lief. Dann war man ordentlich bepudert." In der angeschlossenen Bäckerei wurden vor allem Roggenmischbrote verkauft, die im Backhaus gebacken wurden. "Für Leute aus dem Dorf und den Nachbardörfern, die kein eigenes Backes hatten", sagt Carls. Pro Backtag waren es 40 Ein-Kilo-Brote und 20 Zwei-Kilo-Brote. "Samstags gab es dann noch meist Torten." Der Abschied von der Arbeit fiel ihm schwer. "Ja, ich wurde krank und konnte einfach nicht mehr. Mir fehlen vor allem die Menschen, die hier ein- und ausgingen, sei es zum Roggen anliefern, zum Kauf der Brote oder einfach zum Kallen", erzählt er wehmütig. Glaube, Heimat, Natur bedeuten ihm sehr viel. "Wenn ich so durch die Gegend gehe, sehe ich eigentlich erst heute, wie schön die Eifel ist", sagt er. Früher hatte er keinen Blick für diese Dinge, zu viel Arbeit lastete auf ihm. Nun hat er Zeit, genießt seinen wohl verdienten Ruhestand, verbringt seinen Lebensabend da, wo er sich wohl fühlt. In seinem Dorf, in seiner Mühle.